Leben in ständiger Angst

Versuchter Mord in Eschwege: Frau des Opfers sagt gegen Angeklagten aus

+

Kassel/Eschwege – Eine 54-jährige Zeugin  berichtete am Donnerstag vor dem Landgericht aufgewühlt, wie der Beschuldigte ihre Familie seit 2016 verfolgte, bedrohte und stalkte.

Außerdem erklärte sie, wie es zu den blutigen Ereignissen am 14. Dezember in der Ernst-Metz-Straße in Eschwege kam. Wegen versuchten Mordes steht ein 57-jähriger, in Aserbaidschan geborener Ukrainer vor Gericht, der in dem Wohngebiet eine Änderungsschneiderei in der Nachbarschaft des Geschäfts des späteren Opfers betreibt.

Der psychisch kranke Mann lebte in der wahnhaften Vorstellung, seine Frau habe mit dem anderen eine Liebesbeziehung, fahre in Urlaub mit ihm, beide hätten sogar ein gemeinsames Wochenende in Paris miteinander verbracht.

Am Tattag saß der Geschäftsmann laut Anklage in seinem Wagen vor dem Haus seiner Tante in der Metz-Straße, als der Beschuldigte in seinem Mercedes vorbeifuhr. Er wendete und knallte mit Vollgas in den Wagen des anderen. Dann holte er eine Brechstange aus seinem Wagen, zertrümmerte das Beifahrerfenster und stach mit einem Messer auf den Geschäftsmann ein. Der erlitt zwölf stark blutende Schnitt- und Stichverletzungen, ehe ihm die Flucht gelang.

Seine Ehefrau schilderte gestern als Zeugin, wie ihr Mann blutüberströmt zu ihrem Arbeitsplatz, einer Apotheke, kam. Er habe gerufen: „Jetzt hat er es geschafft“, und sei zusammengebrochen. Die sofortige Hilfe durch den Apotheker und eine Notoperation retteten ihm das Leben.

Begonnen hatte die Wahnvorstellung vom scheinbaren Verhältnis mit der Frau des Schneiders 2016, als der Geschäftsmann dort Schneiderarbeiten in Auftrag geben wollte. Er fragte die Frau, ob ihr Mann da sei. „Das hat der total in den falschen Hals bekommen. 

Er hat geglaubt, mein Mann wolle sich mit seiner Frau verabreden“, schilderte die Zeugin den Beginn einer Leidenszeit, die ihre ganze Familie unter extremen Stress stellte und der das Ehepaar in bis heute andauernde psychiatrische Behandlung zwang. Der Beschuldigte habe ihnen vor ihrem Haus aufgelauert, den Mann im Wagen verfolgt, mit einem Ziegelstein bedroht. Später trat er die Haustür ein, strich zu Tages- und Nachtzeiten um Haus und Garten. „Ich mache Schnitzel aus ihm“, habe er zu ihr gesagt, berichtete die Zeugin.

„Ich habe nie an meinem Mann gezweifelt, er hatte kein Verhältnis mit der anderen Frau, war nie in Paris. Die Frau war auch nie in unserer Wohnung.“ Die Ehefrau des Beschuldigten habe sie angerufen und gesagt: „Mein Mann ist krank.“

Das sah auch dessen Tochter so, die mit der Tochter des Opfers chattete. Richter Mütze las aus dem Chatverkehr vor. Die Tochter des Beschuldigten sei völlig verzweifelt gewesen. „Er will deine Mama und deinen Papa umbringen“, schrieb sie der Altersgenossin. „Warum muss erst so etwas Furchtbares passieren, ehe eingeschritten wird“, fragten sich gestern Mutter und Tochter verzweifelt.

In dem Sicherungsverfahren vor dem Landgericht geht es nicht um Strafe, weil der seit der Tat in der Psychiatrischen Klinik in Haina untergebrachte Beschuldigte offenbar wegen seiner Erkrankung nicht schuldfähig ist.

In der Verhandlung muss darüber entschieden werden, ob der Mann dauerhaft und vorerst unbefristet in der Psychiatrie untergebracht werden muss.

Info: Für den 19., 25. und 27. Februar sind weitere Verhandlungstage eingeplant. Das Urteil soll Ende des Monats kommen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.