Amtsgericht Eschwege

Schuld nicht bewiesen: Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung eingestellt

Eine Statue der Justitia hält eine Waagschale.
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Zwei Männer mussten sich gestern vor dem Amtsgericht in Eschwege wegen eines Vorfalls im Eschweger Schlosspark verantworten

Messerangriff und gefährlicher Körperverletzung im Eschweger Schlosspark: Tat konnte den Angeklagten nicht nachgewiesen werden.

Eschwege – Zwei Männer mussten sich gestern vor dem Amtsgericht in Eschwege wegen eines Vorfalls im Eschweger Schlosspark verantworten. Die beiden waren angeklagt, den Geschädigten D. im Eschweger Schlosspark körperlich misshandelt, getreten und geschlagen zu haben. Das Verfahren gegen die beiden im Werra-Meißner-Kreis lebenden Asylbewerber wegen Körperverletzung wurde aber mit Zustimmung aller Beteiligten eingestellt.

Die ihnen zur Last gelegte Tat habe sich auch nach Zeugenaussagen nicht bestätigt, somit liege kein hinreichender Tatverdacht vor. Es gelte die Unschuldsvermutung.

Die Angeklagten sollen sich im September 2018 mit dem ihnen bekannten 30-jährigen K. – alle drei stammen aus Afghanistan – im Schlosspark aufgehalten und Whisky getrunken haben. Vor Ort war auch D., der dort ebenfalls Alkohol trank. Es soll erst zu einem Streit und dann zu einer Schlägerei gekommen sein. K. und D. sollen nach Angaben der beiden Angeklagten jeweils ein Messer gezogen haben, D. habe zudem einen Schlagstock benutzt. Sie selbst hätten sich jedoch nicht an der Auseinandersetzung beteiligt, sie hätten K. vielmehr zurückzuhalten versucht. Dass K. ein Messer dabei hatte, daran erinnerten sich auch die Zeugen, nicht aber daran, ob D. ebenfalls ein Messer hatte. Wie genau es zu den Schnittverletzungen von D. kam, konnte am Dienstag keiner der Anwesenden beantworten.

Verfahren gegen den Haupttäter und ein Verfahren gegen den Geschädigten im Vorfeld eingestellt

Das Verfahren gegen K. als Haupttäter wegen gefährlicher Körperverletzung wurde bereits im Vorfeld eingestellt, da er vor einem Jahr nach Afghanistan abgeschoben worden war. Daher saßen am Dienstag lediglich seine mutmaßlichen Mittäter auf der Anklagebank. Die Augenzeugen konnten ebenfalls nicht bestätigen, dass die beiden Angeklagten sich an der Prügelei überhaupt beteiligt hätten. Eine Zeugin sagte, beide hätten lediglich dabei gestanden.

Gegen D. lief im selben Fall ebenfalls ein Verfahren, das aber ebenfalls eingestellt wurde, weil eine Notwehrlage nicht auszuschließen sei, so die Richterin. Als Geschädigter und Hauptzeuge sollte er dann am Dienstag aussagen, jedoch ist er zur Verhandlung nicht erschienen und konnte damit auch nicht zur Aufklärung des Vorfalls beitragen. „Der Geschädigte hat offensichtlich kein Interesse daran, den Vorfall aufzuklären“, sagte Strafrichterin Lena Hennig. Dieser Auffassung stimmte die Staatsanwältin zu.

Fünf von neun Zeugen blieben der Verhandlung fern 

„Hätten wir K. nicht zurückgehalten, wäre Schlimmeres passiert“, sagte der 29-jährige Angeklagte, der am Dienstag mit seinem 26 Jahre alten Mitangeklagten beim Amtsgericht in Eschwege wegen Körperverletzung angeklagt war. Bei der Auseinandersetzung im Schlosspark im September 2018 sei der gemeinsame Bekannter sehr aggressiv gewesen und im Streit mit einem Messer auf den Geschädigten losgegangen, der laut den Angeklagten ebenfalls ein Messer gehabt habe.

Mit Mühe hätten sie den großen und kräftigen K. festhalten können. Zur Schlägerei kam es dennoch, an die sich auch einige Zeugen erinnern konnten. Neun Zeugen waren zum Hauptverfahren ins Amtsgericht nach Eschwege geladen, lediglich vier waren erschienen – zwei davon hatten am Dienstagvormittag verschlafen, sagten sie.

Eine Zeugin ist sich sicher, dass die beiden Angeklagten nicht direkt in die Prügelei involviert waren, andere Zeugen sagten, sie könnten sich zwar nicht direkt an die Angeklagten erinnern, es hätten sich jedoch nur zwei Personen geprügelt.

Auch der Hauptzeuge erschien nicht vor Gericht

Auch der offenbar polizeibekannte Hauptzeuge, der Geschädigte D., blieb trotz Vorladung der Hauptverhandlung fern. Das Gericht konnte ihn weder telefonisch erreichen, noch konnte die Polizei ihn gestern an der Wohnadresse antreffen, um ihn zum Gericht zu geleiten.

„Wenn man als Geschädigter so wenig Interesse zeigt, das alles hier aufzuklären, bleibt die Frage, inwiefern wir selbst das noch weiter mit Druck vorantreiben sollten“, sagte die Staatsanwältin bei der Verhandlung. Insbesondere aber konnten die Anschuldigungen und Tatbestände gegen die beiden Männer vor Gericht nicht festgestellt werden. Daher schlug die Staatsanwaltschaft vor, das Verfahren einzustellen. Dem stimmten auch die Verteidigung, das Gericht und die Angeklagten zu.

„Sie sind beide sehr bemüht, hier in Deutschland Fuß zu fassen“, erkannte die Staatsanwältin den beiden im Werra-Meißner-Kreis wohnhaften Asylbewerbern zudem an. Beide seien nicht vorbestraft, bemühten sich deutsch zu lernen und hätten unbefristete Arbeit gefunden. Die Asylanträge seien gestellt, durch das Gerichtsverfahren wurde eine Entscheidung, ob sie einen Aufenthaltstitel bekommen, jedoch aufgeschoben.

Von Jessica Sippel

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