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Eschweger Sportakrobatinnen bereiten sich auf Nachwuchswettkämpfe vor

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Trainieren für ihren ersten Wettkampf an heutigen Samstag in Mainz: Paula Franke (stehend) und Maja Sankiewicz von den Sparkling Acrobats.
Trainieren für ihren ersten Wettkampf an heutigen Samstag in Mainz: Paula Franke (stehend) und Maja Sankiewicz von den Sparkling Acrobats. © Juliane Preiß

Lotta fliegt. Ein paar Meter hoch, Richtung Gebälk der Jahnsporthalle. Beim Zuschauen stockt einem der Atem. Aber Lotta wird wieder aufgefangen.

Eschwege - Sicher landet die Siebenjährige in den Armen von ihren Turnpartnerinnen Paula Franke, Lea Schöne und Clara-Marie Siebke. Heute üben sie den Grätschwinkelsprung. Das heißt, Lotta berührt in der Luft die Fußspitzen ihrer gegrätschten Beine, optimalerweise. Es klappt noch nicht einwandfrei. „Du musst die Beine durchstrecken und dich beim Landen mehr Strecken“, analysiert Trainerin Mirjam Siebke und lässt die sogenannte Longe wieder locker, eine Art Seilzug, an dem ein Bauchgurt befestigt ist. Dies unterstützt, wenn Wurfelemente oder Salti noch geübt werden müssen.

In Zukunft will Lotta statt dem Grätschsprung einen Salto in der Luft machen. Die Figur soll in das Showprogramm der Akrobatikgruppe „Sparkling Acrobats“ des Eschweger TSV aufgenommen werden. Showakrobatik ist eine Mischung aus Bodenturnen, Tanz und akrobatischen Hebe- und Wurffiguren. Bis zu 20 Mädchen von sechs bis 17 Jahren turnen bei den „Sparkling Acrobats“. Bei den Figuren mit Würfen und Pyramiden sind die Kleinsten immer ganz oben. Die zierliche Lotta ist prädestiniert, um durch die Luft gewirbelt zu werden. Hat sie keine Angst? „Nein, wieso, die fangen mich doch.“

Akrobatinnen müssen sich blind vertrauen

Show ist nur ein Teil der Akrobatikabteilung des ETSV. An diesem Mittwoch stehen beim Training die Küren für die Nachwuchsmeisterschaften in Mainz am heutigen Samstag an. Paula Franke und Maja Sankiewicz haben sich eine Ecke auf der Turnmatte gesucht und üben die Schwalbe. Dabei hebt die 16-jährige Paula die achtjährige Maja über ihren Kopf, die mit ausgebreiteten Armen und gestreckten Beinen wie schwebend in der Luft hängt.

Die beiden turnen noch nicht so lange als Formation. An diesem Wochenende haben sie ihren ersten gemeinsamen Wettbewerb. Der Handstand wackelt noch ein bisschen. Maja steht mit den Händen auf Paulas rechtem Knie. „Du bist ganz schief“, sagt Clara-Marie Siebke von der Seite. Die Akrobatinnen geben sich gegenseitig Tipps, greifen ein, wenn es mal wackelt, motivieren, wenn mal der Mut für den Flickflack oder Salto fehlt.

„Wir sind hier schon eine sehr enge Gemeinschaft“, sagt die 15-jährige Lea Schöne, die seit fünf Jahren bei der Akrobatikgruppe dabei ist. „Der Sport hat viel mit Vertrauen zu tun. Schließlich muss man sich bei den Wurfübungen gegenseitig blind vertrauen“, sagt sie und wirbelt ihre Partnerin Pola horizontal in die Luft und fängt sie nach mehreren Drehungen wieder auf.

Lea und die neunjährige Pola Jozefowska sind schon routiniert, sie turnen zwar erst seit einem halben Jahr als Formation, haben aber beide Wettkampferfahrung. Trainerin Mirjam Siebke startet die Musik und beobachtet die beiden konzentriert. Perfekt abgestimmt zeigen Lea und Pola ihre zweieinhalbminütige Kür, eine Mischung aus Tanz und Turnelementen, wie Räder, Spagat, und akrobatischen Figuren, wie Handstand und die Temposchwalbe, bei der Pola in die Luft geworfen und von Lea über dem Kopf gefangen wird. Die Trainerin ist fast zufrieden. „Der Übergang ist noch nicht perfekt, vielleicht könntest du Pola noch ein paar Mal eindrehen“, sagt sie zu Lea.

Mirjam Siebke hat selber nie Akrobatik gemacht. „Aber mich hat dieser Sport schon immer fasziniert. Ich finde ihn einfach wunderschön.“ Nachdem ihre drei Töchter mit der Akrobatik begonnen hatten, war sie angefixt. Sie machte den Trainerschein und sitzt bei Wettkämpfen auch als Kampfrichterin an der Matte.

Als die Siebkes von Aachen nach Niederhone zogen, war der nächste Akrobatikverein in Lispenhausen. Als Mirjam Siebke vom ETSV vor knapp sechs Jahren angesprochen wurde, ob sie nicht auch in Eschwege eine Akrobatikabteilung aufbauen möchte, hat sie nicht lange gezögert.

Die ganze Familie ist für den Sport aktiv

Dreimal die Woche trainiert sie die Mädchen. Fährt, wie an diesem Wochenende auf Wettkämpfe oder zu Shows. „Klar, da geht viel Zeit drauf, wir sind ziemlich oft in Turnhallen, aber es macht auch einfach sehr viel Spaß.“ Auch Siebkes Mann ist voll involviert, er ist beim Deutschen Sportakrobatikbund für die Technik bei Wettkämpfen verantwortlich.

Wenn Mirjam Siebke von Wettkampfklassen, Formationen und Figuren spricht, gerät sie ins Schwärmen. „Es auch wäre toll, wenn Jungs bei uns mitturnen würden, ich liebe die Mixed-Formationen, die wahnsinnig anspruchsvoll sein können.“ Neugierige sind willkommen, im Moment suchen die Sparkling Acrobats vor allem ältere Mädchen oder Jungs ab zwölf Jahren. „Allerdings müssten die schon ein bisschen was drauf haben, wie zum Beispiel das Rad.“

Während Corona haben ein paar Mädchen die Gruppe verlassen, damit sind die „Sparkling Acrobats“ nicht allein. Obwohl der Sport in den sozialen Medien boomt, sei die Mitgliederzahl bundesweit gleich geblieben, sagt Werner Hassepaß vom Deutschen Sportakrobatik Bund. „Als nicht-olympische Sportart hat man es immer schwerer“, so Hassepaß, es gebe weniger Fördergelder und weniger Aufmerksamkeit.

Sportakrobatik wird bei den World Games ausgetragen

Dass die deutschen Akrobatinnen und Akrobaten international ganz oben mitturnen sieht man bei den World Games im US-amerikanischen Birmingham, die gerade stattfinden. Alle vier Jahre messen sich Athletinnen und Athleten in Sportarten, die nicht zum Wettkampfprogramm der Olympischen Spiele gehören. Auch heute laufen die Wettkämpfe der Sportakrobaten, die im Internet übertragen werden.

Bis an die Weltspitze haben die jungen Eschweger Akrobatinnen noch ein bisschen Weg vor sich. Muss aber auch nicht unbedingt sein, findet Paula Franke: „Mir macht dieser Sport einfach total viel Spaß. Vor allem weil man Dinge ausprobieren kann, die man sich vorher vielleicht gar nicht getraut.

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