Temperaturen lassen Insekten kalt

Temperaturschwankungen schaden Insekten nicht - Gefahr lauert von anderer Seite

Insektenexperte aus Eschwege
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Insektenexperte aus Eschwege

Kaum ist die Sonne draußen summt und brummt es in den Gärten des Werra-Meißner-Kreises. Es soll aber nochmal kalt werden. Können Insekten das ab?

Werra-Meißner – Der eiskalte Wintereinbruch, der Mitte Februar für Schneeberge und Rekordtemperaturen überall im Kreis gesorgt hat, kann den Insektenpopulationen im Winterschlaf nichts anhaben, weiß Vogel- und Insektenexperte Rainer Olßok.

„Die einen verfallen nämlich in Winterstarre, andere überwintern als Ei oder als Falter.“ Dazu verstecken die Tiere sich und ihren Nachwuchs in Holzstapeln, aber auch in Kellern und in Wohnhäusern, wie Olßok weiß.

„Manche Falterarten bilden außerdem Glycerol oder Sorbitol und das schützt sie im Winter“, erklärt der Eschweger die Überlebensstrategie an kalten Tagen. Weil aber gerade die immer seltener würden und der Kälteeinbruch Mitte Februar wohl eine Ausnahme war, den Experten lediglich alle 30 Jahre erwarten, haben die Insekten im Werra-Meißner-Kreis in einem immer milderen Klima kaum etwas zu befürchten.

Erst tiefster Winter, jetzt plötzlich Frühling: Es soll sogar noch einmal kalt werden

Und auch wenn es in den nächsten Wochen noch einmal kalt werden sollte, sei das kein Problem für Schmetterling und Co., sagt Rainer Olßok. „Dann setzen die Tiere ihre Winterstarre eben fort oder verkriechen sich wieder“, so der Experte. Aber erst wenn die Temperaturen weit unter null Grad fallen, verfielen zum Beispiel Hummeln in die Winterstarre zurück.

Und nicht nur heimische Insekten haben sich an die Temperaturschwankungen angepasst: Invasive Insektenarten gebe es mittlerweile auch im Werra-Meißner-Kreis. „Die Sandwespe, Blutbienen und der Bienenwolf sind Arten, die eigentlich in wärmeren Regionen vorkommen und bei uns heimisch werden“, weiß Rainer Olßok aus eigenen Beobachtungen. Durch den Klimawandel und wärmere Winter, haben die invasiven Arten auch in Hessen eine neue Heimat mit ausreichend Nahrungszufuhr gefunden. „Denn zum Beispiel die rote Blutbiene ernährt sich von Wildbienen und hat keine Nahrungskonkurrenz“, sagt der Experte, der gerade durch die Klimaerwärmung eine Veränderung der Artenvielfalt beobachtet.

Rainer Olßok

Der Trend zu wärmeren Wintern könnte sich auch auf die Schmetterlingspopulationen auswirken, vermutet der Experte. Weil die Tiere bei länger andauernden milden Temperaturen gleich mehrfach die Möglichkeit zum Eierlegen haben, könnte auch deren Bestand zunehmen, überlegt Olßok. „So könnte auch die Zahl der Landkärtchen, ein Schmetterling aus der Familie der Edelfalter, ansteigen.“

Das sei aber nur möglich, wenn für die steigenden Populationen auch genug Nahrung vorhanden sei und das sieht der Experte kritisch. „Die Leute sehen blühende Wiesen und denken die Insekten haben ja genug zu fressen, aber niemand denkt an die Futterpflanzen“, sagt Olßok. Dabei käme es auch auf Pflanzen an, die nicht bewusst für die Tierwelt gesät würden. „Hornklee und Waldklee sind ganz wichtig“, sagt der 64-Jährige.

Wer also die Vielfalt im Garten unterstützt, der kann vielleicht schon bald deutlich mehr Schmetterlinge im eigenen Garten beobachten. Die Temperaturen machen den Insekten zumindest nichts aus.

Einige Schmetterlinge sind auch bereits jetzt schon da, sie haben den Winter als Falter überstanden und sind jetzt die Ersten, die die derzeit warmen Sonnenstrahlen nutzen. (Von Kim Hornickel)

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