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Experte lüftet nächstes Geheimnis in Wasserburg Aue

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Von: Stefan Forbert

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Prof. Dr. Ulrich Großmann (rechts) ließ sich von Burgvogt Robert Köcher (links) und Historiker und Grabungsleiter Dr. Karl Kollmann die Wasserburg in Aue zeigen.
Prof. Dr. Ulrich Großmann (rechts) ließ sich von Burgvogt Robert Köcher (links) und Historiker und Grabungsleiter Dr. Karl Kollmann die Wasserburg in Aue zeigen. © Stefan Forbert

Bauhistoriker Prof. Großmann besichtigt Wasserburg in Aue

Aue – Seitdem sie die Wasserburg im Wanfrieder Stadtteil Aue untersuchen, ist der Archäologie-Arbeitsgemeinschaft ein kleiner Raum neben der Küche ein Rätsel geblieben. Unter der Treppe befindet sich das Zimmer, das auch mit einem Kamin ausgestattet war. Prof. Dr. Ulrich Großmann, renommierter Bauhistoriker, Experte für die Renaissance konnte der AG bei seinem Besuch jetzt weiterhelfen. Bei dem Zimmerchen handele sich um eine Stube, den persönlichen Rückzugsort für den Küchenmeister.

Prof. Dr. Ulrich Großmann war bis vor drei Jahren Generaldirektor des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg und gilt in Deutschland als Fachwerk-Papst. Bei einem Besuch in Nordhessen nahm er jetzt das in den vergangenen bald 20 Jahren freigelegte und zugänglich gemachte Herrschaftsgebäude in Aue in Augenschein. Dabei gab der Experte dem Historiker Dr. Karl Kollmann, der die Ausgrabung durch die Archäologie-AG leitete, sowie Burgvogt Robert Köcher einige Antworten auf bisherige Fragen bezüglich der Funktionen der Wasserburg.

Im Laufe der Jahrhunderte erfolgten hier einige bauliche Veränderungen. 1637, während des 30-Jährigen Krieges, war das Renaissance-Gebäude, dessen Ursprünge mindestens bis 1272 zurückgehen sollen, bei einem Brand vollkommen zerstört und nicht wieder aufgebaut worden.

Für das bislang unbekannte Zimmer des Küchenmeisters hatte er auch die Erklärung für seine Lösung. Die große Küche hatte einst ihre besondere Bedeutung in dem Herrenhaus. Denn nicht nur die Herrschaften wollten versorgt sein, zusätzlich dürfte ein Teil des Anwesens auch als Beherbergungsbetrieb für bessergestellte Reisende gedient haben.

In dieser Ansicht bestätigte Großmann AG-Leiter Kollmann. Großmanns Annahme nach intensiver Betrachtung von alten Basis- und Gewändesteinen sowie auch der Innenmauern, dass der heutige Eingang einst als Zutritt zur Herberge im Untergeschoss diente, der Aufgang in den herrschaftlichen Bereich im Obergeschoss aber getrennt war und sich direkt links daneben befand, konnte jedoch ein weiteres bisheriges Rätsel lösen.

Diese jüngsten Erkenntnisse zur Bau- und Sanierungsgeschichte werde er noch in seine Dokumentation zur archäologischen Forschungsmaßnahme zusammen mit der Geschichte der vielen Eigentümerfamilien der Burg sowie des Ortes aufnehmen, freute sich Karl Kollmann. Das Buch soll voraussichtlich Anfang des nächsten Jahres herauskommen. (Stefan Forbert)

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