Nach Fahrplanänderungen

Schüler aus Uengsterode haben Probleme mit Busverbindungen

Gefährlicher Stopp: Die Haltestelle „Abzweig Uengsterode“ an der viel und schnell befahrenen B 451 liegt fast zwei Kilometer außerhalb des Dorfes, einen sicheren Weg dorthin gibt es dort ebenso wenig wie einen Fußgängerüberweg, eine Beleuchtung und einen Unterstand. 

Uengsterode. Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember hakt es weiterhin vielerorts, vor allem bei der Schülerbeförderung. Wir stellen den Fall Uengsterode vor.

In Uengsterode ist der Unmut groß: Denn durch die Änderungen an der Buslinie 210 (Witzenhausen - Großalmerode) haben die 25 Schüler des 350-Einwohner-Ortes Probleme, pünktlich zur Schule zu kommen - es sei denn, sie nutzen die Haltestelle „Abzweig Uengsterode“ an der B 451. Die ist von Uengsterode aus nur zu erreichen, wenn man den unbeleuchteten und im Winter nicht geräumten Radweg Richtung Trubenhausen knapp zwei Kilometer entlang läuft und dann eine zugewachsene Böschung hochklettert oder ein Stück über die Landstraße geht. Das Queren der viel befahrenen B 451 ist gefährlich, denn Ampel oder Zebrastreifen gibt es nicht.

„Diese Haltestelle soll ernsthaft den Uengsteröder Kindern und Jugendlichen angeboten werden?“, fragt Ortsvorsteher Uwe Range empört in einem Brief an den NVV, der der HNA vorliegt. Ein Problem ist die Fahrt zu den Beruflichen Schulen: „Ich muss mich zur ersten Stunde hinfahren lassen“, sagt Berufsschülerin Laura Range. Denn aus Uengsterode fährt kein Bus, der pünktlich zum Schulbeginn in Witzenhausen ist. Nach der Schule halte der Bus nur nach der 6. und 7. Stunde direkt im Ort. Wenn sie nach der 8. oder 9. Stunde heimfahre, müsse sie am Abzweig aussteigen, sagt Laura. „Da lasse ich mich abholen, die Strecke möchte ich allein nicht laufen.“

In Richtung Großalmerode sieht der Fahrplan vor, dass die Schüler zur zweiten Stunde mit dem Bus zur Haltestelle am Abzweig fahren und dort umsteigen. Die Alternative, nach Trubenhausen zu fahren und dort in den Bus in Richtung Großalmerode zu steigen, würde nicht funktionieren, sagt Uwe Range. Die Kinder sollten dazu den Fahrer in Uengsterode bitten, seinen Kollegen anzufunken, damit der in Trubenhausen wartet. Das hätten die Busfahrer aber abgelehnt. Schon öfter hätten sie den Anschluss in Trubenhausen verpasst, sagt Schülerin Isabell Füllgraf. „Beim Umstieg halten die Busse gegenüber an und wir müssen dann über die Straße laufen, obwohl man hinter dem Bus den Verkehr nicht gut sehen kann.“

Kürzlich hätten die Schüler den Anschluss verpasst und bei zwei Grad 45 Minuten in Trubenhausen auf den nächsten Bus warten müssen, sagt Kirsten Scheibe. Die Mutter habe die Kinder dann mit dem Auto abgeholt und zur Schule gebracht. Das könne aber kein Dauerzustand sein, sagen die Eltern, die alle berufstätig sind. Sie fürchten, dass ihr Ort von der Infrastruktur immer weiter abgehängt wird: In Uengsterode halten in der Woche nur noch drei Busse Richtung Witzenhausen, vier Richtung Großalmerode. Immerhin: Man kann das Anruf-Sammel-Taxi bestellen. Am Wochenende fährt indes alle zwei Stunden ein Bus. Die Schüler der Freiherr-vom-Stein-Schule müssten morgens sogar mit dem Auto nach Laudenbach gebracht werden, weil nur von dort ein Bus nach Hessisch Lichtenau fährt.

Das sagt der NVV: „Man kann pünktlich zur Schule kommen“

Die Berufsschüler könnten laut NVV-Sprecherin Herms zur ersten Stunde in Witzenhausen sein, wenn sie den Bus um 6.56 Uhr an der Haltestelle „Abzweig Uengsterode“ nehmen. Man prüfe derzeit, ob man eine andere Verbindung direkt aus Uengsterode (dann mit Umstieg in Großalmerode) anbieten könne. „Die Entscheidung fällt in den nächsten Wochen, so dass ab Anfang/ Mitte März mit einer Veränderung zu rechnen ist“, so Herms.

Der Bus nach Großalmerode zur zweiten Stunde sei durch eine Umsteigebeziehung ersetzt worden, sagt Herms. Kein Kind müsste morgens zur Haltestelle am Abzweig laufen. Die Schüler könnten um 8.35 Uhr nach Trubenhausen fahren und dort umsteigen. Man habe das zuständige Verkehrsunternehmen noch einmal sensibilisiert, den Umstieg zu ermöglichen. „Daher gehen wir davon aus, dass diese Möglichkeit zukünftig funktioniert.“ Gleichzeitig überlege man, ob die Fahrt Richtung Großalmerode vorverlegt werden kann, damit der Bus direkt nach Uengsterode fahren kann. (fst)

Hintergrund

Zum 13. Dezember 2015 wurde das Liniennetz im Werra-Meißner-Kreis komplett überarbeitet, damit es wirtschaftlicher betrieben werden kann. „Hätte man die bisherigen Fahrpläne beibehalten, hätte es rund eine Million Euro an Mehrkosten bedeutet“, so NVV-Sprecherin Sabine Herms. Die gestiegenen Kosten würden durch höhere Kraftstoff-Preise, Tariferhöhungen bei den Gehältern und modernere Fahrzeuge verursacht. (fst)

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