Seltene Krankheit

Wohnen quält: Lorena Axt ist wegen Chemikalien-Allergie obdachlos

Angst vor dem sozialen Abseits: Ihre Krankheit hat Lorena Axt obdachlos gemacht. Einige Tage hat sie auf dem Campingplatz am Werratalsee verbracht. In einer Selbsthilfegruppe tauscht sich die 38-Jährige mittlerweile mit anderen Betroffenen aus. Foto: Spanel

Eschwege. Lorena Axt ist verzweifelt. Seit drei Monaten ist die 38-Jährige ohne festes Obdach.

Die Mutter einer zehnjährigen Tochter leidet unter MCS, einer vielfachen Chemikalien-Unverträglichkeit. Die äußerst seltene Krankheit macht es der Ergotherapeutin unmöglich, sich längere Zeit in renovierten Räumen oder auch nur in der Nähe von Abgasen aufzuhalten.

„Im Oktober vergangenen Jahres wurde MCS bei mir diagnostiziert“, sagt Axt unter Tränen. „Zu diesem Zeitpunkt begann meine Odyssee durch die Arztpraxen, doch niemand konnte mir helfen.“ Die Symptome wurden so schlimm, dass die 38-Jährige aus ihrer Wohnung ausziehen musste. „Auf Laminat, PVC, Farben, Lösemittel oder Duftstoffe reagiere ich mit Schmerzen am ganzen Körper, in Extremfällen sogar mit Lähmungserscheinungen und Atemnot“, sagt Axt.

Ihren Beruf als Ergotherapeutin habe sie aufgeben müssen, doch am Schlimmsten sei, dass sie ihre Tochter nicht mehr täglich sehen könne. „Meine Schwester betreut sie liebevoll – auch meine Sachen kann ich bei ihr unterstellen. Auf Dauer kann das aber keine Lösung sein“, sagt die Eschwegerin.

Die 38-Jährige lebt nun von Tag zu Tag, ohne zu wissen, was morgen ist. Hilfsangebote der Kirchen oder sozialer Einrichtungen habe Axt bislang nicht annehmen können, weil die angebotenen Räumlichkeiten nicht mit ihrer Krankheit vereinbar gewesen seien. So verbrachte sie die erste Woche des neuen Jahres notgedrungen in einem ungeheizten Wohnwagen auf einem Campingplatz am Werratalsee.

„Ich suche dringend eine Wohnung“, so Axt. Diese sollte möglichst unrenoviert, gefliest oder mit Holzparkett versehen sein. Ob direkt in oder im Umland von Eschwege gelegen, sei nebensächlich: „Mein größter Wunsch ist es, mein Kind endlich wieder bei mir zu haben.“

Wenn eine Wohnung gefunden ist, strebt Axt einen Aufenthalt in der MCS-Spezialklinik Neukirchen (Bayern) an, um soweit stabil zu werden, dass eine Rückkehr in ihren Beruf möglich wird.

Wer Lorena Axt helfen will, kann sich unter der E-Mail-Adresse redaktion@werra-rundschau.de melden. Alle Angebote werden weitergeleitet.

Von Emily Spanel

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