Ehemaliger Qube-Club

Im Frühjahr soll im ehemaligen „Zilles Tollhaus“ ein neuer Club eröffnen

Wie in guten, alten Zeiten: Im November 2013 laden die Betreiber von ehemals „Zilles Tollhaus“ in den neu eröffneten Qube-Club zu einer Tollhaus-Revival-Party mit Rick Washington ein.
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Wie in guten, alten Zeiten: Im November 2013 laden die Betreiber von ehemals „Zilles Tollhaus“ in den neu eröffneten Qube-Club zu einer Tollhaus-Revival-Party mit Rick Washington ein.

In den ehemaligen Qube-Club bzw. Zilles Tollhaus in Eschwege kommt ab dem kommenden Frühjahr eine neue Diskothek mit neuen Inhabern

Eschwege – Generationen von Partywütigen haben sich hier die Nächte um die Ohren gehauen, so manchen Absturz erlebt, aber vor allem viel Spaß gehabt. Hinter dem, was 1996 an der Niederhoner Straße in Eschwege mit einer spontanen Party begann, zu der allerdings gleich 1500 Gäste anrückten, dann „Zilles Tollhaus“ wurde und nach einigen unspektakulären Versuchen als noch mal ziemlich erfolgreicher Qube-Club eine Hochphase erlebte, setzt André Palmaccio jetzt einen Punkt.

Der 56-jährige hat die Immobilie an zwei junge Männer verkauft, die hier einen Neustart wagen wollen. „Ich hatte bei den beiden das Gefühl, dass das die richtigen Jungs sind“, sagt er.

Alik Sadkhyan (26) und Sajad Shamel (25) haben den ganzen Laden gekauft und wollen im nächsten Frühjahr hier wieder eine Diskothek eröffnen. „Alle machen zu, wir machen auf“, sagt Alik Sadkhyan. Denn mit der neuen Diskothek in Eschwege wären sie im Umkreis von 40 Kilometern derzeit die einzigen. „Wir wollen hier was eröffnen, das es so in Eschwege noch nie gab“, erklären die beiden.

Inspiration aus Clubs in ganz Europa

Dafür sind die beiden jungen Männer in diesem Sommer einige Wochen durch Europa, aber auch die Türkei gereist und haben sich Clubs angeschaut und reichlich Inspiration für ihr Projekt mitgebracht. Auch wenn der Name des neues Clubs erst mal noch geheim bleiben soll – so viel geben sie preis: „Hier soll man feiern können wie die Millionäre, auch für kleines Geld“, sagt Alik Sadkhyan. Mottopartys, verschiedene Musikrichtungen von den 1990ern bis zu Hip Hop und Techno. Sie wollen Künstler und Prominente einladen, die die Gäste unterhalten und Partykomplett-Pakete anbieten inklusive Limousine und Unterkunft anbieten. Und auch baulich soll sich das alte Tollhaus wieder mal verändern.

Für André Palmaccio, der seit vielen Jahren in Holland lebt und dort Casinos und Spielbanken betreut, geht jetzt mit der Schlüsselübergabe an das junge Duo eine Ära zu Ende. „Da hängt auch wirklich viel Herzblut für mich dran“, sagt Palmaccio und erinnert sich an die Anfänge.

Gemeinsam mit seinem damaligen Geschäftspartner und Freund Matthias Rohner, der Wirtin Helga Stahlhut wollten sie einfach eine Party mit Guildo Horn machen. Sie mieteten das alte Fabrikgebäude für einen Tag, druckten billige Flyer, der Eintritt kostetet fünf Mark. „Wir haben mit 200 Leuten gerechnet, dann standen abends 1500 vor der Tür“, erzählt André Palmaccio. Die Party platzt aus allen Nähten und vor allem waren die Getränke alle, weshalb der Trupp losfährt und sämtliche erreichbaren und noch geöffneten Tankstellen abklappert. „Wir haben alles aufgekauft, wo auch nur ein bisschen Alkohol drin war“, erinnert sich Palmaccio.

Die neuen Besitzer: Sajad Shamel (links) und Alik Sadkhyan (rechts), in der Mitte André Palmaccio, der „Zilles Tollhaus“ 1996 mitbegründete.

Aus der ersten erfolgreichen Party wurde dann das legendäre „Zilles Tollhaus“ unter Regie von Helga Stahlhut. „Wenn Helga da war, lief der Laden einfach.“ Und er lief, obwohl die Diskothek nur alle zwei Wochen für zwei Tage öffnete. „Wenn mal nur 900 Leute da waren, waren wir enttäuscht.“

Wenn sich Palmaccio vor allem an die ersten Jahre des Tollhauses erinnert, rollen die Anekdoten nur so. Wie die über eine junge Frau, die beschwor und auch noch darauf wettete, dass es unmöglich sei, sie zu hypnotisieren. Letztendlich rannte sie auf Geheiß des Hypnotiseurs heulend durch den Club und rief nach ihrer Mutter. Das Ergebnis imponierte auch Palmaccio so, dass er es vermied, dem Hypnotiseur bei der Auszahlung seiner Gage in die Augen zu schauen, sondern das Geld mit weggedrehten Kopf über den Tisch schob. „Wir haben hier wirklich viel Spaß gehabt.“

2004 zieht sich Palmaccio zurück, veranstaltet im Tollhaus nur einige kleine Partys und verpachtet das Tollhaus an verschiedene Betreiber, die aber alle mehr oder weniger erfolglos bleiben. 2013 findet eine legendäre Revival-Party statt, und dann begründen die beiden blutjungen Männer Aljoscha Krostitz und Jonas Fleischer den Qube-Club mit einem neuen Konzept. Doch nach einigen Jahren wird es auch um den Qube wieder stiller, die beiden Betreiber gehen studieren, die letzte Qube-Party findet 2019 statt und seither lag das alte Tollhaus wieder brach.

„Ich hatte mit 30 meine eigene Disco, aber nach 25 Jahren ist es auch gut. Ich bin inzwischen aus der Generation rausgewachsen“, sagt André Palmaccio. „Die jungen Leute werden außerdem auch immer jünger.“ Aber eins ist sicher, sagt Palmaccio: „Die Eschweger feiern bis sie umfallen.“

Von Stefanie Salzmann

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