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Ex-Buchhalter zweigt Firmengelder auf sein Privatkonto ab

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Von: Stefanie Salzmann

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Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand.
Ein 45 Jahre alter Ex-Buchhalter stand am Dienstag vor dem Amtsgericht in Eschwege. (Symbolbild) © David-Wolfgang Ebener/dpa

Ein 45 Jahre alter Ex-Buchhalter hatte seinen Arbeitgeber – ein großes Kassler Unternehmen für Heiz- und Kühltechnik – innerhalb von knapp fünf Jahren um rund 85 000 Euro erleichtert.

Eschwege – Wegen Untreue und Urkundenfälschung in 58 nachgewiesenen Fällen ist ein 45 Jahre alter Mann aus dem Werra-Meißner-Kreis am Dienstag vom Amtsgericht Eschwege zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt worden. Die Strafe wurde zu einer vierjährigen Bewährung ausgesetzt.

Der Mann hatte seinen Arbeitgeber – ein großes Kassler Unternehmen für Heiz- und Kühltechnik – innerhalb von knapp fünf Jahren um rund 85 000 Euro erleichtert. Als Buchhalter der Firma hatte er Zugriff auf sämtliche Konten, ein Vier-Augen-Prinzip gab es nicht. Um sich zu bereichern, hatte der Buchhalter, der das Vertrauen der Geschäftsleitung genoss, sich eines einfachen Mittels bedient. Er hatte die meist als PDF verschickten Rechnungen mit einem Bearbeitungsprogramm manipuliert und die Kontonummer der Firma durch seine eigenen privaten Kontodaten ersetzt. Auf diese Weise flossen zwischen 2015 und 2020 Beträge zwischen 200 Euro und knapp 14 000 Euro in seine Tasche. Nach vollzogener Überweisung änderte er die Stammdaten in den PDF-Dokumente wieder und pflegte diese in die Buchhaltung ein.

„Ich hab das Vertrauen der Firma schamlos ausgenutzt“, sagte der Mann, der zuvor ein vollständiges Geständnis seiner Taten abgelegt hatte. Er sei nach den ersten illegalen Transaktionen wie „in einen Strudel geraten“. Immer wenn er Geldsorgen hatte, leitete er Firmengelder auf sein Konto. „Es war so einfach“, sagte er vor Gericht.

Und Geldsorgen hatte der Mann ständig. Er selbst sagte, dass die Familie einfach über ihre Verhältnisse lebte. „Wir haben immer versucht einen Lebensstil zu führen, den wir uns einfach nicht leisten konnten“, räumte er ein.

Dass sich seine Veruntreuungen allerdings im Laufe der Jahre so hoch summiert hatten, habe ihn selbst überrascht. „Ich dachte immer, dass es insgesamt irgendwas zwischen 10 000 und 20 000 Euro waren.“ Nachdem 2020 ein Geschäftsführer zufällig ein Schreiben einer Versicherung fand, in dem die falsche Kontonummer angegeben war, stellte er den Buchhalter zur Rede, erstattete aber zunächst keine Anzeige. Erst als das Unternehmen über eigene Recherchen entdeckte, wie groß die Schadenssumme war, schaltete es die Staatsanwaltschaft ein.

Untreue im Strafrecht 

Untreue ist in Deutschland ein Straftatbestand (§266, StGB) und zählt zu den Vermögensdelikten. Dabei schädigt ein Täter das Vermögen eines Dritten, indem er Verfügungsgewalt und Vertretungsrechte missbraucht. Zur Untreue gehört auch der Vertrauensbruch. Untreue findet immer von innen heraus statt. Beispiel: der Fall der Awo in Frankfurt. salz

Der Angeklagte, verheiratet und Vater zweier unterhaltspflichtiger Kinder, hat den Schaden inzwischen beglichen, zuzüglich Zinsen. Dazu musste er sein Haus verkaufen. Der Angeklagte hat inzwischen mit seiner Familie den Landkreis verlassen und lebt jetzt in Bayern, wo er als Platzwart arbeitet. (Stefanie Salzmann)

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