Fachkräfte aus den eigenen Reihen

Stadtwerke Eschwege: Nachfolgeregelung mit Weitsicht

Zwei Männer stehen nebeneinander. Der eine hält eine Urkunde in der Hand.
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Paradebeispiel: Der ehemalige Stadtwerke-Azubi Matthias Eyrich (rechts) hat 2020 als Elektroniker für Betriebstechnik die beste IHK-Prüfung in ganz Hessen abgelegt. Jetzt studiert er mit Unterstützung des Eschweger Unternehmens. Links sein Ausbilder Thomas Koch.

Fachkräftemangel ist für Betriebe im ländlichen Raum ein großes Problem. Das Beispiel der Stadtwerke Eschwege zeigt, dass es auch anders geht.

Eschwege – Weitsichtig denken ist eine Eigenschaft, die Markus Lecke bereits in seiner Lehre nahegebracht wurde. Jetzt, als Chef eines mittelständischen Unternehmens mit über 120 Mitarbeitern, kommt ihm diese Fähigkeit zugute. Personalplanung sehen er und sein Team als lang- bzw. mittelfristig. Deswegen hatte das Unternehmen im vergangenen Jahr kein Problem, vier Führungskräfte nacheinander mit betriebsinternen Lösungen nachzubesetzen. „Dafür haben wir uns aber seit acht, neun Jahren Gedanken gemacht“, sagt Lecke.

Was am Ende in der Spitze des Unternehmens ankommen soll, wird fast immer selbst ausgebildet. Seit dem Jahr 2010 verzichten die Stadtwerke auf Ausschreibungen. „Wir wollen uns nicht mehr von Zeugnissen blenden lassen“, sagt Lecke. Viel wichtiger sei es, dass die neuen Mitarbeiter eine Einbindung in die Region hätten. Deswegen kommt ein Großteil der Belegschaft aus dem Werra-Meißner-Kreis und dem näheren Umfeld. Den Stadtwerken eilt ein guter Ruf als Arbeitgeber voraus. Jedes Jahr gibt es mehr Bewerbungen als freie Stellen. „Wir sind in der glücklichen Lage, dass Interessierte auf uns zukommen“, erklärt Lecke.

Stadtwerke sind digital

So wie Johanna Hundeshagen. Über den Großvater ihres Freundes, der schon bei den Stadtwerken gearbeitet hat, ist die Thüringerin auf das Eschweger Unternehmen aufmerksam geworden. Dass sie fast vor der Haustür ihren Praxispartner für ihr duales Studium in BWL mit Schwerpunkt Marketing und digitale Medien gefunden hat, sei ein Glücksfall gewesen. Den digital affinen Stadtwerken kann sie mit ihrem Wissen weiterhelfen. Sie startet bei Facebook und Instagram Kampagnen, um junge Leute anzusprechen.

Im Gespräch bleiben

Demnächst soll ein Azubi-Tagebuch als Blog herauskommen. „Wir wollen uns als guter Arbeitgeber präsentieren und bei jungen Menschen im Gespräch bleiben“, sagt Hundeshagen. Für Lecke ist das besonders wichtig, um Jahrespraktikanten zu bekommen. Mit diesem System haben die Stadtwerke gute Erfahrungen gemacht und empfehlen es auch anderen Unternehmen. „Wer sich geschickt anstellt, den übernehmen wir und bieten ihm eine echte Perspektive“, sagt Lecke.

In der Vergangenheit ging das Konzept auf. Derzeit werden fünf junge Menschen ausgebildet (zwei Industriekaufleute, ein Elektroniker für Betriebstechnik, eine Fachkraft für Wasserversorgungstechnik und eine Auszubildende zur Fachangestellten für Bäderbetriebe), zwei studieren dual (Ingenieurwesen Elektrotechnik und BWL). Zu ihnen gehört auch Matthias Eyrich, der im Sommer von der IHK zum besten Auszubildenden in Hessen gekürt wurde (wir berichteten). Tobias Stück

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