Beim Werra-Meißner-Kreis wurden 130 gemeldet

Firmen wollen klare Regeln für Reiserückkehrer aus Risikogebieten

Reiserückkehrer als Risiko: Viele Firmen im Landkreis wünschen sich klare, einheitliche Regeln.
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Reiserückkehrer als Risiko: Viele Firmen im Landkreis wünschen sich klare, einheitliche Regeln.

Klare Regeln für Reiserückkehrer, die rechtzeitig kommuniziert werden – das wünschen sich viele Arbeitgeber im Werra-Meißner-Kreis, wie eine stichprobenartige Umfrage unserer Zeitung ergeben hat.

Werra-Meißner - „Es ist für die Unternehmen schon eine Herausforderung, sich auf immer wieder neue, zumeist auch kurzfristig beschlossene Regelungen einzustellen“, heißt es etwa von Lichtenau e.V.. Der diakonische Arbeitgeber für 1200 Menschen hat Verständnis für die schwierige Lage, ist aber als Unternehmen im Gesundheitsbereich ganz besonders darauf angewiesen, dass sich die Mitarbeiter nicht infizieren. „Für die Zukunft wünschen wir uns bei Beschlüssen mehr Kontinuität und Harmonisierung zwischen Bund und Ländern“, so eine Sprecherin. „Die aktuellen Überlegungen, nach der Rückkehr aus einem Risikogebiet in jedem Fall für einige Tage in Quarantäne bleiben zu müssen, könnten zu mehr Sicherheit bei der Erkennung der Infektion beitragen.“

Länderübergreifend einheitliche Regeln wünscht sich auch die VR-Bank Mitte, die 419 Menschen in Hessen, Thüringen und Niedersachsen beschäftigt – und entsprechend drei Regelwerke berücksichtigen muss.

Gesundheitsamt verzeichnet 130 Rückkehrer aus Risikogebieten

Auch für die Kreisverwaltung, wo 613 Menschen arbeiten, sind einheitliche Regeln ein Muss. Vor allem müssten Anpassungen rechtzeitig kommuniziert werden, so Kreissprecherin Silvia Weinert. Anfragen von Firmen, die unsicher im Umgang mit Reiserückkehrern sind und sich beraten lassen wollen, habe es zwar noch nicht gegeben. Gleichwohl haben die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes derzeit viel mit Reiserückkehrern zu tun. „Alle Rückkehrer, die mit Bus, Bahn, Schiff und Flugzeug kommen, werden uns über entsprechende Aussteigekarten gemeldet. Reiserückkehrer mit Autos sind verpflichtet, sich selbst zu melden“, sagt Weinert. Bislang sind 130 Rückkehrer aus Risikogebieten beim Gesundheitsamt registriert worden. Sie müssen 14 Tage in Quarantäne oder einen negativen Corona-Test vorlegen. Die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes wiesen die Betroffenen auf die Regeln hin, sagt Weinert. „In Abstimmung mit dem Ministerium finden stichprobenartige Prüfungen statt. Ab dem Moment, in dem es ein negatives Laborergebnis gibt, ist keine Quarantäne mehr erforderlich.“

So gehen Firmen mit der Urlaubszeit in der Pandemie um

Die meisten Arbeitnehmer im Landkreis scheinen ihren Sommerurlaub abseits der Corona-Risikogebiete verbracht zu haben – das ergab zumindest eine Umfrage bei größeren Firmen. Die Befragten haben zumeist mit ihren Mitarbeitern vorher über die rechtliche Lage zu Urlaubsreisen während der Pandemie gesprochen.

Die Mitarbeiter der Kreisverwaltung etwa sollten sich vorab informieren, ob das Urlaubsziel ein Risikogebiet ist, sagt Kreissprecherin Sylvia Weinert. Diese Empfehlung gab auch das Klinikum Werra-Meißner. „Wir bitten unsere Mitarbeiter, ihr Urlaubsland mit Bedacht zu wählen“, so Sprecher Florian Künemund. Zum Schutz der Angehörigen, Kollegen und Patienten können sich die 1100 Mitarbeiter nach ihrer Rückkehr freiwillig auf eine Corona-Infektion testen lassen – unabhängig vom Reiseziel.

„Wir haben alle vorher aufgeklärt: Wer bewusst in ein Risikogebiet fährt, tut das auf eigenes Risiko“, sagt Torsten Baum, Assistent der Geschäftsführung beim Autohaus Stöber, das 120 Mitarbeiter an drei Standorten in Bad Sooden-Allendorf, Eschwege und Witzenhausen hat. Nach seinem Kenntnisstand sei aber niemand dorthin gefahren. Während im Autohaus im Zweifel Urlaubstage für die Quarantäne hätten genommen werden müssen, geht die VR-Bank Mitte einen anderen Weg: „Wir ermöglichen Reiserückkehrern im Falle von Quarantäne, dort, wo es möglich ist, Homeoffice“, sagt Sprecher Florian Hartleib.

Für die 328 Mitarbeiter der Sparkasse Werra-Meißner sind die Regeln klar: „Reist ein Arbeitnehmer wissentlich in ein Risikogebiet und nimmt in Kauf, nach seiner Rückkehr in Quarantäne zu müssen und somit an seiner Arbeitsleistung gehindert zu sein, erhält er für den Quarantänezeitraum keine Bezahlung“, sagt Sprecher Lutz Römer. Allerdings vertraue man darauf, dass die Mitarbeiter ihren Urlaub verantwortungsvoll planen.

Rechtslage: Urlaub ist Privatsache

Rein rechtlich müssen Arbeitnehmer dem Chef nicht verraten, wo sie Urlaub machen. Arbeitgeber dürfen zum Urlaub auch keine Vorgaben machen – etwa, indem sie verbieten, in ein Risikogebiet zu fahren, sagt Rechtsanwalt Felix Fischer von der Kanzlei Wiehage & Wiehage (Hessisch Lichtenau): „Urlaub ist Privatsache.“ Bei einer Quarantäne erhalten Arbeitnehmer weiter Lohn, Arbeitgeber können sich das vom Bund erstatten lassen. Wer aber bewusst in ein Risikogebiet fahre – und so die Quarantäne selbst verschulde –, könne seinen Anspruch auf Lohnfortzahlung verlieren, warnt Fischer. Noch gebe es aber keine abschließende Rechtssprechung dazu, jeder Einzelfall müsse geprüft werden. (Von Friederike Steensen)

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