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Robin Hood – fast ganz ohne Worte

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In der temporeichen Schlussszene ermordet König Hilgerd, entgegen der traditionellen Geschichte, seinen Widersacher Robin Hood. (Von links: Hannah Heuckeroth als Sheriff von Nottingham, Naomi Pfetzing als Robin und Carolina Minke als König Hilgerd)
In der temporeichen Schlussszene ermordet König Hilgerd, entgegen der traditionellen Geschichte, seinen Widersacher Robin Hood. (Von links: Hannah Heuckeroth als Sheriff von Nottingham, Naomi Pfetzing als Robin und Carolina Minke als König Hilgerd) © Privat

Das Theaterprojekt der 8. Klasse der Freien Waldorfschule Werra-Meißner hat Robin Hood aufgeführt.

Eschwege – Traditionell führen die Schüler jeder achten Klasse in der Freien Waldorfschule Werra-Meißner ein einstudiertes Theaterstück auf der Bühne vor Eltern, Schülerschaft und Lehrern auf. Doch diesmal sollte alles anders werden. Nach zwei Jahren coronabedingter Theaterpause begannen die Schüler mit der Erarbeitung der bekannten, aus dem Mittelalter stammenden, Geschichte von Robin Hood.

Im Schulfundus staffierten sie sich mit üppigen Kostümen aus und probten den Text im Spiel. Dabei haderten sie jedoch immer wieder mit sexistischen Textstellen, sodass sie kurzerhand alles umschrieben.

Während der Proben kam es wieder und wieder zu Ausfällen durch Coronainfektionen, schließlich wollten die Schüler das ganze Projekt schon aufgeben. Trotzdem beschloss die Klassengemeinschaft weiterzumachen.

Robin Hood – fast ganz ohne Worte

Die Figuren wurden neu gefunden, Requisiten und Kostüme auf ein Minimum reduziert und mit neutralen Weißmasken geprobt und wieder alles umgekrempelt.

Auch – und das ist das Besondere – wurde auf Sprache der Spieler komplett verzichtet, weil mit Maske keine deutliche Aussprache möglich ist. Doch ohne den Gesichtsausdruck der anderen Mitspieler sehen zu können, bedurfte es großer Konzentration. Die Achtklässlerin Hanne Brinkpeter beschreibt es so:“ Es war ungeheuer anstrengend, mit Maske zu spielen, weil man sich so viel dazu denken muss. Der Körper muss genau das ausdrücken, was der Text sonst gesagt hätte. Man hört keine Stimme und sieht keinen Gesichtsausdruck der anderen Spieler. Auf jede kleine Körperbewegung muss man achten und auch viel ausprobieren, bis man die richtigen Bewegungen gefunden hat.“

Regisseur und Theaterpädagoge Erik Eyser befand den Prozess der Entwicklung des Stückes als interessant und bedeutend für die einzelnen Schüler. „Meine Aufgabe war es, den Prozess zu begleiten, das Spiel zu ermöglichen und den Schülern die Grundtechniken der Theaterarbeit zu vermitteln.“, sagte er. „Ich bin sehr glücklich, wie sie mit großer Bereitschaft eine Geschichte mit unbekannten Mitteln genutzt haben. Verblüffend.“ Es sei eine Gratwanderung zwischen Freilassen und Festlegen gewesen, die Schüler einerseits in die Verantwortung zu schicken und andererseits zu führen. Dabei hätten die Schüler sich viele Gedanken gemacht und gelernt, wie man mit einem Theaterstoff und verschiedenen Darstellungsformen umgehen kann. „Die Schüler können stolz auf das Ergebnis sein“, so der Theaterpädagoge.

Theaterprojekt der 8. Klasse der Freien Waldorfschule Werra-Meißner

„Das waren viele Schritte auf dem Weg zur Persönlichkeitsentwicklung der Jugendlichen“, beschreibt Klassenbetreuerin Margarethe von Trott den Arbeitsprozess. „In unklaren und schwierigen Situationen trotzdem weiterzumachen, das haben die Schüler gelernt. Das war eine tolle Gemeinschaftsarbeit. “

Die Abendvorstellung war den Familien und Freunden, die Vormittagsvorstellung der Waldorfschülerschaft vorbehalten. Dem begeisterten Publikum wurde in ganz prägnantem Spiel die altbekannte Geschichte von Robin Hood als edlem, englischen Räuber, der im Wald von Nottingham inmitten einer Schar von Getreuen lebt, und auf seine Weise für Gerechtigkeit sorgt, indem er seine Beute mit den Armen teilt, präsentiert.

In der temporeichen Schlussszene ermordet König Hilgerd, entgegen der traditionellen Geschichte, seinen Widersacher Robin Hood. (Von links: Hannah Heuckeroth als Sheriff von Nottingham, Naomi Pfetzing als Robin und Carolina Minke als König Hilgerd)
In der temporeichen Schlussszene ermordet König Hilgerd, entgegen der traditionellen Geschichte, seinen Widersacher Robin Hood. (Von links: Hannah Heuckeroth als Sheriff von Nottingham, Naomi Pfetzing als Robin und Carolina Minke als König Hilgerd) © Privat

Nur den Schluss der Legende hatten die Schüler interessanterweise geändert. In der temporeichen Schlussszene floss doch noch Blut, bzw. symbolisch ein blutrotes Tuch. Denn Robin Hood wurde vom gedemütigten König Hilgerd mit einem Handstreich ermordet. Robins Getreue kamen zu spät. Das überraschte Publikum nahm nun allerhand Stoff zum Nachdenken mit nach Hause. Von Ellen Schubert

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