Fahrtraining

Sicherheit auf dem Elektrosattel: E-Bike-Training für fitte Senioren

Einhändig fahren ist kein leichtes Unterfangen, das merken auch die Damen, die gleichzeitig Balancehalten und bremsbereit sein sowie freundlich in die Kamera lächeln müssen.
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Einhändig fahren ist kein leichtes Unterfangen, das merken auch die Damen, die gleichzeitig Balancehalten und bremsbereit sein sowie freundlich in die Kamera lächeln müssen.

Zwei Unfälle mit E-Bikes endeten im Werra-Meißner-Kreis in diesem Jahr bereits tödlich. Anlass für die Polizei, Radfahrern über 60 Jahren ein Sicherheitstraining anzubieten.

Eschwege – Seit die E-Bikes oder genauer gesagt Pedelecs vor einigen Jahren den Fahrradmarkt revolutioniert haben, lässt sich ein regelrechter Run auf die elektrisch angetriebenen Zweiräder feststellen. Insbesondere ältere Menschen steigen nun wieder häufiger aufs Rad; die Vorteile des Elektroantriebes liegen klar auf der Hand: leichteres Fahren und trotzdem Bewegung an der frischen Luft.

Die Zahl der E-Biker-Fahrer steigt kontinuierlich, mit ihr aber auch die Zahl der Unfälle. 2018 gab es im Werra-Meißner-Kreis sechs polizeibekannte Unfälle mit E-Bikes, 2019 sieben und 2020 elf. 2021 sind es im ersten Halbjahr bereits acht Unfälle. Zwei davon, einer bei Gertenbach und einer bei Netra, endeten in diesem Jahr tödlich.

Sicher auf dem E-Bike: Dreizehn Teilnehmer stellten sich beim Fahrtraining der Polizeioberkommissare Guido Schilling, Andrea Dornieden und Stefanie Söder den Hindernissen des Straßenverkehrs.

„E-Bike fahren macht viel Freude“, weiß Polizeioberkommissar Guido Schilling. Er und seine Kolleginnen Stefanie Söder und Andrea Dornieden vom Verkehrsdienst der Polizeidirektion Werra-Meißner fahren in ihrer Freizeit selbst leidenschaftlich gerne E-Bike – wissen aber auch um die Gefahren, denen Radfahrer im Straßenverkehr ausgesetzt sind. Im Rahmen eines Sicherheitstrainings gaben sie nun wertvolle Erfahrungen und Tipps an Senioren weiter, die – wie sollte es auch anders sein – alle mit E-Bike zum Übungsplatz an der Geschwister-Scholl-Schule in Eschwege vorgefahren waren.

Verkehrssicheres Rad

Mindestens zwei Bremsen, eine Klingel, Vorder- und Rücklicht, weiße Strahler am Vorder- und rote Strahler am Hinterrad, Pedal- und Speichenreflektoren – dies sind die Mindestvoraussetzungen, die ein verkehrssicheres Fahrrad aufweisen sollte. „Wir empfehlen auch, einen Spiegel zu haben, um immer einen Blick auf den rückwärtigen Verkehr zu haben“, so Guido Schilling. Dieser mache sich insbesondere bei Überholvorgängen von Autofahrern bezahlt, denn „dass der Mindestabstand von 1,50 Metern zum Radfahrer eingehalten wird, ist leider die Ausnahme.“

Überaus wichtig sei auch, sich mit seinem Fahrradcomputer und den verschiedenen Fahrmodi gut auszukennen. „Wer sein Fahrrad im Turbomodus abstellt und dann damit wieder anfährt, kann schnell eine Bruchlandung erfahren“, warnt der Verkehrsexperte. Eine vernünftige Einweisung vom Fahrradhändler und die optimale Einstellung von Lenker, Sattel und Reifendruck und Co. seien unerlässlich.

Und auch für die richtige Sicherung des teuren E-Bikes gibt die Polizei Tipps: Ein Ketten- oder Faltschloss kann nur schwer geknackt werden, das Rad niemals nur am Vorderrad, sondern um den Rahmen an einen massiven Gegenstand befestigen. Fahrradbesitzer sollte sich die sogenannte Fahrradrahmennummer gut notieren oder in der App „Fahrradpass“ hinterlegen – nur mit dieser Nummer könnten als gestohlen gemeldete Zweiräder identifiziert werden.

Im Parcours

Nach der Theorie absolvierten die Teilnehmer einen Sicherheitsparcours. Sie mussten ihr E-Bike im Slalom durch Hütchen und Kegel navigieren, eine Vollbremsung vor einer Katze vollziehen, über ein schmales Spurbrett fahren oder das E-Bike einhändig steuern – alle Aufgaben stellten das Reaktionsvermögen und die Konzentrationsfähigkeit auf die Probe.

Bei aller Ernsthaftigkeit, so wird doch die Freude des Fahrens bei allen Teilnehmern ersichtlich, etwa bei Hans-Jürgen Becker, der erst seit wenigen Monaten auf dem E-Bike sitzt, aber schon 2000 Kilometer auf dem Tacho hat. „Ich will nicht mehr darauf verzichten“, freut sich der 67-Jährige und plant schon die nächste Tour. Und auch Manfred Schlicht, sein Leben lang passionierter Radfahrer, setzt sich täglich auf das E-Bike und ist stolz, dass er mit 73 Jahren wieder auf den Meißner fährt.

Früher ging es ohne Elektro, „heute bin ich froh, dass es dadurch überhaupt wieder möglich ist.“ Und so zeigt sich in der geschwätzigen Runde, dass niemand mehr auf das E-Bike verzichten will, dass der Elektroantrieb nicht nur Motor für das Rad, sondern – mit Sicherheit – auch für viel Lebensqualität ist. (Von Maren Schimkowiak)

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