Apotheker: Bis zu zwei Fälle pro Woche

Falsche Impfpässe kursieren im Werra-Meißner-Kreis: Zahl nimmt zu

Ein gelber Impfpass mit den Aufklebern vom Biontech/ Pfizer-Impfstoff. Die Pässe werden von Fläschern auch verkauft. Die Namen des Arztes wurden gepixelt.
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Ein gelber Impfpass mit den Aufklebern des Biontech/Pfizer-Impfstoffs. Die Pässe werden von Fälschern auch verkauft.

Auch im Werra-Meißner-Kreis gibt es immer wieder Vorfälle mit gefälschten Corona-Impfpässen.

Werra-Meißner – Immer mehr gefälschte Impfnachweise tauchen auf – auch im Werra-Meißner-Kreis. Das gibt Alexander Först, Sprecher der Polizei Werra-Meißner, bekannt. Die genaue Zahl werde erst noch geprüft und erst dann in der Polizeilichen Kriminalstatistik veröffentlicht. Aber schon jetzt ist klar: „Die Hessische Polizei ermittelt in mehr als 500 Strafverfahren im Zusammenhang mit gefälschten Impfpässen und Impfausweisen“, sagt er.

Und die Polizei rechnet mit vielen unerkannten Fälschungen, die im Landkreis kursieren: „Die Dunkelziffer kann als hoch eingeschätzt werden“, sagt Först. „Das ist eine Gefahr für die Allgemeinheit.“

Werra-Meißner: Gefälschte Corona-Impfpässe fallen oft in Apotheken auf

Oft fallen gefälschte Impfpässe auch in Apotheken auf, zum Beispiel bei Michael Schäfer in der Rübezahl-Apotheke in Witzenhausen. „Mittlerweile hat die Zahl etwas abgenommen, wahrscheinlich weil viele geboostert sind“, sagt Schäfer. Zurzeit habe der Apotheker etwa einen Fall in drei Wochen. „Es waren allerdings zeitweise mindestens zwei pro Woche.“

Schäfer bemerkt gefälschte Impfausweise in der Regel bei der Ausstellung elektronischer Impfzertifikate. „Ich nehme mir die Betroffenen dann zur Seite und sage ihnen, dass ich ihnen kein Zertifikat ausstellen kann.“ Meist benachrichtige er dann die Ärzte, deren Unterschrift auf den Impfausweisen gefälscht wurde. „Sie informieren das Gesundheitsamt und leiten weitere rechtliche Schritte ein.“ Als Apotheker sei das schwierig, denn er befinde sich in einer rechtlichen Grauzone wegen der Schweigepflicht.

Auch die Polizei überwacht die Auflagen der Corona-Verordnungen und kontrolliert aus diesem Grund Impfnachweise. Wird jemand mit einem gefälschten Exemplar erwischt, kommen für ihn Straftatbestände des Strafgesetzbuches in Betracht, erklärt Först. Das seien vor allem das unbefugte Ausstellen von Gesundheitszeugnissen und der Gebrauch unrichtiger Gesundheitszeugnisse. „In einem Fall in Nordhessen wurden kürzlich zum Beispiel mehr als 800 Impfpässe sichergestellt, die zur Fälschung bestimmt waren.“ (fab)

Verhalten bei gefälschten Impfausweisen

Wer den Verdacht hat, einen gefälschten Impfausweis vorgelegt zu bekommen, sollte Anzeige erstatten, sagt Alexander Först, Sprecher der Polizei Werra-Meißner. Das kann auf jeder Polizeidienststelle und im Internet auf der Onlinewache zu.hna.de/polizei1221 erledigt werden. Das zuständige Fachkommissariat erhält dann den Fall zur Aufklärung. Nach Abschluss der Ermittlungen werden die Sachverhalte an die zuständige Staatsanwaltschaft übergeben. (fab)

Die Polizei entdeckte kürzlich auch eine mutmaßliche Fälscherwerkstatt in Kassel. Neben mehr als 800-Blanko-Impfausweisen wurden auch Impfstoffaufkleber gefunden. Außerdem wurden zwei Arztpraxen in Bad Hersfeld und Niederaula durchsucht. Grund dafür war ebenfalls der Verdacht auf Fälschung von Impfpässen.

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