MEHR ZUM THEMA

Sprungbrett in den Pflegeberuf: Vier erklären, wieso sie in der Pflege arbeiten wollen

Sie machen gerade ihren Abschluss an der Awo-Pflegeschule in Eschwege: Halina Rahman (von links), Silvana Hunstock, Vanessa Kiep und Mady Bakary Konate wollen einen Beruf, der sie erfüllt. Sie wollen alten Menschen helfen, wenn sie nicht mehr alleine leben können.
+
Sie machen gerade ihren Abschluss an der Awo-Pflegeschule in Eschwege: Halina Rahman (von links), Silvana Hunstock, Vanessa Kiep und Mady Bakary Konate wollen einen Beruf, der sie erfüllt. Sie wollen alten Menschen helfen, wenn sie nicht mehr alleine leben können.

„Das ist mein Beruf“, sagt die zükünftige Altenpflegerin Silvana Hunstock. Weshalb sie und viele weitere den Pflegeberuf gewählt haben, erklärt sie im Gespräch mir unserer Zeitung.

Eschwege – Nur noch die mündliche Abschlussprüfung steht an, dann haben es Halina Rahman, Silvana Hunstock, Vanessa Kiep und Mady Bakary Konate und viele weitere Absolventen der Awo-Pflegeschule geschafft und ihre Abschlüsse in der Tasche. So unterschiedlich der Werdegang der vier Absolventen ist, so verbindet sie jedoch eins: Die Liebe zum Pflegeberuf.

Den Start in die Pflegeberufswelt haben die vier Auszubildenden allesamt über die zunächst einjährige Ausbildung zum staatlich anerkannten Altenpflegehelfer gefunden. „Nach einem Praktikum habe ich gemerkt: Das ist mein Beruf. Dann habe ich erst einmal mit der einjährigen Ausbildung begonnen“, sagt Silvana Hunstock. Aber die 44-jährige Wanfriederin strebte nach Höherem und hing die Fachkraftausbildung, die sie durch die Helferausbildung verkürzen konnte, kurzerhand hinten dran. Nun will die sechsfache Mutter mit ihrem Abschluss als examinierte Altenpflegerin beruflich voll durchstarten. „Die Pflegehelferausbildung hat Silvana Hunstock einen sanften Einstieg in den Beruf ermöglicht. Letztlich konnte sie es als Sprungbrett in die Fachkraftausbildung nutzen“, erklärt Schulleiterin Jutta Schmid.

Viele Wege führen in die Altenpflege

Im Herbst starten die nächsten Jahrgänge bei der Awo in den Ausbildungsberuf:

Die Generalistische dreijährige Ausbildung zur Pflegefachkraft startet bei der Awo-Pflegeschule am 1. September. Im dritten Ausbildungsjahr kann man sich spezialisieren: in Richtung Altenpflege, Pflegefachkraft oder Kinderpflege.

Die Pflegehelferausbildung dauert ein Jahr und startet auch am 1. September. Vermittelt werden Kenntnisse für die Pflege älterer Menschen unter Anleitung einer Fachkraft.

In Teilzeit: Die Altenpflegehelferausbildung ist auch in Teilzeit in 17 Monaten möglich. Start ist am 1. Oktober. jes

Infos und Beratung unter awo-nordhessen.de, Tel. 0 56 51/ 2 27 76 00, Bewerbungen an: eschwege@aps-awo-nordhessen.de

Von Afrika nach Frankfurt, nach Eschwege in die Altenpflege

Einen ähnlichen Weg hat zum Beispiel auch Mady Bakary Konate gewählt. „Für mich ist es etwas ganz Besonderes, jetzt in der Altenpflege zu arbeiten“, sagt der 24-Jährige. Als Geflüchteter kam er 2013 aus Afrika alleine nach Deutschland. Zuerst war er in einem Flüchtlingsheim in Frankfurt untergebracht, kam dann nach Eschwege und holte seinen Schulabschluss nach. Er nahm an Sprachkursen teil und entschied sich nach einem Praktikum für den Beruf des Altenpflegers. Er schließt nun als Fachkraft ab.

„Der Weg war nicht immer leicht. Ich bin sehr dankbar, dass ich so gut aufgenommen und unterstützt wurde. Man braucht viel Disziplin und Mut, es zu schaffen“, sagt er. Nun arbeitet er in Bad Sooden-Allendorf im Seniorenzentrum Nettling. Die Menschen seien generell neugierig und aufgeschlossen ihm gegenüber. Schlechte Erfahrungen habe er bisher keine gemacht, sagt er. „Ich genieße es sehr, einfach, weil ich es auch anders kenne.“

„In der Pflege wollte ich grundsätzlich schon immer gerne arbeiten“, sagt auch Halina Rahman aus Grebendorf. Sie schätzt die Sinnhaftigkeit und den Abwechslungsreichtum hinter dem Beruf. Sie schließt ebenfalls mit der Pflegehelferausbildung ab und wird vom Seniorenheim am Brückentor nach dem Abschluss übernommen. Sie arbeitet nun erst einmal auf der Station, verfolgt aber das Ziel, dauerhaft in der Tagesbetreuung zu arbeiten.

Der Pflegeberuf ist viel mehr, als nur „satt und sauber“.

Erfüllung durch die Tätigkeit in der Altenpflege erfährt auch Vanessa Kiep aus Wommen. Die 17-Jährige hat einen genauen Plan: Nachdem sie nun ihre Pflegehelferausbildung abschließt, will sie erst einmal ein Jahr in Wommen weiterarbeiten und Berufserfahrungen sammeln. Danach strebt sie ebenfalls die dreijährige Ausbildung zur Pflegefachkraft an.

„Es ist so viel Wert, wenn man den älteren Menschen helfen kann. Und wir bekommen so viel zurück und können von ihnen lernen“, sagt sie. Der Beruf sei viel mehr, als nur „satt und sauber“. Es geht ums Dasein, ums Helfen und darum, den Menschen ihren letzten Lebensweg so schön wie möglich zu gestalten. Wenn sie Menschen mit alten Vorurteilen über den Beruf reden hört, wird sie sauer. „Man sollte nicht vorschnell urteilen, wenn man noch nie in der Pflege gearbeitet hat.“

Von Jessica Sippel

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.