Saubere Luft im Klassenzimmer

Kreis sieht mobile Luftfilter kritisch und will andere Systeme austesten

Mobile Luftfilter sind eine Möglichkeit, die Virenlast in Räumen zu senken. Der Werra-Meißner-Kreis steht ihnen kritisch gegenüber. Sie wollen jetzt andere Systeme testen.
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Mobile Luftfilter sind eine Möglichkeit, die Virenlast in Räumen zu senken. Der Werra-Meißner-Kreis steht ihnen kritisch gegenüber. Sie wollen jetzt andere Systeme testen.

Neben stationären raumlufttechnischen Anlagen beabsichtigt der Werra-Meißner-Kreis andere Systeme zum Luftaustausch in Klassenräumen anzuschaffen. Mobile Luftreiniger wohl eher nicht

Werra-Meißner – Das berichtet der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Rainer Wallmann. „Diese Systeme sollen aber vorher getestet werden“, sagt der Vize-Landrat. Entsprechende Abstimmungen mit anderen Schulträgern, Herstellern und Wissenschaftlern finden derzeit statt.

In einer Stellungnahme des Werra-Meißner-Kreises heißt es weiter: „In der Diskussion um Lufthygiene in Klassenräumen muss deutlich unterschieden werden zwischen mobilen Luftreinigungsgeräten und den RLT-Anlagen.“ Der Einsatz von mobilen Luftreinigungsgeräten werde von der Fachwelt zur Raumlufthygiene kritisch betrachtet, kommentiert Wallmann. Der Werra-Meißner-Kreis setze mobile Luftreinigungsgeräte nur als ergänzende Maßnahme in Unterrichtsräumen ein, die schlecht oder überhaupt nicht zu lüften sind. „Zur Minderung des Übertragungsrisikos mit Sars-Cov-2 ist ein regelmäßiges Lüften der Unterrichtsräume in den Schulen die wirksamste Methode“, sagt Wallmann und reagiert damit auf ein Interview von Dr. Claus Wenzel (Freie Wähler), der mehr Schutz für Schüler und Lehrer vor Beginn einer vierten Welle gefordert hatte. Das Risiko für Distanzunterricht würde ohne Luftreinigungsanlagen steigen. Die Lehrkräfte sind zwar weitgehend geimpft, aber es gehe um die Gesundheit der Schüler.

Dr. Rainer Wallmann, Erster Kreisbeigeordneter

Mobile Luftreinigungsgeräte arbeiten im Umluftbetrieb, das heißt verbrauchte Raumluft wird über eine Filtereinheit geleitet, ein Teil der ggf. vorhandenen Virenbeladung bei gutem Filterzustand zurückgehalten und die virenreduzierte Luft wieder im Klassenraum verteilt.

Es erfolgt dabei kein Luftaustausch mit der Außenluft. Unklar ist auch, wie oft die Filtereinheiten gewechselt werden müssen. „Diese Geräte lassen die Viren nicht verschwinden, aber „die Luftfilter halten die Konzentration in Räumen niedrig“, sagt beispielsweise Swen Dolge. Der Geschäftsführer der gleichnamigen Eschweger Firma vertreibt seit rund 30 Jahren Luftfiltergeräte. Erwiesen sei, – und deshalb würden auch die Gesichtsmasken empfohlen – dass eine Minimierung der Virenlast den Krankheitsverlauf abschwäche. Er vergleicht die Geräte mit Airbags. Im Gegensatz zu Sicherheitsgurten seien sie in Autos nicht vorgeschrieben, aber niemand käme auf die Idee, ein Auto ohne Airbag zu kaufen – auch wenn er dadurch ein paar Euro sparen könnte.

Darüber hinaus, heißt es in der Pressemitteilung des Kreises, könne mit nur einem mobilen Luftreinigungsgerät in einem Klassenraum nicht die gesamte Raumluft umgewälzt werden. Vier seien nötig, die großen Lärm bereiteten. Fazit des Landkreises zu mobilen Luftreinigungsgeräten: Begrenztes Vorbeugen, hoher Lärm, und Lüften muss weiterhin stattfinden. Darüber hinaus fielen die Geräte nicht unter die Bundesförderung. (Tobias Stück)

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