Jubiläum im Schuhhaus

Das wird immer seltener: Verena Petri seit 50 Jahren bei einem Arbeitgeber beschäftigt

Seit 50 Jahren ist Verena Petri (Mitte) Verkäuferin im Schuhhaus Hitzeroth. Zu den ersten Gratulanten gehörte Chefin Renate Roßbach-Hitzeroth (rechts) und Kollegin Andrea Munk.
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Seit 50 Jahren ist Verena Petri (Mitte) Verkäuferin im Schuhhaus Hitzeroth. Zu den ersten Gratulanten gehörte Chefin Renate Roßbach-Hitzeroth (rechts) und Kollegin Andrea Munk.

Dieses Jubiläum ist eine echte Seltenheit. 50 Jahre ist Verena Petri im gleichen Beruf tätig. Nicht nur das: Genauso lange hält sie ihrem Arbeitgeber Schuhhaus Hitzeroth die Treue.

Eschwege - „Nach ihrem erfolgreichen Ausbildungsabschluss entwickelte sich Verena Petri zu einer tragenden Säule in unserem Schuhhaus“, sagt Chefin Renate Roßbach-Hitzeroth. Ihr stets freundliches Wesen, ihre aufgeschlossene Art, verbunden mit kompetentem Fachwissen schätzten ihre Stammkunden mittlerweile über ein halbes Jahrhundert. „Verena Petri hat seit 50 Jahren einfach Lust auf Schuhe“, ergänzt Ehemann Ulrich Roßbach-Hitzeroth.

Früh in Verantwortung

Für die gerade 15 Jahre alt gewordene junge Frau gab es nach acht Jahren Volksschule in Niederdünzebach und der neunten Klasse an der Mittelpunktschule in Wanfried nur zwei Optionen: „Wenn mir mein Traumberuf als Schuhverkäuferin versagt geblieben wäre, dann hätte ich mich bei der Firma Bode in Wanfried beworben“, sagt die 65-Jährige, dass sie dank der Intervention der damaligen Mitarbeiterin Ilse Kluber, die auch aus Niederdünzebach stammt, im August 1971 von Irma und Alfred Hitzeroth den Ausbildungsvertrag bekam.

„Gerade Irma Hitzeroth hat mich geprägt, weil sie mir den Weg zu zahlreichen Lehrgängen ebnete.“ Schon mit 16 Jahren durfte sie allein mit dem Zug nach Kornwestheim zur Firma Salamander fahren, die sich zum weltweit anerkannten Konzern entwickelte. Bei diesen Lehrgängen habe sie viele Erfahrungen gesammelt, speziell auch in der Schaufenstergestaltung, die zuvor extern an einen Dekorateur vergeben wurde, später aber in ihren Arbeitsbereich übergegangen ist.

Weitere Lehrgänge in Überlingen am Bodensee und danach in Westerland auf Sylt – ausschließlich unter künftigen Geschäftsleuten – folgten. „Auch da war der Fort- und Weiterbildungseffekt groß, was nicht zuletzt dazu führte, dass mir die Industrie- und Handelskammer einen Platz im Prüfungsausschuss einräumte. Seit 25 Jahren gehört sie diesem Gremium an, das die Prüfungen zur Schuhfachverkäuferin bewertet.

Lustige Anekdoten

Natürlich gehören in 50 Jahren lustige Anekdoten dazu: „Ich habe einer angesehenen Frau, die bei einem Kongress in München Sandaletten aus unserem Haus tragen wollte, einmal zwei linke Schuhe eingepackt.“ Zum Glück hatte sie ein Ersatzpaar dabei und nahm das Missgeschick mit Humor.

Beim Blick auf die Anfangsjahre kann Verena Petri viel erzählen: „Ich war mit meinem Chef Alfred Hitzeroth in Göttingen, um bei einem Lehrgang den Umgang mit Lochkarten zu lernen. Danach hat er mich mitgenommen zu C&A, wo ich stolz wie Bolle Rolltreppe fahren durfte. Auch zum Geldeintreiben begleitete sie ihren Chef. Wenn Kunden Schuhe zur Auswahl mit nach Hause genommen haben und später nicht bezahlten, kam der Chef persönlich. Auch auf dem Heuberg hatte das Geschäft eine Annahmestelle. Die zu reparierenden Schuhe hat damals der Fahrer der Werra-Rundschau bei der Auslieferung der Zeitungen, damals noch abends, mit zum Verlagshaus Roßbach am Schulberg genommen. „Wenn ich morgens von Niederdünzebach an die Arbeit bin, habe ich sie abgeholt und in unsere Werkstatt gebracht“, erinnert sich Verena Petri an die gute alte Zeit.

Zum 100-jährigen Bestehen des Schuhhauses hatte sich Alfred Hitzeroth etwas ganz Besonderes ausgedacht: Die Firma Salamander hat die Comic-Figur Lurchi ins Werbekonzept eingebaut und entsprechende Froschkostüme auf den Markt gebracht. „Am Jubiläumstag 1975 mussten wir Verkäuferinnen uns auf Wunsch von unserem Chef in diese Klamotten zwängen, der das total lustig fand – im Gegensatz zu uns. Nichtsdestotrotz: Das Schuhhaus Hitzeroth ist für sie wie eine zweite Familie. Nur kurz, als Tochter Catarina geboren wurde, hat sie hier ihre Arbeit für die Elternzeit unterbrochen..

Viele Gratulanten

Bei ihrem außergewöhnlichen Jubiläum habe sie sich sehr über die vielen Gratulationen gefreut. Neben ihren aktuellen waren auch viele ehemalige Kolleginnen da – nicht zuletzt die mittlerweile 86-jährige Ilse Kluber, die ihr vor 50 Jahren den Weg geebnet hatte. (Harald Triller)

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