VR-Bank engagiert sich für Hilfsgütertransporte

Rumänien: In einem EU-Land verhungern Kinder

Leuchtende Kinderaugen für einen Teddy und ein Spielzeugauto: Diese Kinder in den Westkarpaten trugen zum Teil keine Strümpfe oder Schuhe (links unten zu erkennen) - und das bei etwas über 0 Grad. Fotos: Fross/nh

Werra-Meißner. Die Fassungslosigkeit von seiner ersten Fotosafari durch Rumänien ist nicht gewichen: „In einem EU-Land verhungern Kinder.“ Für Stefan Fross unglaublich, aber wahr.

Seit der Direktor der VR-Bank Meißner das Elend in dem südosteuropäischen Land sah und von verhungernden Kindern hörte, engagiert er sich für Hilfsgütertransporte und konkret ein Waisenkinderheim.

Nachdem er von den Zuständen jüngst unter anderem beim Neujahrsempfang in Bad Sooden-Allendorf berichtete, freut er sich darüber, wenn die Initiative öffentlich und - vor allem - unterstützt wird.

Was für Fross und einen Freund zunächst ein privates Herzensanliegen war, hat mittlerweile die gesamte VR-Bank Werra-Meißner erfasst. Vor Weihnachten beteiligten sich die Mitarbeiter an einer kleinen Sammlung, die Führungskräfte besorgten dann knapp 100 Geschenke und packten sie ein.

Schon bei der ersten Tour nach Rumänien in unberührte Landschaften hatte Fross Kleinigkeiten für Kinder dabei: Spielzeug, Teddybären, Malkästen, Buntstifte. „Ich dachte, das geht immer. Doch da war ich etwas naiv“, berichtet er. Denn beim Kontakt mit einem Waisenhaus wurde nach anderem gefragt: Mehl, Nudeln, Reis, Speiseöl, Wurst- und Fleischkonserven - und Nutella.

Lebensmittel, so stellte Fross im Supermarkt in Rumänien fest, sind teilweise teurer als in Deutschland, beispielsweise Südfrüchte und Kaffee. Eine Tiefkühlpizza vom gleichen Hersteller kostet hier 1,99 Euro, dort 2,99.

StefanFross

Den Kontakt zu einem von einem Deutschen geführten, christlichen Kinderheim lässt Fross nicht abreißen. Allein schon die strahlenden Augen der Kinder, die bis zu der Bescherung jüngst nie ein individuelles Geschenk erhielten, haben den Banker gefesselt. Das Heim wird nur mit Spenden finanziert, sagt er und verweist auf den Verein Hilfstransporte und Waisenhilfe in Nagold bei Stuttgart, der sich um etliche Hilfsprojekte in Rumänien und Ungarn kümmert.

Und Hilfe sei dringend notwendig: „In den tiefsten Karpaten ist ja gar nichts,“ sagt Fross, der in diesem Jahr selbst einen Hilfstransport begleiten will. Dass Grundnahrungsmittel fehlen, dass in einer zentralen Küche für 1000 bis 1200 Kinder eine warme Mahlzeit - und einzige des Tages - ausgegeben werden, dass unterernährte Kinder ohne ausreichende Kleidung bis minus 30 Grad überstehen müssen und Unterkünfte ohne fließend Wasser und Strom und oft sogar ohne Feuerstelle sind und wie Slums anmuten - und das in einem EU-Land, das vermag Stefan Fross nicht zu verstehen: „Das kann doch nicht wahr sein.“ Mit der jetzt ins Leben gerufenen Aktion „Hilfe für Kinder in Rumänien“ könne man das Land zwar nicht retten, sagt er, „aber ein bisschen die Not lindern“.

Spendenkonto 

„Jeder Euro kommt an“, versichert Stefan Fross in Bezug auf die Spenden, um die er für die Aktion „Hilfe für Kinder in Rumänien“ erbittet. Unter diesem Stichwort und mit einer gesonderten Kontonummer laufen die Spenden über die VR-Bank-Werra-Meißner-Stiftung: IBAN: DE09 5226 0385 0101 010085

Von Stefan Forbert

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