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Forderung nach kürzeren Öffnungszeiten für Geschäfte trifft auf geteiltes Echo

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Von: Tobias Stück

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Supermarkt mit einkaufender Person und Wagen
Forderung nach kürzeren Öffnungszeiten für Geschäfte trifft auf geteiltes Echo © Oliver Berg

Händlerverbänden sehen Vorstoß der SPD-Fraktion kritisch.

Werra-Meißner – Mit geteiltem Echo haben heimische Händlerverbände auf die Idee der SPD-Landtagsfraktion reagiert, die Ladenöffnungszeiten zu verkürzen. Die SPD macht die von Handelsketten in der Vergangenheit vorangetriebenen langen Öffnungszeiten für die Geschäftsaufgabe vieler Händler und die Verödung der Innenstädte verantwortlich. „Viele kleine und mittelständische Händler konnten die hohen Personalkosten nicht tragen und mussten in der Folge schließen“, so der Landtagsabgeordnete Knut John (Eschwege-Witzenhausen).

Für die SPD zeichnet sich eine Trendwende ab, denn auch Großunternehmen plädieren nun für kürzere Ladenöffnungszeiten. In Kassel habe Aldi bereits kürzere Öffnungszeiten umgesetzt und auch viele weitere Händler der Stadt seien bereits für geringere Öffnungszeiten. „Die lange Ladenöffnung hat allen voran Tarifflucht gebracht, weil die Spätzuschläge so umgangen wurden“, sagt Knut John, der seit vielen Jahren für eine hessische Supermarktkette arbeitet.

Händler sollen selbst entscheiden

Für Hartmut Schepp, Vorsitzender der Initiative Stadtmarketing Eschwege, kämen verkürzte Öffnungszeiten nur durch die Änderung des Ladenschlussgesetzes infrage. „Wir sollten unseren Händlern aber die Möglichkeit lassen, selbst verantwortlich zu entscheiden“, verweist Schepp auf die unternehmerische Freiheit. Für ihn sind einheitliche Öffnungszeiten in einer Stadt das schlagkräftigere Argument. Genauso sieht es Johannes Siebold vom Stadtmarketing in Witzenhausen. „Eine Einheitlichkeit ist wichtiger als eine reine Kürzung.“ Einen gewissen Charme an kürzeren Öffnungszeiten erkennt Axel Fahnert von der Aktionsgemeinschaft Sontraer Handel. In seinem Juweliergeschäft hat er beispielsweise von sechs auf fünf Öffnungstage umgestellt. Durch reduzierte Ladenöffnungszeiten könne man Energie einsparen und Personalengpässe kompensieren. Um mehr Mitarbeiter zu generieren, müsse man zur tariflichen Bezahlung zurückkehren, sagt John.

Angst vor negativer Kundenresonanz

Siebold und Schepp befürchtet eine negative Resonanz der Kunden. Für das Mittelzentrum Eschwege erwartet Schepp Nachteile. „Es kann nicht sein, dass Kunden Urlaub nehmen müssen, wenn sie von weiter weg anreisen, um in der Kreisstadt einzukaufen.“ Ihn treibt die Sorge um, die Kunden in die Arme der Versandhändler zu treiben. John verweist auf Bayern und das Saarland, die die verlängerten Öffnungszeiten nicht eingeführt hatten. „Die Händler dort stehen deutlich besser da.“ (Tobias Stück)

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