Landkreis gibt Heime ab

Fünf Jahre nach Flüchtlingskrise stehen viele Unterkünfte leer

Symbolbild Runder Tisch Werra-Meißner-KreisGeflüchteteDialog mit Ehrenamt
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Im November 2019 wurde ein "Runder Tisch" für Flüchtlingshelfer gegründet.

Die Lage hat sich fünf Jahre nach der Flüchtlingskrise so weit entspannt, dass die Kreisverwaltung angemietete Häuser wieder abgeben kann. 

  • Im Werra-Meißner-Kreis hat sich die Lage in den Flüchtlingsunterkünften entspannt
  • Viele angemietete Häuser werden nun wieder abgegeben
  • Wegen der Corona-Pandemie werden neue Geflüchtete derzeit zentral untergebracht 

Witzenhausen - Fünf Jahre, nachdem Tausende Flüchtlinge auch im Landkreis Schutz suchten, hat sich die Lage so weit entspannt, dass die Kreisverwaltung damals eilig angemietete Häuser wieder abgeben kann. Laut Uwe Kümmel (Stabsstelle Migration) soll so der Kreis-Haushalt entlastet werden, denn das Land zahle Zuschüsse nur pro Geflüchtetem, nicht für leer stehende Unterkünfte.

Werra-Meißner-Kreis: Wegen Corona werden neue Geflüchtete zentral untergebracht

Neue Geflüchtete werden dem Kreis derzeit nicht mehr zugewiesen, so Landrat Stefan Reuß. Wegen der Corona-Pandemie sollten Neuankommende zentral in den Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes bleiben. Forderungen von Sozialverbänden und dem Arbeitskreis Asyl, Geflüchtete in der Pandemie dezentral unterzubringen und dafür leer stehende Gemeinschaftsunterkünften (GU) zu nutzen, lehnt der Kreis ab – wegen Protesten von Anwohnern und weil die bestehenden GU genug freie Plätze hätten.

Von einst 42 GU mit 1404 Plätzen im Kreis sind derzeit noch 16 angemietet. Davon seien aber nur noch neun in Betrieb, sagt Kümmel. Rund 440 Geflüchtete werden dort von der Awo aktuell betreut, rund 150 Plätze sind leer und dienen als Puffer für Notfälle.

Werra-Meißner-Kreis: Anzahl der Unterkünfte verkleinert

Zum Jahresende liefen fast alle Fünf-Jahres-Mietverträge aus. Ziel sei es, im Januar 2021 nur noch sechs GU mit insgesamt 387 Plätzen zu betreiben, sagt Kümmel – in Eschwege (130 Plätze), Witzenhausen (80), Hessisch Lichtenau (60), Sontra (47), Bad Sooden-Allendorf (30) und Neu-Eichenberg (20). Die verbleibenden GU sollen spezifizierter werden, etwa mit eigenen Angeboten für Auszubildende, Arbeitnehmer, Familien und allein reisende Frauen, heißt es im aktuellen Migrationsbericht.

Uwe Kümmel

Gerüchte, Geflüchtete würden nur herumlungern und nichts tun, weist Kümmel zurück: „75 Prozent haben eine feste Tagesstruktur“ – etwa durch eine Ausbildung, Jobs, Sprachkurse, den Schulbesuch oder die Kindererziehung. 2019 seien 126 Menschen in sozialversicherungspflichtige Jobs vermittelt worden, Ende Dezember 2019 waren 220 Asylbewerber in Arbeit oder Ausbildung. Seit 2016 haben 171 Geflüchtete eine Lehre begonnen, laut dem Bericht brachen nur 24 Teilnehmer ihre Ausbildung wieder ab.

Von Frederike Steensen

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