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Experten nennen Gründe und Prävention für häufiges Fehlen in der Schule

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Von: Eden Sophie Rimbach

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Sprachen beim Fachtag: (von links) Kerstin Ihde, Birgit Reppmann, Eva Be Yauno-Janssen, Sören Mechler, Myriam Lamotte-Heibrock, Heidi Bevern-Kümmel, Prof. Dr. Heinrich Ricking und Detlef Nizold.
Sprachen beim Fachtag: (von links) Kerstin Ihde, Birgit Reppmann, Eva Be Yauno-Janssen, Sören Mechler, Myriam Lamotte-Heibrock, Heidi Bevern-Kümmel, Prof. Dr. Heinrich Ricking und Detlef Nizold. © Eden Sophie Rimbac

Abneigung gegenüber und Angst vor der Schule sowie elternbedingtes Zurückhalten: Die Gründe fürs Schuleschwänzen sind vielfältig.

Eschwege – „Das kann Monate, manchmal Jahre dauern“, sagte Prof. Dr. Heinrich Ricking darüber, wie sich eine Ablehnung gegenüber der Schule und daraus häufiges Fernbleiben von der Schule entwickeln könne.

Zum in der Fachsprache Schulabsentismus genannten Thema informierten sich jetzt rund 80 Teilnehmer beim Fachtag „Jeder Schultag zählt“ in Eschwege. Gekommen waren Lehrkräfte sowie weitere schulische und pädagogische Fachkräfte. Ricking ist Professor für Emotionale und Soziale Entwicklung unter besonderer Berücksichtigung sonderpädagogischer Förderung und inklusiver Kontexte an der Universität Leipzig. Unter anderem auf der Basis von Interviews mit betroffenen Kindern und Jugendlichen sowie Projekten mit Schulen erklärte er, dass es sich beim Schulabsentismus um einen Prozess handele. Oft fange dieser in der Grundschule an. Auswirkungen durch die vielen Fehltage zeigten sich dann stark ab der Mittelstufe.

Risikofaktoren

Risikofaktoren wie geringe Unterstützung und niedrige soziale Kompetenzen in der Familie bedingten Schulversagen und abweichendes Verhalten. Wenn zu dauerhaft schlechten Erwartungen bei einem Schulbesuch positive Erfahrungen beim Fernbleiben hinzukämen, fehle der Betroffene irgendwann regelmäßig.

Beeinflussung

Ein starker Anreiz in diesem Prozess sei das gemeinsame Fehlen mit anderen Jugendlichen. Die sogenannten Peers sorgen laut Studien dafür, dass ein Schüler am Kipppunkt mit siebenfacher Wahrscheinlichkeit nicht zur Schule geht. „Schüler sind immer wieder auch greifbar“, erklärte Ricking. Allerdings sei es wichtig, früh in den Prozess einzugreifen. Schüler, die dagegen aus Angst nicht zur Schule gehen, würden unter schlechten Noten, sozialen Ängsten oder Mobbing leiden. Gerade bei jüngeren Schülern sei Trennungsangst ein häufiges Problem.

Rolle der Eltern

Lange Zeit sei der Einfluss der Eltern nicht beachtet worden. Doch etwa 40 Prozent der befragten Schüler haben laut Ricking angegeben, dass ihre Eltern über das Fehlen Bescheid wussten. Der Einfluss der Eltern reiche vom aktiven Zurückhalten über das Dulden bis hin zu passivem Verhalten. „Gehen Sie davon aus, dass Sie da nicht immer richtig liegen“, sagte Ricking mit Blick darauf, ob eine schriftliche Entschuldigung immer bescheinigt, dass ein Schüler wirklich aufgrund von Krankheit fehlt.

Prävention

Ricking stellte acht Punkte zur Prävention vor. Dazu zählen das Vertiefen einer emotionalen Bindung und das Erleben der Schule als sicher ebenso wie das Erkennen von Warnsignalen und Anbieten von Beratung, die sich auch an die Eltern richtet. Schulversagen liege meist nicht an Lehrern, „sondern daran, dass das System Gewinner und Verlierer produziert.“

Ricking weiß: „Es wird, wenn nichts passiert, in den meisten Fällen schlimmer.“ Bei Therapieplätzen gebe es lange Wartezeiten und das Ordnungswidrigkeitsverfahren beim Versäumen der Schulpflicht dauere teilweise. Über die juristischen Hintergründe sprach Eva Be Yauno-Janssen, Juristin des Staatlichen Schulamts für Hersfeld-Rotenburg und den Werra-Meißner-Kreis.

Die Schulpsychologin Birgit Reppmann, Schulamt, ging auf psychologische Aspekte ein und Sören Mechler, Kompetenzagentur Werra-Meißner, stellte Handlungsmöglichkeiten im Kreis vor.

Detlef Nizold, Schulamt, erklärte, dass der Arbeitskreis Schulabsentismus weitermachen werde. Schulamt und Kreis hatten den Fachtag in der Aula der Anne-Frank-Schule Eschwege mit dem Netzwerk OloV organisiert. (Eden Sophie Rimbach)

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