„Wir sind die Freigelassenen“

Synode des Kirchenkreises Werra-Meißner will in der Krise theologische Orientierung geben

Pfarrer Roland Kupski – 16 Jahre selbst Pfarrer in Albungen und Hitzerode – sprach mit den Synodalen über die theologische Einordnung der Coronakrise für Kirche und Glauben.
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Im Auftrag der Bischöfin: Pfarrer Roland Kupski – 16 Jahre selbst Pfarrer in Albungen und Hitzerode – sprach mit den Synodalen über die theologische Einordnung der Coronakrise für Kirche und Glauben.

Die evangelische Kirche befindet sich um Umbruch, das gilt im Kirchenkreis Werra-Meißner bezogen auf die Fusion mit ihren räumlichen und personellen Veränderungen. Aber auch darüber hinaus. „Wir wurden von der Pandemie überall dort eiskalt erwischt, wo wir uns jahrzehntelang nicht weiterentwickelt haben“, sagte Roland Kupski, Referent der Bischöfin, auf der Synode des Kirchenkreises in der Stadthalle in Eschwege.

Eschwege - Dekanin Ulrike Laakmann deutete es in ihrem Bericht aus dem Kirchenkreis ebenfalls an. Abbrüche und Aufbrüche hätten schon vor der Pandemie in der Luft gelegen, diese habe „die Entwicklungen aber noch mal verstärkt und beschleunigt“, sagte sie. Mit viel Einsatz und Kreativität wurden so neue Formate entwickelt: Videogottesdienste, Klappstuhlgottesdienste im Freien oder Übertragungen im Radio, die auch über die Krise hinaus Bestand haben können.

Die Krise wirbelt auf

Die Krise wirbelt auf. Pfarrer Roland Kupski ist dem Kirchenkreis gut bekannt, stand er doch 16 Jahre selbst in Albungen und Hitzerode auf der Kanzel. Nun kam er nach Eschwege, um die Coronakrise theologisch einzuordnen. In ihrem Thesen-Papier „Wir werden gebeutelt, gezeichnet, verändert“, setzt sich Bischöfin Dr. Beate Hofmann mit den Folgen der Pandemie für Kirche und Glauben auseinander und will Orientierung geben. Dass die Ereignisse eine Strafe Gottes seien, verneint sie entschieden. Die Menschen müssten Ursache und Verantwortung im eigenen Handeln suchen, in der Globalisierung. Kupski unterstrich: „Gottes Liebe heißt, den Menschen wachsen zu lassen und ihm Freiheit zu ermöglichen. Wir sind die Freigelassenen. Gott lässt sein Geschöpf seine Wege gehen und geht mit bis ins tiefste Unglück.“ Die Rolle des Glaubens sei es, die Menschen zu trösten, ihnen die Angst zu nehmen und sie zu ermutigen zu verantwortlichem Handeln. Die Synodalen sollen den Anstoß der Bischöfin in die Gemeinden tragen und dort ebenfalls reflektieren.

Findungsausschüsse gewählt

Neben der theologischen Diskussion wurden die Findungsausschüsse für die Berufung eines neuen Dekans oder Dekanin sowie eines neuen Propstes oder Pröpstin gewählt. Besetzt wurden zudem die Ausschüsse für Pfarrstellenplanung, Verbindung zur landeskirchlichen Gemeinschaft, Umwelt und Taufagende. Neben Rita Reinhard und Gero von Randow wurden Bernd Frölich und Andreas Hilmes als Vorsitzende der Stiftung Evangelische Jugendarbeit gewählt.

Dekanin Ulrike Laakmann rief die Synodalen dazu auf, dass sie sich für die Initiative „Seebrücke schafft sichere Häfen“ einsetzen. „Der Kreistag hat vor einem Jahr beschlossen, dass unser Landkreis als sicherer Hafen gelten soll, handeln müssen aber tatsächlich die Kommunen“, unterstrich sie. „Das Elend am Mittelmeer ist für Flüchtlinge durch Corona nicht weniger schrecklich geworden.“

Von Kristin Weber

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