Bereich für Sonderplätze war voll

Rauswurf mit Happy End: Rollatorfahrerin musste aus Eschweger Stadtbus aussteigen

Kann mittlerweile über den Rauswurf aus einem Eschweger Stadtbus lachen: Gisela Schäfer nimmt die Entschuldigung von Bernd Frölich, der stellvertretend für sein gesamtes Unternehmen vor Ort war, an.
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Kann mittlerweile über den Rauswurf aus einem Eschweger Stadtbus lachen: Gisela Schäfer nimmt die Entschuldigung von Bernd Frölich, der stellvertretend für sein gesamtes Unternehmen vor Ort war, an.

Rollatorfahrerin Gisela Schäfer musste in Eschwege für einen Rollstuhlfahrer aus dem Stadtbus aussteigen. Das Busunternehmen hat sich mittlerweile entschuldigt.

Eschwege – An einem Montagvormittag Ende Mai nahm Gisela Schäfer wie so oft den Eschweger Stadtbus. Als sie an der Stadthalle zustieg, war der Bereich für Sonderplätze bereits fast voll.

„Vor mir stand dort schon ein Kinderwagen und ein weiterer Herr mit Rollator“, erinnert sich Schäfer. Sie nahm den letzten freien verfügbaren Platz für sich und ihren Rollator.

Als an der Haltestelle am Krankenhaus nun ein Herr mit Rollstuhl zusteigen wollte, wurde Schäfer vom Fahrer aufgefordert, auszusteigen, da „Rollstuhlfahrer immer Vorrang hätten“.

Fahrer forderte sie mehrfach zum Aussteigen auf

Die 82-jährige Rentnerin aus Eschwege weigerte sich zunächst, doch der Fahrer des Busses forderte sie erneut auf. „Ich könne ja schließlich auf den nächsten Bus warten und sollte schneller machen. Dann bin ich einfach ausgestiegen“, erzählt Schäfer.

Über diese Entscheidung regt sie sich noch heute auf. „Natürlich habe ich Verständnis für Rollstuhlfahrer, aber auch die können, wenn es nun mal voll ist, warten.“ Eine halbe Stunde wartete sie dann am Krankenhaus auf den nächsten Bus, der sie letztlich nach Hause brachte.

„Ich bin ja auf den Bus angewiesen und nehme ihn mehrmals die Woche. Aber so etwas ist mir noch nie passiert.“ Noch aufgeregt von dem für sie „sehr anstrengendem Erlebnis“ rief sie gleich bei Frölich-Reisen an, dem Unternehmen, das die Stadtbusse in Eschwege betreibt.

Mittlerweile nimmt die 82-Jährige die Sache mit Humor

Hier gehen die Aussagen nun auseinander: Während für Frölich-Reisen der Sachverhalt mit dem Telefonat geklärt war, wartete Gisela Schäfer weiterhin auf eine Rückmeldung und wendete sich schließlich an unsere Zeitung. Fest steht, dass der Busfahrer nicht im Recht war. Rollstuhlfahrer haben kein Vorrecht auf einen Platz.

Dies sei auch gleich eingeräumt worden und man entschuldigte sich laut Unternehmen sofort bei der Rentnerin. Diese Woche kam es nun zu einem klärenden Gespräch zwischen Geschäftsführer Bernd Frölich und Gisela Schäfer. „Wir möchten uns in aller Form entschuldigen. Es tut uns sehr leid“, so Frölich, der noch mal klarstellte, dass einzig Fahrradfahrer gebeten werden können, Platz für andere Gäste zu machen.

Mittlerweile kann Gisela Schäfer das Ganze mit Humor sehen: „Ich habe bis dahin ja nur gute Erfahrungen im Bus und besonders mit den Fahrern gemacht.“ Ohne den Stadtbus wisse die 82-Jährige gar nicht, was sie machen würde und ist deswegen mehr als froh, dass die Angelegenheit geklärt wurde. (Ulrike Käbberich)

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