Über Belastungen aufklären

Eschwege: Stadtverordneter Dietrich erinnert an Müllablagerungen im Neubaugebiet

Erschließung des Neubaugebiets: Seit einigen Monaten werden die vorbereitenden Arbeiten am Höhenweg erledigt. Erdaushub, der belastet sein könnte, wurde separiert und mit Planen abgedeckt. Er soll später entsorgt werden.
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Erschließung des Neubaugebiets: Seit einigen Monaten werden die vorbereitenden Arbeiten am Höhenweg erledigt. Erdaushub, der belastet sein könnte, wurde separiert und mit Planen abgedeckt. Er soll später entsorgt werden.

Am Höhenweg in Eschwege soll ein Neubaugebiet entstehen. Der Stadtverordnete Lothar Dietrich (Die Grünen) warnt künftige Käufer davor, sich dort niederzulassen und nennt Gründe. 

Eschwege – Der Eschweger Stadtverordnete Lothar Dietrich (Bündnis 90/Die Grünen) möchte künftige Käufer der Grundstücke im Neubaugebiet Höhenweg darauf hinweisen, dass auf diesem Gelände in den vergangenen Jahrzehnten Müll abgelagert wurde (wir berichteten). „Es ist ein Unding, dass wir hier jungen Familien Baugrundstücke anbieten, wo belasteter Müll vergraben liegt, den vorherige Generationen hinterlassen haben.“

Dietrich wünscht sich, dass die Grundstückskäufer vorher aufgeklärt werden.

32 neue Baugrundstücke sollen entstehen

Zur Vorgeschichte: Weil die Stadt Eschwege in der Kernstadt nicht mehr genügend Neubaugrundstücke vorzuweisen hatte, wurde ein neues Baugebiet ausgewiesen. Zwischen Langenhainer Weg und Höhenweg sollen 32 neue Grundstücke entstehen. Im Zuge der Planungen wurde 2017 bekannt, dass dieses Areal am Stadtrand früher als Müllkippe benutzt wurde.

Ab 1940 wurden dort nach Angaben von Markus Mengel, Fachbereichsleiter Bauen bei der Stadt Eschwege, Hohlwege „mit Bauschutt, Asche und zur damaligen Zeit als nicht gefährlich erachteten Stoffen“ aufgefüllt. Zeitzeugen wollen sich erinnern, dass auch die Pharmafirma Woelm und ein Krankenhaus ihren Müll dorthin brachten.

Die Stadt Eschwege hat daraufhin den Boden in den Jahren 2017, 2018 und 2021 untersuchen lassen. In seiner Expertise kommt die Firma Geotechnik Heiligenstadt zu dem Ergebnis, dass es sich hierbei um Hausmüll handele. Der Schutt beziehe sich bei den Untersuchungen auf Keramik und Glas sowie Bauschutt.

In diesem Jahr haben die Erdarbeiten begonnen

Der Prüfbericht wurde 2018 im Ausschuss für Bauen und Umwelt vorgestellt, woraufhin mehrheitlich die Erschließung des Neubaugebiets beschlossen wurde.

In diesem Jahr haben die Erdarbeiten in dem Neubaugebiet begonnen. Dietrich hatte sich nach Hinweisen von Anwohnern mit dem Fraktionskollegen Lukas Sennhenn vor Ort selbst ein Bild gemacht. Nach den Baggerarbeiten hatte Dietrich an aufgetürmten Erdhaufen eine „schwarze Schicht“ mit „auffälligem Geruch“ entdeckt, die durch Planen abgedeckt war.

Dietrich vermutet hier Schwermetalle und Weichmacher (Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe, PAK) im Boden, die gesundheitsschädlich sein können. Der Stadtverordnete befürchtet, dass durch immer häufiger auftretende Starkregenereignisse dieser belastete Boden freigeschwemmt werden könnte und sich auch seinen Weg vom Neubaugebiet hinunter in die Stadt bahnen könnte.

Asche stammt von Woelm-Pharma

Auch die schwarzen Ablagerungen wurden untersucht und als „Asche und Schuttablagerungen“ deklariert, heißt es vonseiten der Stadt Eschwege. Nach Recherchen der Stadt Eschwege sei die Asche tatsächlich von der ehemaligen Firma Woelm-Pharma, berichtet Mengel gegenüber unserer Zeitung.

Hierin befänden sich Schwermetalle, die als „gesundheitsgefährdend einzustufen sind“. Jedoch aufgrund von Veredlung des Materials (Vermörteln mit Kalk und/oder Zement) in 2001 seien die Inhaltsstoffe der Ablagerungen gebunden, sagt Mengel. Die Beprobungen im Umfeld der Ablagerungen hätten sich von 2000 nach 2018 nicht geändert, „was darauf hinweist, dass sie nicht ausgespült wurden“.

Ähnlich bewertet das Regierungspräsidium Kassel die Bodenproben. „Die Schwelle zu gefährlichem Abfall wurde dabei an keiner der untersuchten Proben erreicht oder gar überschritten.“ Geotechnik Heiligenstadt kommt zu dem Fazit: „Die Untersuchungen haben Auffälligkeiten ausgewiesen. Eine Gefährdung für die angrenzenden Bereiche bestehen keine.“ (Tobias Stück)

So wurde untersucht

Die Geotechnik Heiligenstadt GmbH hat im Neubaugebiet Höhenweg im Jahr 2018 für vier Mischproben acht Bohrungen in unterschiedlichen Tiefen vorgenommen. Die Bohrungen fanden nordwestlich, südlich und östlich des Höhenwegs statt. Gebohrt wurde in Tiefen zwischen 20 Zentimetern und 4,50 Meter, wie aus dem Prüfbericht hervorgeht. Gefunden wurden Beimengungen wie Glas, Ziegelbruch, Kunststoff, Folie, Holz, Kohle, Beton, Metall, Keramik, Basalt und eben Schlacke und Asche. Die Geotechnik Heiligenstadt beschäftigt Ingenieure, Geologen, Laboranten und Techniker, die Gutachten für Geotechnik, Umwelt und Baustoffe erstellen. Nach eigenen Angaben arbeiten sie „unabhängig“ und „ frei von sämtlichen Leistungs- und Lieferinteressen“. 

Bewerbungsfrist endet am 9. Juli

Die Bauplätze im Neubaugebiet Höhenweg sind noch nicht verkauft. „Es besteht aber ein großes Interesse“, sagt Bürgermeister Alexander Heppe. Derzeit gäbe es mehr Interessenten als Bauplätze, berichtet er aus der Verwaltung. Deswegen wird es wohl so sein, dass die Grundstücke im Losverfahren vergeben werden. Interessenten können einen Erst-, Zweit- und Drittwunsch für Grundstücke angeben. Sind sie die einzigen Bewerber, bekommen sie den Zuschlag. Gibt es mehrere Interessenten, entscheidet das Los. Die Bewerbungsfrist für die Bauplatzvergabe endet am 9. Juli. Die Unterlagen gibt es im Internet: eschwege.de/stadt/rathaus/stadtverwaltung/bekanntmachungen/bekanntmachungen-bauangelegenheiten.php

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