Nur ein Abhang führt zum Wald

Feldwege im Werra-Meißner-Kreis zunehmend illegal untergepflügt

+
Einer der verschwundenen Feldwege (rot eingezeichnet): In der Gemarkung Hollstein kann der Besitzer eines Waldes diesen nicht bewirtschaften.

Hessisch Lichtenau. Aufgrund einer Anfrage der SPD-Fraktion beschäftigt sich derzeit der Magistrat der Stadt Hessisch Lichtenau mit dem unrechtmäßigen Umbruch städtischer Feldwege zu Ackerflächen.

Der Partei sind zwei konkrete Fälle bekannt, in denen die Eigentümer aufgrund umgepflügter Feldwege nicht mehr an ihr Grundstück kommen. Der erste liegt in der Gemarkung Hopfelde: Dort musste laut SPD-Stadtverordneten Heinrich Lämmert ein Landwirt seine Ackerfläche notgedrungen an einen Kollegen verpachten, nachdem dieser einen Weg eingezogen hatte und der Landwirt nicht mehr zu seinem Feld kam.

Im zweiten Fall, in der Gemarkung Hollstein, kann der Besitzer eines Waldstückes dieses nicht bewirtschaften, da der Weg vom Landwirt, der die Flächen links und rechts davon bestellt, zugunsten eines einzigen großen Feldes umgeackert wurde. „Seitens der Stadt wurde ihm gesagt, er solle den Weg unterhalb des Waldes nutzen; dafür müsste er mit seinen Maschinen einen 45 Grad steilen Abhang hinunter fahren“, sagt Lämmert.

Doch dem pensionierten Förster geht es um viel mehr: „Wurden die Wege ungenehmigt umgepflügt, hat es dafür keinen Ausgleich für die dort lebenden Insekten und Bodenbrüter gegeben.“ Hat der Landwirt für sein dadurch unrechtmäßig vergrößertes Feld Förderung erhalten, steht auch der Vorwurf des Subventionsbetrugs im Raum. Zur Orientierung: Der durchschnittliche Förderungsbetrag lag im Jahr 2016 zwischen 330 und 400 Euro je Hektar. „In dieser Angelegenheit kann es nur eine Lösung geben: Nämlich die Einhaltung und strikte Beachtung der gesetzlichen Vorgaben“, sagt Lämmert.

Entwidmung der Wege erforderlich

Außerdem kritisiert der Sozialdemokrat, dass den Stadtverordneten ihre Rechte genommen wurden, da eine Entwidmung der Wege gemäß Paragraf sechs des Hessischen Straßengesetzes durch sie zwingend erforderlich gewesen wäre. Die öffentliche Widmung beziehe sich nicht nur auf Landwirte, sondern auch auf erholungssuchende Bürger. Das sieht Ulrich Rodewald, Fachbereichsleiter Bauen, Wohnen und Umwelt der Stadt Hessisch Lichtenau, anders: „Diese Rasenwege sind öffentlicher Verkehrsraum, jedoch keine Straße im Sinne des Hessischen Straßengesetzes.“ Lediglich für die 1998 verpachtete Wegefläche in Hirschhagen, für welche die Stadt im Gegenzug einen Stellplatz für ein Buswartehäuschen erhalten hat, müsse geprüft werden, ob eine Entwidmung erforderlich sei.

Daneben hat die Stadt weitere Pachtverträge für 14 Feldwege in Walburg, Hausen und Hopfelde laufen, die zwischen 2003 und 2012 abgeschlossen wurden. Pro verpachtetem Feldweg erhält die Stadt jährlich acht Euro.

Über weitere Wege, die in den Plänen zwar vorhanden, jedoch nicht mehr nutzbar sind, gebe es laut Rodewald keine Erhebung. 

Was das Regierungspräsidium und der Bauernverband zum Thema sagen und wo noch Feldwege illegal umgepflügt wurden, lesen Sie in der gedruckten Dienstagsausgabe der HNA-Witzenhäuser Allgemeinen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.