Wildtiere

Rehe bis Mai schonen: Verein Hubertus kritisiert Verkürzung der Schonzeit auf 1. April

Rainer Stelzner
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Rainer Stelzner

Mit Sorge betrachten die meisten Jäger im Werra-Meißner-Kreis die Entscheidung von Hessens Umweltministerin Priska Hinz, die Schonzeit für Rehe und Rothirsche schon Ende März zu beenden.

Werra-Meißner – Der Jagdverein Eschwege fordert seine Mitglieder auf, die Jagdzeit im April zu ignorieren und mit der Jagd auf Rehböcke erst im Mai zu beginnen, das Rotwild im Frühjahr ganz mit der Jagd zu verschonen.

Winter war heftig

„Diese Schonzeitverkürzung widerspricht den wissenschaftlichen Empfehlungen nahezu aller anerkannter Wildbiologen Europas“, erklärte Rainer Stelzner, Vorsitzender des Jagdvereins Eschwege. Nach Auffassung des Jagdvereins Hubertus sei das mit dem Arten- und Tierschutzgedanken unvereinbar. Gerade im April, nach dem Ende des Winters und im beginnenden Frühling, seien die Wiederkäuer unter den Wildtieren (Rothirsche, Damhirsche, Mufflons und Rehe) darauf angewiesen, auf Wildwiesen und Wildäsungsflächen ungestört Nahrung aufnehmen zu können. Der langdauernde Nachwinter in diesem Frühjahr mit Schnee und Frost noch weit in den April hinein zeige, wie falsch und wildtierfeindlich diese Entscheidung war.

Wild braucht Nahrung

Noch im Januar wurde besonders im Landeswald mit hohem Druck und Einsatz einer großen Zahl von Schützen und Hunden auf Hirsche und Rehe gejagt, heißt es vonseiten des Jagdvereins. „Obwohl Wildbiologen vor solchen Jagden im Januar warnen, weil die Tiere versuchen, nach der Wintersonnenwende auf einen Sparstoffwechsel umzustellen“, erklärt Jörg Brauneis als Sprecher des Jagdvereins.

Der Wintereinbruch im Februar habe dem Wild schwer zu schaffen gemacht. „Nach nur acht Wochen Schonzeit beginnt im April die Jagd wieder, noch bevor die Tiere die Möglichkeit hatten, das erste zarte Grün zu äsen.“ Das Wild brauche nach Einschätzung der Jäger viel Nahrung, denn Rehböcke und Hirsche schieben in diesen Wochen die neuen Geweihe, der Wechsel vom Winter- ins Sommerfell steht an und in den Ricken und Hirschkühen wachsen die Kitze und Kälber heran, die im Mai geboren werden.

Aufbau der Wälder

Vor fast genau einem Jahr hatte die hessische Landesregierung Änderungen an der Hessischen Jagdverordnung vorgenommen. Der Beginn der Jagdzeit auf Rehböcke, Schmalrehe, Rot-, Dam-, Sika- und Muffelschmalwild wurde auf den 1. April vorverlegt. Die Trockenheit der vergangenen zwei Jahre und der große Schädlingsbefall hätten den Wäldern sehr geschadet, erklärt das Umweltministerium. Hinzu kamen Stürme, die große Kahlflächen verursacht haben. „Diese wollen wir so schnell wie möglich wieder bewalden“, sagt Umweltministerin Hinz.

Dort sollen standortangepasste Bäume angepflanzt werden und klimastabile Mischwälder entstehen. „Das könne nur gelingen, wenn wir die Schalenwildbestände auf einem ökosystemverträglichen Niveau halten, da Schalenwild vor allem an jungen Setzlingen frisst und diese zerstört“, so Hinz

Die Möglichkeit der Bejagung im April solle dazu beitragen, die behördlich festgesetzten Abschusspläne in kürzerer Zeit erfüllen zu können.

Wild trifft keine Schuld

„Das Wild wird zum Feind für den Aufbau klimastabiler Wälder gestempelt“, bemängelt Stelzner. Dabei seien Rehe und Rothirsche weder Schuld am aktuellen Waldsterben, noch an den Fehlern der Vergangenheit, als vor allem ökologisch labile Monokulturen aus Fichten gepflanzt wurden.

Auch die Jäger seien am Aufbau naturnaher Wälder interessiert. Flächendeckender Jagddruck schon im April zwinge das Wild aber zum Rückzug in die dunkelsten Waldpartien und provoziere damit neue Wildschäden an Forstpflanzen. Die neue Schonzeitverkürzung trete den Tierschutz mit Füßen und ignoriere den wichtigen Beitrag, den Rehe und Hirsche zur Artenvielfalt (Biodiversität) im Waldökosystem leisteten. Foto: Privat

Von Tobias Stück

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