Pflanzen im Garten und auf dem Balkon

60 Cannabispflanzen angepflanzt: Sieben Monate Haft auf Bewährung für 51-Jährigen

Hanf-Pflanzen
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Weil er Cannabis angepflanzt hatte, wurde ein 51-jähriger Mann zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten auf Bewährung verurteilt. 

Werra-Meißner: Weil er Cannabis angepflanzt hatte, wurde ein 51-jähriger Mann zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten auf Bewährung verurteilt. Die Samen habe er auf dem Sperrmüll gefunden.

Eschwege – Zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten ist ein 51-jähriger Mann aus dem Werra-Meißner-Kreis am Dienstag vor dem Amtsgericht Eschwege verurteilt worden. Er hatte auf seinem Balkon und in seinem Garten insgesamt 60 Cannabispflanzen gezogen. Die hatte die Polizei bei einer Hausdurchsuchung im August vorigen Jahres sichergestellt, nachdem die zur Straßenseite offenbar zum Teil gut sichtbare Anpflanzung anonym angezeigt worden war.

Laut der Anklage handelte es sich bei den beschlagnahmten Pflanzen um eine Menge von knapp einem Kilo Marihuana mit einem Gehalt von 3,1 Prozent THC. Das hatte das Landeskriminalamt in einer Untersuchung später ermittelt. In Hessen ist der Besitz von sechs Gramm der Droge in aller Regel straffrei, aber trotzdem illegal.

Zwölf der Cannabispflanzen standen im Haus des Angeklagten ordentlich eingetopft auf dem Balkon, weitere 48 Pflanzen hatte der Mann bereits geerntet und in einem Nebengebäude seines Wohnhauses zum Trocknen aufgehängt.

Samen auf Sperrmüll gefunden, zusammen mit Möhren und Petersilie

Gegenüber dem Gericht behauptete der Angeklagte, er habe zwei Tütchen mit dem Samen und der Aufschrift „Nutzhanf“ vor zwei Jahren auf dem Sperrmüll gefunden, zusammen mit Samentüten von Petersilie und Schnittlauch und Möhren. Seine Lebensgefährtin, die zu der Hauptverhandlung als Zeugin geladen war, hatte jene Sperrmülltüte mit zahlreichen Samentütchen dabei und legte sie dem Gericht vor. Die angeblichen Nutzhanftüten waren nicht dabei.

Ausgesät habe er den vermeintlichen Nutzhanf, um damit seine Ziegen zu füttern. Dass seine Tiere auf die Gabe der durchaus THC-haltigen Pflanzen keine Reaktion gezeigt hätten, hätte ihn darin bestätigt, dass seine Pflanzen harmlos und legal seien. Immerhin wurde im vorigen Jahr Hanf auch zwischen Grebendorf und Schwebda angebaut, argumentierte er. „Es war keine Absicht, was Illegales zu tun“, sagte der Angeklagte vor Gericht.

Genau an diesem Punkt hielt die Staatsanwaltschaft den Mann auch für unglaubwürdig. Denn da echter Nutzhanf praktisch kein THC enthält, hätte er auch nicht auf eine mögliche Reaktion seiner Ziegen achten müssen.

Staatsanwaltschaft forderte Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten ohne Bewährung

Vor allem mit Blick auf das Vorstrafenregister des Mannes, zu dem auch eine Verurteilung aus 2014 wegen Handels mit illegalen Drogen gehörte, forderte die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten ohne Bewährung. Sie hielt es für durchaus plausibel, dass der Angeklagte das Cannabis in der Absicht angebaut habe, es später gewinnbringen zu verkaufen. „Er hat sich die Cannabissamen besorgt“, sagt der Staatsanwalt, musste aber einräumen, das das nur eine These ist.

Dieser folgte die Vorsitzende Richterin Schmidt bei ihrem Urteil letztendlich nicht, da es keinerlei Beweise gab, dass der Angeklagte einen Handel mit Marihuana geplant habe. Denn in dem Wohnhaus des Mannes konnten keine Utensilien wie etwa Verpackungen oder eine Feinwaage gefunden werden. Dennoch hielt auch sie seine Aussage, lediglich Ziegenfutter angebaut zu haben, für eine reine „Schutzbehauptung“.

Die Beobachtung der Wirkung deutet darauf hin, dass er über den THC-Gehalt Bescheid wusste. Zu seinen Gunsten legte sie aber den Drogenbesitz als minderschwer, sein Teilgeständnis und ein gewisses Maß an Reue in die Waagschale und setzte die Freiheitsstrafe zu einer dreijährigen Bewährungsstrafe aus.

Außerdem muss der Angeklagte 100 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten und die Kosten des Verfahrens tragen.

Der Mann, der von Harz IV lebt und insgesamt sechs Kinder hat, gab an, selber keine Drogen zu nehmen und auch keinen Alkohol zu trinken. Dass er vor über zehn Jahren mit Drogen gehandelt habe, sei auf die schwere Drogenabhängigkeit seiner damaligen Ehefrau zurückzuführen.

Cannabis – illegal, aber Kleinstmengen können straffrei bleiben

Als Cannabis gelten Drogen, die aus einer Hanfpflanze gewonnen werden. Dazu zählen Marihuana, Haschisch und Haschisch-Öl. Beim Marihuana handelt es sich um die getrockneten Blätter der Hanfpflanze, manchmal werden auch Stengel und Blüten verwendet. Dieses „Gras“ wird geraucht. Haschisch besteht aus dem gepressten Harz der Hanfpflanze. Es wird entweder geraucht oder in Speisen und Getränken verarbeitet, ebenso wie Haschisch-Öl, das aus der Pflanze extrahiert wird. Unabhängig, welche Form Cannabisprodukte haben, ist der Besitz und der Erwerb dieser Droge nach Paragraf 29 des Betäubungsmittelgesetzes (BtTMG) strafbar.

Es spielt keine Rolle, ob man die Droge für Eigenbedarf oder zum Weiterverkaufen besitzt. Eine legale Freimenge gibt es nicht. Je nach Bundesland ist der Besitz einer kleinen Menge nicht strafbar. In Hessen beträgt diese Menge sechs Gramm, in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Bremen und Berlin sind es zehn Gramm. In den anderen Bundesländern gilt ebenfalls sechs Gramm, außer in Mecklenburg-Vorpommern, dort sind es nur fünf Gramm. Die von den Bundesländern festgelegte Freimenge hat keine Gesetzeskraft, sondern beruht auf internen Richtlinien der jeweiligen Staatsanwaltschaften. 

Von Stefanie Salzmann

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