Feuerwehrübung lief trotz Engagement nicht optimal

Versorgung eines Verletzten: Auch Helfer des Roten Kreuzes waren bei der Übung dabei. Fotos: Röß

Walburg. Freitag, 18.40 Uhr. Das alte Pfarrhaus in Walburg brennt. Sirenen heulen in den Orten rundherum auf und schrecken die Bürger nach dem bundesweiten Alarm ein zweites Mal auf.

Die Feuerwehren aus Walburg, Hessisch Lichtenau, Hopfelde, Hollstein, Küchen, Retterode und Friedrichsbrück behandeln die Übung wie einen Ernstfall. Sie haben nur noch ein Ziel: Das Pfarrhaus in der Rommeröder Straße.

Die Wehren aus Walburg und Velmeden treffen als erste an der Brandstelle ein, kurz darauf die Einsatzabteilung aus Hessisch Lichtenau, die Drehleiter mit dabei. Weil sich Personen im Gebäude befinden, machen sich die Atemschutzgeräteträger fertig, denn das Haus ist total verqualmt. Das Wasser für einen ersten Löschangriff wird dem Hydranten entnommen und schon geht’s rein ins Gebäude.

Mittlerweile sind auch die übrigen Ortsteilwehren da, die die Wasserentnahme zum 920 Meter entfernten Riedteich sicherstellen sollen. Nur gut, dass es nicht wirklich brannte, denn das Wasser aus dem Riedteich kam nie am Pfarrhaus an. Mehrere hundert Meter Schlauch fehlten, um das Kommando „Wasser marsch“ über die Drehleiter erteilen zu können. Da machte es auch keinen Unterschied, dass die 160 Schlauchmeter der Wehr aus Hausen fehlten, weil nach Aussage der Einsatzkräfte dort keine Alarmierung erfolgt war.

Rettung übers Dach: Anna-Lena Breithaupt, selbst Feuerwehrfrau, mimte eine der vermissten und geretteten Personen.

Auch die Personenrettung lief alles andereals optimal. Angegeben waren zunächst sechs vermisste Personen, von denen die erste 17 Minuten nach der Alarmierung gefunden und zum Verletzten-Sammelplatz zur Betreuung durch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) gebracht wurde. Verwirrung entstand jedoch, als erst im Verlauf der Übung bekannt wurde, dass insgesamt acht Personen vermisst werden. Zwei lebende Personen waren zu den sechs Dummys hinzugekommen - und so dauerte es bis zur letzten Rettung immerhin 70 Minuten.

Selbst die Drehleiter hätte viel früher zum Einsatz kommen können, denn Ali Bevli von der Lichtenauer Jugendfeuerwehr, einer der beiden lebenden Vermissten, hatte bereits im Obergeschoss des Pfarrhauses am geschlossenen Fenster fleißig mit den Armen gewinkt und so versucht, auf sich aufmerksam zu machen, als die ersten Wehren eintrafen. Doch niemand hatte ihn bemerkt.

Nicht anders erging es Kollegin Anna-Lena Breithaupt, die sogar im offenen Dachstuhl des Hauses stand und aus Leibeskräften um Hilfe schrie. 20 Minuten dauerte es, bis die Drehleiter sie ansteuerte und im Korb sicher nach unten brachte.

Insgesamt 90 Einsatzkräfte der Feuerwehren aus dem Stadtgebiet hatten an der Übung teilgenommen, dazu die Helfer des DRK aus Hessisch Lichtenau. Bernd Schröder (Velmeden) und Falk Klingbeil (Walburg) hatten sich das Szenario ausgedacht. Stadtbrandinspektor Erich Hildebrandt, sein Stellvertreter Michael Heußner und Kreisbrandmeister Oliver Bolte wussten dennoch zu schätzen, was die Aktiven bei bis zu 40 Grad Außentemperatur geleistet hatten. (zlr)

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