Baustellen-Catering: Tunnelbauer wollen Fleisch

Baustellen-Kantine. Bei großem Andrang hilft Arne Löffler auch bei der Essensausgabe für die Baustellen-Angestellten.

Küchen / Eschwege. Jeden Tag, außer Sonntag, pendelt gegen halb elf ein kleiner Lieferwagen der Werraland-Werkstätten zur Tunnelbaustelle bei Küchen. Am Steuer sitzt dabei oftmals Arne Löffler. Der 41-Jährige liefert die Verpflegung für die Arbeitskräfte auf der Baustelle.

Etwa 50 Mahlzeiten hat Löffler im Schnitt geladen, verteilt auf große blaue Boxen. Die sind so schwer, dass beim Einladen an einer Seitentür der Großküche am Hessenring Mitarbeiter Sebastian Heretin mit anpacken muss. Zutaten für Beilagensalate packt Löffler in Rohform ein. Eine Kiste mit Tomaten, andere mit ganzen Salatköpfen. Das Gemüse wird erst vor Ort von Küchenhilfen einer externen Firma im Kantinen-Container, von den Baustellen-Arbeitern liebevoll „Restaurant Ur-Fledermaus“ getauft, verarbeitet und landet erst dann auf dem Salatbuffet.

Der Tag für Küchenchef Sven Hoberock beginnt schon Stunden früher. Ab sechs Uhr am Morgen bereitet er mit seinen Mitarbeitern eine vierstellige Zahl an Essensportionen zu. Denn neben der Baustelle gibt es noch andere Betriebe zu beliefern. Einige in Eschwege direkt, wie die Beruflichen Schulen, die Essbar in der Innenstadt und das Bistro der Sparkasse, andere weiter weg wie die Werkstätten in Bebra und Bad Hersfeld. „Die Ansprüche des Baustellenpersonals sind schon besonders“, sagt Hoberock. Die Angestellten, in erster Linie Männer aus Kroatien, wollen vor allem eines: viel Fleisch. Mehr als die doppelte Menge einer üblichen Portion muss Hoberock einplanen. „Dafür werden Beilagen, wie Kartoffeln oder Nudeln, meist verschmäht“, sagt er.

Positive Rückmeldungen

Seit dem Durchstich im Tunnel zu Beginn des Jahres ist die Zahl der zu verpflegenden Mitarbeiter der Firma Marti, die für den Tunnelbau verantwortlich ist, etwas gesunken. Zuvor gab es wegen des Schichtbetriebs täglich sogar zwei Lieferungen. „Wir haben lange überlegt, ob wir uns das Projekt zutrauen“, sagt Werraland-Chef Gerd Hoßbach, „aber bislang sind alle Rückmeldungen positiv.“ Dass eine Firma seine Mitarbeiter so verpflege, sei zudem keine Selbstverständlichkeit.

Arne Löffler macht seine Arbeit großen Spaß. „Das liegt vor allem am guten Team“, sagt der gelernte Bürokaufmann, der nach einer schweren Erkrankung seinen ursprünglichen Beruf nicht mehr ausüben kann. 51.000 Kilometer sind die Essenslieferanten allein im ersten Jahr des Baustellencaterings gefahren. Seit Januar 2013 läuft die Zusammenarbeit, Mitte dieses Jahres ist voraussichtlich Schluss.

Bis dahin stimmen sich die Verantwortlichen einmal monatlich über ihre Erfahrungen ab. „Uns ist immer wieder aufs Neue wichtig, wie das Essen bei den Bauarbeitern ankommt“, sagt Sven Hoberock. Der Speiseplan wird immer für drei Wochen im Voraus ausgeteilt, sodass die Arbeiter frühzeitig Bestellungen abgeben können. Frühestens nach acht Wochen wiederholt sich ein Gericht.

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