Lesung aus Dengler-Krimi

Der Dengler-Krimiautor Wolfgang Schorlau zu Gast beim Litaraturherbst im Werra-Meißner-Kreis

Hat am Freitag seine Fans begeistert: Autor Wolfgang Schorlau aus Stuttgart las im Rahmen des Literaturherbsts im Eschweger E-Werk aus seinem neuesten Krimi.
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Hat am Freitag seine Fans begeistert: Autor Wolfgang Schorlau aus Stuttgart las im Rahmen des Literaturherbsts im Eschweger E-Werk aus seinem neuesten Krimi.

Seine politischen Kriminalromane basieren auf Tatsachen: Wolfgang Schorlau nimmt aktuelle Ereignisse und umrahmt sie in literarischer Form. Wir haben den Autoren im E-Werk getroffen.

Eschwege – Wenn Wolfgang Schorlau einen Roman schreibt, dann ist das Thema stets fundiert recherchiert und in einen literarischen Rahmen verpackt. Ein Alleinstellungsmerkmal, wie er selbst findet. Der Bestsellerautor aus Stuttgart hat sich auf politische Kriminalromane spezialisiert. Zehn Bände rund um den Ermittler Georg Dengler hat der 70-Jährige bereits herausgebracht – einige davon wurden verfilmt.

Als einen der „meistgelesenen deutschen Krimiautoren“ beschreibt ihn bei der Lesung zu seinem neuesten Werk „Kreuzberg Blues“ am Freitagabend im Eschweger E-Werk auch der Moderator des Abends, Michael Riesel.

Ausgangspunkte der Romane sind tatsachenbasiert und fundiert recherchiert

Schorlaus Ausgangspunkte in den Romanen sind stets konkrete politische Geschehnisse in Deutschland, die sein Protagonist Georg Dengler als ehemaliger BKA- und mittlerweile selbstständiger Ermittler untersucht. Unterstützt wird er dabei von seiner Lebensgefährtin Olga – eine Taschendiebin und Hackerin.

In seinem zehnten Band schickt Schorlau seine Helden nach Berlin-Kreuzberg, wo sie den korrupten Machenschaften krimineller Immobilienhaie nachgehen. Denn in Berlin versuchen sie Mieter mit üblen Mitteln aus ihren Wohnungen zu drängen. Das Ziel der Immobilienleute: die Wohnungen im Anschluss wieder teurer vermieten. Echte Beispiele für solche unmoralischen Strategien auf dem Wohnungsmarkt und darüber hinaus gehende Skandale greift Schorlau in seinem Werk auf – am Beispiel von Berlin-Kreuzberg. Auch die Coronapandemie und die Entwicklung der Querdenkerbewegung fließen in seinen aktuellen Roman, an dem er die vergangenen zwei Jahre gearbeitet hat, mit ein. Dass er sich in überhaupt mit der Wohnungsfrage befasst, sei die dringende Empfehlung einer Bekannten gewesen.

Das Thema bewegte am Freitag auch das etwa 20-köpfige Publikum – darunter eingeschweißte Dengler-Fans –, das Schorlau zu seinen Recherchen und den konkreten Ergebissen befragte. Es entbrannte eine angeregte Debatte zu aktuellen politischen Themen, bevor die Gäste Wolfgang Schorlau mit euphorischem Applaus verabschiedeten.

Parallel zum Roman wurde das Drehbuch geschrieben. Der Film läuft am 22. November im ZDF um 20.15 Uhr:

In den vergangenen Jahren hat Schorlau in seinen Romanen etwa den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU), wofür er echte Fallakten einsehen durfte, die Privatisierung der Wasserwirtschaft und das Bombenattentat auf dem Oktoberfest 1980 thematisiert. Viele seiner Figuren sind von Vorbildern aus der echten Welt inspiriert – die Helden ebenso wie die Schurken. Den Namensgeber für seine Figur Georg Dengler kennt Wolfgang Schorlau zum Beispiel persönlich, ebenso wie den kahlköpfigen und schweigsamen Kellner Markus in Denglers Stammkneipe.

Von seinen Figuren spricht Wolfgang Schorlau liebevoll, fast als seien sie alte Freunde. Wirklichkeit und Fiktion verschwimmen, was wohl den typischen Charme der Dengler-Reihe ausmacht.

Sich selbst beschreibt Wolfgang Schorlau als „buchstabensüchtig“. Wenn er nicht schreibt, liest er. Seit seinem fünften Lebensjahr ist er gefesselt von Büchern. Auf ein Genre legt er sich nicht fest. Zuletzt gelesen habe er Eva Menasses Werk „Dunkelblum“, das er als „sehr klug“ beschreibt. „Das kann ich unbedingt empfehlen“, sagt Wolfgang Schorlau.

Wolfgang Schorlau: Vom Informatiker zum Schriftsteller

Der im März 1951 in Idar-Oberstein geborene jüngste zweier Söhne blickt allerdings auf keine typische Schriftstellerlaufbahn zurück: Nachdem Schorlau früh seinen an Multipler Sklerose erkrankten Vater verlor, zog seine Mutter ihn und seinen älteren Bruder allein auf. „Ich habe keine Erinnerung an meinen Vater.“ Seine Worte sind nüchtern, der Tonfall wertneutral.

Mit elf Jahren kam er in ein Waisenheim in Freiburg. Schorlau, der sich selbst als Träumer und schlechten Schüler beschreibt, begann 1966 eine Lehre als Großhandelskaufmann. Später holte er sein Abitur nach und machte sich nach einer zweiten Ausbildung zum Informatiker selbstständig. Mit Anfang 50 gab er den Beruf als Programmierer auf und krempelte sein Leben um: Der Vater eines Sohnes wollte sein Geld fortan als Schriftsteller verdienen, bald folgte der erste Dengler-Krimi.

Dass die Geschichten rund um Georg Dengler eine Serie werden, sei von Anfang an geplant gewesen. Ein Ende der Abenteuer um den ehemaligen BKA-Ermittler sei nicht in Sicht, sagt der Autor. „Solange es mich gibt, lebt auch Georg Dengler“, sagt der 70-Jährige. Sogar Ideen für den elften Band habe er schon. Das Thema verrät Schorlau aber noch nicht.

Von Jessica Sippel

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