Ein Fenster im Grenzzaun: Waldorf-Schüler und Frauen aus Kella strickten Kunstwerk zur Grenzenlosigkeit

Blick in den Himmel: Die Seniorinnen Monika Volkmar (links) und Elisabeth Thunert aus Kella gehören zum Strickclub und haben zusammen mit Waldorf-Schülern ein Kunstwerk gestrickt, das am Grenzmuseum Schifflersgrund übergeben wurde. Fotos: Keller

Bad Sooden-Allendorf. Der Metallgitterzaun bei Asbach-Sickenberg, Überbleibsel der früheren Sperranlagen der DDR, hat jetzt ein übergroßes Fenster:

Es gibt den Blick auf blauen Himmel, Weite und Wolken frei. Die Perspektive steht für Grenzenlosigkeit. Das Strickkunstprojekt der Freien Waldorf Schule Werra-Meißner wurde am Tag der deutschen Einheit auf dem Gelände des Grenzmuseums Schifflersgrund feierlich übergeben. Entlang des einstigen Kontrollstreifens weisen bunte Himmelsschirme den Weg zu dem Projekt. Es entstand in unmittelbarer Nähe der Stelle, an der der DDR-Bürger Heinz-Josef Große 1982 bei einem Fluchtversuch erschossen wurde.

Chor sorgt für die Musik

„Ost und West - fest verstrickt“ war das Motto der Arbeit, an dem der Strickclub der Schule mit Einwohnerinnen aus der Eichsfeld-Gemeinde Kella und Schülerinnen und Schüler der in Eschwege beheimateten Einrichtung beteiligt waren. Umrahmt wurde die Feier vom Chor der Schule mit munteren Weisen.

Es sei auch die Absicht gewesen, das Grau des Alltags durch einen Farbtupfer aufzulockern, erläuterte Projektleiterin Ellen Schubert dazu. Ein Stück des Streckmetallzaunes soll für ein Jahr zum Kunstwerk werden. Das Material ist aus einem Polyester-Garn, um die Haltbarkeit gegen die Unbilden der Witterung zu sichern. Die 50 Akteure, die das Projekt bearbeiteten, sind zwischen sieben und 85 Jahre alt. Wegen der Dimension (zwei Meter breit, 2,30 Meter hoch) wurde das Kunstwerk in mehrere Abschnitte aufgeteilt, die die Strickdamen getrennt bearbeiten konnten.

Michael Ruess, Vorstandsmitglied des Arbeitskreises Grenzinformation als Museumsträger, sieht das Strickwerk als Mahnmal an, hinzuschauen und sich an das Unrecht zu erinnern. Ruess bezeichnete den Behang als ein „Graffiti mit Stricknadeln und Wolle“ Es dürfe niemals darüber hinwegtäuschen, dass an dieser Grenze Menschen den Tod fanden, im Bereich der thüringisch-hessischen Sperranlagen gab es mindestens 26 Opfer.

Der 2008 gegründete Strickclub der Waldorfschule hat bereits mehrere spektakuläre Objekte für den öffentlichen Raum geschaffen. Herausragend ist der Kugelpark im Alten Bahnhof in Eschwege. Die Verbindung zur früheren DDR-Grenzgemeinde Kella und der Waldorfschule ergab sich, weil das Dorf nächstgelegen im Eichsfeld ist.

Von Werner Keller

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