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Eschweges Wirtschaftsförderer Wolfgang Conrad ist im Ruhestand

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Von: Tobias Stück

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Hat sich dem Wirtschaftsstandort und der Innenstadt in Eschwege angenommen: Wirtschaftsförderer Wolfgang Conrad. Archi
Hat sich dem Wirtschaftsstandort und der Innenstadt in Eschwege angenommen: Wirtschaftsförderer Wolfgang Conrad. Archi © Tobias Stück

Fast 20 Jahre war Wolfgang Conrad Wirtschaftsförderer der Kreisstadt. Im Juli ging der gebürtige Würzburger in den Ruhestand.

Eschwege – Still und leise hat der Wirtschaftsförderer der Kreisstadt, Wolfgang Conrad, nach fast 20 Jahren Ende Juli seinen Schreibtisch im Rathaus geräumt und sich bei der Stadt Eschwege in den Ruhestand verabschiedet. Am Donnerstag wird er von den politischen Gremien der Stadt verabschiedet.

Als Conrad im September 2002 seine Arbeit bei der Kreisstadt aufnahm, musste er die gerade neu geschaffene Stabsstelle nach seinen Vorstellungen aufbauen und gleichzeitig den gesamten Wirtschaftsstandort Eschwege neu ausrichten. Durch viele Betriebsstilllegungen und verpasste Modernisierungen stand vor Conrad die Aufgabe, für den Wirtschaftsstandort Eschwege einen technologischen Strukturwandel einzuleiten. Für den Maschinenbaustandort stand der Wandel von der Mechanik zur Elektronik an. Der Blick auf die Innenstadt offenbarte ein ähnliches Bild: „Die gesamte Innenstadt bedurfte einer Neuausrichtung“, erinnert sich Conrad.

Umtriebig und kreativ: Wolfgang Conrad Wirtschaftsförderer im Ruhestand

Für den geborenen Würzburger, der von Franken nach Nordhessen gewechselt hatte, türmte sich ein ganzer Berg von Problemen auf. Dieser Berg wurden in den ersten Jahren sogar noch größer, wenn man an den Verlust prägender Branchen und Unternehmen wie die Brotfabrik und Becker & Hach in Niederhone, Kautex oder Julphar und an die Schließungen der großen Modehäuser Koch, Weber und Karstadt/Hertie denkt.

Der Sozialwissenschaftler ging das Problem strategisch an und stellte ein Stadtentwicklungskonzept auf, das sogenannte „Eschwege-Programm“. Dieses wurde 2004 von der Stadtverordnetenversammlung einstimmig beschlossen und ist noch heute gültig. Damit leitete Conrad für die Zukunftsgestaltung eine Neuausrichtung des Technologiestandortes und des Wirtschaftsraumes ein. Das wichtigste Hilfsmittel zur Umsetzung der neuen Technologiepolitik und damit der Schlüssel zum Erfolg war dabei das von ihm 2003 initiierte Unternehmensnetzwerk „Niwe“. Gerade gab es dafür noch eine Auszeichnung. Das von Conrad 2018 ausgedachte Förderprogramm „Durchstarten“ für Start-ups wurde inzwischen bundesweit oft kopiert. Die bis 2010 rund 2000 verloren gegangenen Arbeitsplätze in der Kreisstadt wurden nach seinen Angaben bis 2018 alle wieder zurückgewonnen.

Wirtschaftsförderer Wolfgang Conrad: Start unter günstigem Stern

Schon der Start in Eschwege begann für Conrad unter einem günstigen Stern. Von 2003 bis 2005 gewann er gleich dreimal hintereinander für die Stadt den Wettbewerb „Ab in die Mitte!“. Daraus sind viele weitere Projekte entstanden, vom Werraman über den Umbau der ehemaligen Pestalozzi-Schule zur Musikschule bis zu Kunstwettbewerben. Conrad holte das Stadtumbauprogramm nach Eschwege und zuletzt die Landes- und Bundesprogramme zur Zukunft der Innenstädte nebst hessischem Kommunalpreis mit insgesamt rund zwei Millionen Euro Fördergeldern.

Die bislang größte Herausforderung: Die Schließung von Karstadt/Hertie im Herzen der Innenstadt. Mit der Gründung der Projektentwicklungsgesellschaft Eschwege gelang dem Wirtschaftsförderer die Revitalisierung der Immobilie zum Einkaufszentrum Schlossgalerie.

Auch wenn der ehemalige Wirtschaftsförderer noch das Niwe-Netzwerk sowie die Projektentwicklungsgesellschaft weiter begleitet, widmet er sich jetzt mehr seinen kreativen Leidenschaften: Kunst und Musik.

Wolfgang Conrad: Eschweges Wirtschaftsförderer geht in Ruhestand

„Zu Beginn konnte ich mir mehr als sieben Jahre in Eschwege nicht vorstellen“, sagt Conrad rückblickend. Er sei aber gut aufgenommen worden und habe sich deshalb schnell hier wohlgefühlt. „Angesichts der vielen Herausforderungen hat es mir viel Freude bereitet, für die Bürger, die Unternehmen und die Stadt tätig sein zu dürfen und die Zukunft mitzugestalten.“

„Als kreativer Kopf war Wolfgang Conrad für die Stadt ein echter Glücksfall“, würdigt Bürgermeister Alexander Heppe sein Schaffen. Für seine Nachfolge hat die Stadt inzwischen einen Nachfolger gefunden, der seinen Dienst am 1. Januar antreten wird.

(Tobias Stück)

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