Schulabgänger nach 50 Jahren

Berufliche Schulen Eschwege: Erwin Neugebauer geht in den Ruhestand

Wenn Erwin Neugebauer durch die Innenstadt schlendert, wird ihm von den vielen ehemaligen Schülern viel Freundlichkeit entgegengebracht. „Die Straßenseite musste ich noch nie wechseln“, sagt er schmunzelnd.
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Wenn Erwin Neugebauer durch die Innenstadt schlendert, wird ihm von den vielen ehemaligen Schülern viel Freundlichkeit entgegengebracht. „Die Straßenseite musste ich noch nie wechseln“, sagt er schmunzelnd.

Wenn am Montag der Unterricht an den Beruflichen Schulen in Eschwege beginnt, wird Erwin Neugebauer fehlen, der seit 50 Jahren mit der Schule eng verbunden ist.

Eschwege – Erwin Neugebauer war an den Beruflichen Schulen in Eschwege Schüler, Abiturient, Referendar, Lehrer, Abteilungsleiter und stellvertretender Schulleiter. Mit Ende des Schuljahres hat sich der beliebte Pädagoge in den Ruhestand verabschiedet.

Es ist eher unwahrscheinlich, dass Erwin Neugebauer nicht erkannt oder angesprochen wird, wenn der Pensionär jetzt durch die Eschweger Innenstadt schlendert. Tausende von Schülern hat der 66-Jährige am Ende ihrer Schulzeit begleitet. Ehemalige oder ihre Eltern grüßen ihn freundlich. „Es ist Gott sei dank nicht so, dass ich die Straßenseite wechseln muss, wenn ich einen früheren Schüler treffe“, bemerkt der ehemalige Lehrer verschmitzt. Für das gute Verhältnis zu seinen Schützlingen hat er eine Erklärung: „Pädagogik ist meiner Meinung nach dann gut, wenn man die Schüler ernst nimmt, sie zu Wort kommen lässt.“ Das habe sich nicht nur im Unterricht gezeigt. Auch im Anschluss habe man miteinander geredet, manches Problem wurde ihm anvertraut.

Erwin Neugebauer hat nach der Mittelschule in Wanfried zunächst eine Ausbildung angefangen. Bei Wanfried-Druck wurde er zum Industriekaufmann ausgebildet. Von 1971 bis 1974 drückte der Altenburschlaer deshalb das erste Mal in den Beruflichen Schulen die Schulbank. Es schien ihm zu gefallen. Von 1974 bis 1977 schloss er hier sein Abitur am Wirtschaftsgymnasium an. Er studierte in Saarbrücken und Göttingen Sport und Wirtschaftslehre. Und wieder zog es ihn zum Südring zurück.

Nach dem Studium zum Referendariat zurück zu den Beruflichen Schulem

Im Mai 1983 begann er hier sein Referendariat. In einer Zeit, als der Lehrerberuf auch schnell in die Arbeitslosigkeit überging, hatte er Glück. Er bekam eine Planstelle und die auch noch an „seiner“ Schule.

Hier machte er auch Karriere. Er wurde zum Oberstudienrat befördert und übernahm 1993 als Studiendirektor die Aufgaben des Abteilungsleiters für das Berufliche Gymnasium. „In dieser Funktion gestaltete Erwin Neugebauer das BG maßgeblich zu einer Schulform, die aus der Schullandschaft der Region nicht wegzudenken ist“, sagt sein Chef Ekkehard Götting.

Stundenpläne, Kursverteilung, Abiturpläne, Anlaufstelle für alle Fragen der Schüler – die Vielfalt seiner Aufgaben sei groß gewesen. Mit „Gesundheit“ wurde neben „Wirtschaft“ und „Verwaltung“ der dritte Abitur-Schwerpunkt eingeführt. Neugebauer war maßgeblich daran beteiligt, das Zentralabitur an der Schule umzusetzen. Von besonderer Bedeutung waren ihm die Kontakte zu den regionalen Industriebetrieben und Banken. Unterricht bei „seinen“ Industriekaufleuten war ihm besonders wichtig. „Mein Anliegen war es, den Bezug zur Praxis nicht zu verlieren“, sagt Neugebauer rückblickend.

Arbeitszeit bis zum Letzten ausgekostet

Seine Arbeitszeit hat er bis zum Letzten ausgekostet. Weil ihm sein Job Spaß gemacht hat, wollte er keinen Tag früher als nötig gehen. Und das nicht, weil ihm in Zukunft langweilig werden könnte. In der Wanfrieder Stadtverordnetenversammlung ist er weiterhin stellvertretender Fraktionsvorsitzende der SPD. In seinem Geburtsort führt er seit mehr als 25 Jahren den Turn- und Sportverein. Seinen Ruhestand startet er gemeinsam mit seiner Frau Susanne, die ebenfalls in Rente gehen wird. „Das ist schon besonders.“ Mehr Zeit wird er jetzt auch für seine Enkelkinder haben. Seine Leidenschaft hat er an seine Töchter weitergegeben. Bettina und Julia wurden ebenfalls Lehrerinnen. Und erste Urlaube außerhalb der Ferienzeiten, besonders in St. Peter-Ording, seien auch nicht zu verachten.

Am BG verlasse er großartige Schüler und ein intaktes Kollegium. „Das werde ich schon vermissen.“ So ganz abgeschlossen hat er mit der Schule aber noch nicht. Auch wenn er am Montag fehlen wird: das ein oder andere Problem hat er dieser Tage für die Kollegen von zu Hause per Whats-App gelöst.

Von Tobias Stück

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