Vom Nichtschwimmer zum Schwimmer

Wartelisten für Schwimmkurse: Bäderbetriebe versuchen, Rückstau aufzufangen

Sicher im Wasser unterwegs: Regelmäßiges Üben formt gute Schwimmer.
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Sicher im Wasser unterwegs: Regelmäßiges Üben formt gute Schwimmer.

Weil durch die Lockdowns keine Schwimmkurse stattfinden konnten, versuchen die Bäderbetriebe nun, den zahlreichen Nichtschwimmern entgegen zu wirken.

Werra-Meißner – Die Coronapandemie hat zu einigen Nichtschwimmern geführt. Das melden die Freibäder und Thermen im Landkreis, die nach mehrmonatigen Lockdowns nun zahlreiche Schwimmkurse aufholen wollen. „Wir versuchen so gut es möglich, ist den Rückstau aufzufangen. Vor allem wegen der Sicherheit ist das wichtig“, sagt Violetta Schüttemeyer, Leiterin des Espada-Bads in Eschwege.

Statt etwa 17 Schwimmkursen à 10 Kindern wie vor der Pandemie, konnte das Espada 2020 nur drei Schwimmkurse anbieten, wodurch nur 30 Kinder Schwimmen gelernt haben. Seit Juli werden im Espada wieder Schwimmkurse angeboten. Bis Ende des Jahres sind insgesamt 24 Schwimmkurse mit 165 Kindern geplant. Die ersten Anfängerkurse für die Fünf- bis Sechsjährigen seien binnen weniger Stunden ausgebucht gewesen. Schüttermeyer hofft nun, auch die mittlerweile Sieben- bis Achtjährigen abzuholen, von denen viele 2020 keinen Schwimmkurs belegen konnten.

Die Nachfrage sei auch in Sontra sehr hoch gewesen, meldet Alexander Dupont, Sprecher der Stadt Sontra, die das Freizeit- und Erlebnisbad trägt. Eine freiberufliche Schwimmlehrerin war in dieser Saison für die Schwimmkurse eingestellt, parallel dazu hat auch die DLRG Kurse im Sommer angeboten, weitere gebe es im Winter im Hallenbad von Hessisch Lichtenau.

Bäder arbeite Wartelisten ab

Auch in der Werrataltherme in Bad Sooden Allendorf werden aktuell Schwimmkurse aufgeholt. „Die Warteliste ist lang“, sagt Christina Müller, Kursleiterin sowie Bade- und Saunameisterin bei der Werrataltherme. Etwa 150 bis 200 Kinder wollen ihren Schwimmkurs zum Seepferdchen noch machen. Vier Kurse werden zu regulären Zeiten dort angeboten, derzeit sind es fünf bis sechs Schwimmkurse à fünf Kinder. Noch bevor ein Kurs abgeschlossen ist, rufe Müller schon die Eltern an, die ihre Kinder dann anmelden könnten. Allein mit dem Seepferdchen seien die Kinder aber noch keine sicheren Schwimmer, es gehört danach noch weitere Übung dazu. Dazu seien die Eltern gefragt. Foto: harald sagawe

Seepferdchen kein Garant für sichere Schwimmer

Nach dem Seepferdchen ist vor dem Seepferdchen – denn das bloße Abzeichen zu bestehen, mache noch kein Kind zu einem sicheren Schwimmer. „Nach dem Schwimmkurs und dem bestandenen Abzeichen sind die Eltern gefragt“, erklärt Violetta Schüttemeyer, Leiterin des Espada-Freizeitbads in Eschwege. Das bestätigt auch Christina Müller, Schwimmlehrerin und Bademeisterin bei der Werrataltherme in Bad Sooden-Allendorf.

„Nach dem Seepferdchen gilt es, das Gelernte zu festigen und das Schwimmen aktiv zu üben“, sagt sie. Das gelte sowohl für die Schwimmkurse direkt in den Bädern, als auch für die, die im Rahmen der Schulen angeboten werden.

Denn bei einem Anfängerkurs, der in der Werrataltherme aus zehn Einheiten à 45 Minuten besteht, lernen die Kinder etwa die Baderegeln, sich über Wasser zu halten, Atemübungen und kurze Strecken alleine zu schwimmen. Dadurch seien sie zwar schnell fit für das Seepferdchen, es fehle noch an richtiger Kraft und Ausdauer.

Leider sei es aber immer häufiger so, dass die Eltern nicht genügend mit den Kindern schwimmen. Ein Problem sei dabei ein immer vollerer Terminkalender von Eltern, ebenso wie von Kindern, die durch Schule, Vereine und Nachmittagsprogramm bereits gut ausgelastet seien.

Bademeisterin: Schwimmen trainieren, damit Kinder sicher im Wasser werden

Das Schwimmenlernen aber sollte man keinesfalls vernachlässigen oder gar unterschätzen, sagt sie. „Es geht dabei auch um die Sicherheit der Kinder“, ergänzt Schüttemeyer. Dabei gehe es nicht nur um die Sicherheit im Schwimmbad, sondern auch im Notfall. „Schwimmen muss man üben und trainieren wie auch das Radfahren, um sicher zu werden“, so Schüttemeyer. Üben die Eltern mit den Kindern nicht weiter aktiv weiter, würde das Schwimmen auch wieder verlernt werden. Sinnvoll sei es daher auch, noch weitere Abzeichen unter Aufsicht zu absolvieren, um im Schwimmen sicherer zu werden.

Wichtig sei außerdem, auch auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder einzugehen, meint Müller. Denn Kinder mit einer geistigen oder körperlichen Behinderung bräuchten etwas intensivere Betreuung, hier eigne sich eine Einzelstunde am ehesten, so Müller.

Die Anfänger-Schwimmkurse richten sich durch die Lockdowns aktuell nicht mehr nur noch an die Fünf- bis Sechsjährigen, die Altersspanne der Anfänger reiche bis hin zu zehnjährigen Kindern. Durch den Lockdown sei das Thema Schwimmen und Schwimmkurse wieder mehr ins Bewusstsein vieler Eltern zurückgeholt worden, wie Schüttemeyer beobachten konnte. „Das ist eine sehr positive Entwicklung, denn Schwimmkurse sind noch immer die beste Prävention gegen Badeunfälle“, sagt sie. (Von Jessica Sippel)

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