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Geschichten von Begegnungen mit Sterbenden eröffnen Hospiz-Themenreihe

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Von: Eden Sophie Rimbach

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Wippkordeon, Klarinette, ihre Stimme und elektronische Loops setzte Sabine Mariss ein, um zwischen den Geschichten für passende Musik zu sorgen. Neben Titeln von Beyle Schaechter-Gottesman spielte sie eigene.
Wippkordeon, Klarinette, ihre Stimme und elektronische Loops setzte Sabine Mariss ein, um zwischen den Geschichten für passende Musik zu sorgen. Neben Titeln von Beyle Schaechter-Gottesman spielte sie eigene. © Eden Sophie Rimbach

Mit Remens Geschichten über Begegnungen mit Sterbenden und musikalischer Begleitung gab Sabine Mariss am Mittwoch den Auftakt zur diesjährigen Themenreihe „Am Ende unseres Weges“.

Eschwege – „Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, willkommen zu sein und wirklich jemandem etwas zu bedeuten“, schreibt Rachel Naomi Remen rückblickend über die Begegnung mit ihrem sterbenden Paten als Dreijährige. Während die Mutter sie entsetzt aus dem Zimmer zog, als sie bemerkte, dass der Pate im Beisein des Kindes verstorben war, beschreibt Remen diesen Moment in ihrem Buch „Aus Liebe zum Leben“ als wichtig.

Ruhige Schilderungen, in denen Remen die Begegnungen mit Sterbenden als bereichernd beschreibt, erwarteten die Besucher. Mariss lieh der New Yorker Ärztin Remen ihre Stimme und ließ Geschichten von deren Kindheit bis hin zu ihrer Arbeit lebendig werden. Über Remen sagte sie, dass diese als Enkelin eines Rabbis in einer Familie von Ärzten in einem Spannungsfeld zwischen Mystik und Naturwissenschaft aufgewachsen sei. Mariss steht mit der inzwischen 84-Jährigen in Kontakt, hat eine CD mit Remens Geschichten und Musik erstellt.

Auch bei der musikalischen Lesung in Eschwege wechselten sich gelesene Passagen mit Musik ab. Als „Seelenschwester“ Remens bezeichnete Mariss die Dichterin Beyle Schaechter-Gottesman, wenngleich sich die beiden nicht gekannt hätten. Neben eigenen Kompositionen sang und spielte Mariss jiddische Lieder von Schaechter-Gottesman, die sich in ihren Texten viel mit dem Tod beschäftigte. Lieder wie „A Rege“, was übersetzt etwa „ein Moment“ oder „ein Augenblick“ bedeute, oder das „Harbstlid“ steuerten eine andere künstlerische Verarbeitung der Themen bei. Gleichzeitig sorgten sie dafür, dass die Besucher der Lesung über die Geschichten nachdenken konnten.

Mariss verlas unter anderem, wie Remen 1974 als junge Ärztin in der Bibliothek ihrer Universität Literatur über das Sterben sucht und feststellt, dass es davon nur sehr wenig gibt. Wie die Begegnung mit einem an Leukämie sterbenden Fünfjährigen Remen ein Jahr später zeigt, dass der Tod eines Patienten nicht ihr Versagen bedeute, greift eine andere Geschichte auf. Die detaillierten und emotionalen Träume von verstorbenen Kindern die Remen daraufhin hat, seien eine wichtigere Vorbereitung auf ihre Arbeit mit todkranken Menschen gewesen als die gesuchte Fachliteratur.

Über das Gespräch mit einer Frau, die nach dem Tod ihres Mannes auf Remen wie eine leere Hülle gewirkt habe, verlas Mariss: „Nach jedem größeren Verlust müssen wir uns wieder neu für das Leben entscheiden.“

Nächste Veranstaltung der Themenreihe

Henning Bartels vom Bestattungshaus Bartels Eschwege und das Blumenhaus Eisenhuth aus Altenburschla werden den Vortrag „Bestattung neu gedacht“ am Mittwoch, 12. Oktober, gestalten. Er beginnt um 19 Uhr in der Rolf-Hochhuth-Stadtbibliothek in Eschwege.

Über den Umgang mit dem Sterben in der heutigen Gesellschaft sprach das Publikum im Anschluss mit Mariss, Michael Nowotny vom Caritasverband Werra-Meißner und Matthias Heintz von der kirchlichen allgemeinen Sozial- und Lebensberatung des Diakonischen Werks Werra-Meißner. Nowotny und Heintz dankten Mariss, die viel Applaus erhielt. (Eden Sophie Rimbach)

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