WAS WAR DENN DA LOS

Weiße Box wirft Fragen auf: Wildgans trägt Sender für Forschungsprojekt

Ihr Verhalten wird untersucht: Zehn Graugänse aus dem Werratal tragen für ein Forschungsprojekt derzeit einen GPS-Sender in einem weißen Kasten am Hals.
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Ihr Verhalten wird untersucht: Zehn Graugänse aus dem Werratal tragen für ein Forschungsprojekt derzeit einen GPS-Sender in einem weißen Kasten am Hals.

Diese Gänse sorgen bei vielen Beobachtern für Fragen: Warum tragen die grauen Wasservögel ein auffälliges, kastenförmiges schwarz-weißes Halsband?

Werra-Meißner – „Des Rätsels Lösung ist, insgesamt zehn Graugänse werden im Rahmen des Projektes Management und Monitoring von Wildgänsen im Werratal beobachtet“, berichtet Dr. Jörg Brauneis vom Initiator, dem Jagdverein Hubertus Eschwege.

Das Projekt wird von Wildbiologen des Arbeitskreises Wildbiologie der Justus-Liebig-Universität Gießen geleitet. Es hat mehrere Graugänse mit einem GPS-Telemetrie-Sender ausgestattet.

„Dazu mussten die Gänse natürlich erst einmal gefangen werden“, erklärt Brauneis. Da Graugänse sehr aufmerksam und scheu sind, konnte dies nur in einer Zeit gelingen, in der die Vögel schlecht fliegen und daher nicht flüchten können: der Mauser. Denn dann verlieren die Graugänse wie alle Wasservögel jährlich ihre langen Schwungfedern an den Flügeln. „Damit sind die Tiere für etwa drei bis fünf Wochen vollständig flugunfähig, bis die neuen Schwungfedern nachgewachsen sind“, sagt Brauneis. „In dieser Zeit sind die Vögel gegenüber ihren natürlichen Feinden sehr verletzlich und ziehen sich auf besonders geschützte und störungsarme Gewässer, meist mit Inseln und in den Naturschutzgebieten, zurück.“

Diese Teiche und Seen würden Mausergewässer genannt und von einer großen Zahl Gänsen jedes Jahr zwischen Ende Mai und Anfang Juni wieder aufgesucht. „Daher konnten die Gießener Wildbiologen am 10. Juni dieses Jahres insgesamt zehn Graugänse auf einem Angelteich zwischen den Meinharder Ortsteilen Grebendorf und Jestädt mit Netzen und Zäunen einfangen und mit einem GPS-Sender versehen“, so Brauneis weiter. „Obwohl die Sender relativ massig aussehen, sind sie jedoch mit einem Gewicht von nur etwa 45 Gramm sehr leicht und behindern die Tiere nicht. Dieser Sendertyp wurde in anderen Forschungsprojekten mit Graugänsen erfolgreich eingesetzt“, erklärt Projektleiter Johann David Lanz vom Arbeitskreis Wildbiologie. „Wir können so die Bewegungen der Tiere nachvollziehen und erhoffen Hinweise, wie das Maßnahmenpaket zur Minderung der Schäden durch Wildgänse an landwirtschaftlichen Kulturen weiter verbessert werden kann.“

(von Brauneis und Steensen)

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