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Schutzengel bei häuslicher Gewalt: So helfen die Beraterinnen vom Verein für Frauen

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Von: Jessica Sippel

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Gewalt hat viele Formen: Häusliche Gewalt, Mobbing, Stalking und digital. In jedem Fall aber können sich Frauen an den „Verein Frauen für Frauen- Frauen für Kinder im Werra-Meißner-Kreis“ wenden. Symbolfoto: Maurizio Gambarini/dpa-bildfunk
Gewalt hat viele Formen: Häusliche Gewalt, Mobbing, Stalking und digital. In jedem Fall aber können sich Frauen an den „Verein Frauen für Frauen- Frauen für Kinder im Werra-Meißner-Kreis“ wenden. Symbolfoto: Maurizio Gambarini/dpa-bildfunk © Symbolfoto: Maurizio Gambarini/dpa-bildfunk

Heute gibt es einen Blick hinter die Kulissen: Die Frauenberatungs- und Interventionsstelle hat uns erklärt, wie sie denn eigentlich genau helfen.

Werra-Meißner – Wenn Frauen, Jugendliche und Kinder zu Hause Probleme mit Gewalt haben, können sie sich unter anderem an die Frauenberatungs- und Interventionsstelle des Vereins „Frauen für Frauen – Frauen für Kinder im Werra-Meißner-Kreis“ wenden. Aber wie wird eigentlich hinter den Kulissen gearbeitet?

Frauen suchen wegen vielerlei Anliegen bei den beiden Mitarbeiterinnen der Frauenberatung, Amy Wiedermann-Claar und Anja Axt, Hilfe. Die häufigsten Beratungsthemen sind neben häuslicher Gewalt auch digitale Gewalt über das Internet – eine neue Gewaltform – Trennung und Scheidung, Stalking, Mobbing sowie Probleme beim Kindesumgang nach einer Trennung (nach häuslicher Gewalt). Häufig wird auch ein entsprechender Schutzplan erstellt.

Der Schutzplan ist dabei individuell auf die Bedürfnisse und die Situation der Hilfesuchenden zugeschnitten. Vor allem dreht es sich darum, wie man die Frau vor Gewalt schützen kann. Ist die Frau akut betroffen, kann sie vorübergehend im Frauenhaus Schutz und Ruhe finden. Langfristig unterstützen die Beraterinnnen dann bei der Wohnungssuche, helfen in Finanzfragen, bei Behördengängen und organisieren den Auszug aus der alten Wohnung mit.

Darüber hinaus begleiten sie die Betroffenen zum Familiengericht und klären die Opfer über das Gewaltschutzgesetz auf. Sie bieten selbst psychosoziale Beratungen an oder vermitteln an entsprechende Fachstellen und Psychotherapeuten.

Frauenberaterinnen benötigen Unterstützung im Team

Die Frauenberaterinnen gehen dabei proaktiv und in enger Zusammenarbeit mit der Polizei vor: Wird häusliche Gewalt angezeigt und es kommt zu einem Polizeieinsatz, erhält die Frauenberatung durch die Beamten nach Einverständnis der Betroffenen die Kontaktdaten, um dem Opfer Beratung und Begleitung anzubieten.

Die Frauenberaterinnen haben festgestellt, dass die Bedarfe der Klientinnen in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten komplexer geworden sind, auch wenn die Hauptthematiken gleich blieben. Damit sie eine hohe Beratungsqualität anbieten können, verlangt die Fülle an Themen und Aufgaben auch nach spezifischen Qualifikationen. Auch juristische Kenntnisse über aktuelle Gesetze, etwa über das Gewaltschutzgesetz oder Gesetze hinsichtlich des Kindesumgangs müssen stets auf dem aktuellen Stand sein. „Umso mehr Themen, desto mehr Rechtskenntnisse sind erforderlich“, sagt Amy Wiedermann-Claar. Die Einarbeitung in die Themen sei zwar zeitaufwendig, aber auch notwendig.

Hier gibt es Hilfe:

Männer, Täter oder von Gewalt Betroffene, wenden sich an die Männerberatungsstelle der Awo: ralf.ruhl@awo-werra.meissner.de;

In Notfällen wenden sich Frauen an die Polizei unter 110 oder das Frauenhaus: 0 56 51/3 26 65;

Die Frauenberatung ist unter Tel. 0 56 51/7843 oder per Mail: beratung@frauen-fuer-frauen-im-wmk.de zu erreichen;

Kinder und Jugendliche, die von sexueller Gewalt betroffen sind, finden Hilfe bei Allerleihrauh: Tel. 0 56 51/7843 und per Mail: allerleirauh@frauen-fuer-frauen-im-wmk.de

Derzeit sind Axt und Wiedermann-Claar die beiden einzigen Fachkräfte bei der Frauenberatungsstelle. „Das Arbeitspensum ist sehr hoch, wir könnten Verstärkung im Team gebrauchen“, sagt Amy Wiedermann-Claar.

Komplexe, individuelle Fälle, Inklusion, Öffentlichkeitsarbeit, Herausforderungen durch die Digitalisierung und dringend notwendiges Engagement in der Politik – das alles sei nur zu erfüllen, wenn die personellen Ressourcen und die Finanzierung von Weiterbildungen für die Mitarbeiterinnen angepasst würden, machen die Frauenberaterinnen deutlich. Den Beraterinnen erscheint es aufgrund der Fülle der Aufgaben – mit dem Kernthema – zudem sinnvoll, sich auf bestimmte Themen zu spezialisieren. Die Qualität und Quantität ihrer Arbeit überprüfen die Frauen jedes Jahr aufs Neue und passen sie entsprechend an.

Von Jessica Sippel

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