Werra-Meißner-Kreis

Förster und Reiterin sichten Jungwolf bei Stolzhausen

Ein Feld und eine Straße
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Schreck am Morgen: Auf dem Feld links der Straße nach Gehau wurde am Freitagmorgen bei Stolzhausen zweimal ein wolfsähnliches Tier gesichtet.

Erstmals wurde am Freitagmorgen beim Waldkappeler Stadtteil Stolzhausen im Stölzinger Gebirge ein junger Wolf gesichtet.

Stolzhausen – „Das war ganz eindeutig ein Jungwolf“, bestätigt der dortige Revierförster Hubert Aha, der das Tier um 7.25 Uhr im Wald beobachtet. Aha befand sich zu dieser Zeit auf einem Ansitz oberhalb von Stolzhausen in einem Buchenbestand, als der Wolf aus einer Schneise trat und sie querte. „Es war ein graufarbiger Wolf“, beschreibt er das Tier.

Eine gute halbe Stunde kommt es zur nächsten Sichtung. Die 32-jährige Judith Rauschenberg reitet an einem Feld in Richtung Gehau entlang, als der Wolf etwa 30 Meter entfernt ihren Weg kreuzt. „Mein Pferd drehte den Kopf und blieb plötzlich stehen“, berichtet sie. Sie folgt dem Blick des Pferdes und sieht den Wolf.

„Das war schon sehr nah“, sagt sie. Der Wolf sei die Wiese runtergetrabt, sei nicht panisch gewesen, sondern eher neugierig. „Der fand mich interessant“, sagt sie. Nach ihrer ersten Schockstarre fängt Judith Rauschenberg an, den Wolf anzuschreien, der daraufhin zielstrebig im Wald verschwindet, aber alles andere „als hochflüchtig“, sagt die Reiterin.

„Meiner Einschätzung nach hat es definitiv um ein junges Tier gehandelt, der war ziemlich schlaksig nicht stark bemuskelt, hatte noch ein bisschen flauschiges Fell und war wohlgenährt.“

Ihre Wahrnehmung deckt sich mit der Beobachtung des Försters Hubert Aha, den sie kurz nach dem Vorfall eher zufällig trifft und mit dem sie sich über ihre Begegnung austauscht. Allerdings war es weder Aha noch Judith Rauschenberg gelungen, das Tier zu fotografieren.

Junger Wolf aus dem Wildpark Knüll.

„Das ist schon eine absolutes Novum, dass es in der Region offenbar Wolfsnachwuchs gibt“, sagt der erfahrene Förster und Jäger. Aha meldet seine Sichtung und die der Reiterin an den Wolfsrissgutachter Gerhard Becker.

„Wenn das stimmt und es sich tatsächlich um einen Jungwolf handelt, wirft das ein ganz neues Licht auf die Wolfssituation im Stölzinger Gebirge“, sagt Becker. Bisher sei zumindest genetisch in der Gegend kein anderer Wolf als die berüchtigte Stölzinger Wölfin nachgewiesen worden.

„Aber ich erfahre ja auch nur von Rissen in der Flur. Was tatsächlich im Wald an Rissen gefunden wird, darüber gibt einem keiner Auskunft.“

Leider, so Becker, könne die Sichtung vom Freitagmorgen nun nicht bestätigt werden, da es kein Foto des Tieres gibt. „Nur die Aussagen von zwei Menschen, die ich allerdings in ihrer Einschätzung als ernst zu nehmend einstufe“, sagt der Gutachter.

Dennoch soll in Absprache mit dem Regierungspräsidium ein offizieller Bericht erstellt werden, das Nehmen von Pfotenabdrücken ist wegen der trockenen Witterung praktisch unmöglich. „Wir sind jetzt auf weitere Sichtungen angewiesen.“ (Stefanie Salzmann)

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