Förderkreis Kirchenruine

Forschungen zu Grabsteinen in Abterode

Richten alte Grabsteine wieder auf: Steinmetz Holger Horne (vorne von links), Otto Steinmetz (Förderkreis) sowie Walter Junghans (hinten links) und Rainer Gruber vom Förderkreis Kirchenruine Abterode.
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Richten alte Grabsteine wieder auf: Steinmetz Holger Horne (vorne von links), Otto Steinmetz (Förderkreis) sowie Walter Junghans (hinten links) und Rainer Gruber vom Förderkreis Kirchenruine Abterode.

Der alte Friedhof in Abterode erinnert an Menschen aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten. Zu den Grabsteinen forscht der Förderkreis Kirchenruine.

Abterode – Ob Beamte, Apotheker, Landwirte oder Handwerker – von den insgesamt 44 Grabmonumenten haben Mitglieder des Förderkreises Kirchenruine 32 Namen der dort beerdigten Menschen ermitteln können.

So starb beispielsweise 1752 Anna Catharina Wolff mit nur 39 Jahren. Ihr Grabdenkmal entdeckte der Förderkreis 2019 unter einer Grasnarbe und richtete es unter Leitung von Walter Junghans nun kürzlich auf dem alten Friedhof wieder auf.

Otto Steinmetz recherchierte die Geschichte der Frau (wir berichteten). Die wahrscheinlich letzte Person, die auf diesem Friedhof begraben wurde, ist Wilhelmine Schirmer. Im Februar 1873 verstarb sie mit 72 Jahren – zu dieser Zeit war bereits der neue Friedhof in Abterode von der Kasseler Kirchenleitung genehmigt worden, der alte Friedhof musste schließen.

„Vermutlich war die Beerdigung dieser Frau eine Art Sondergenehmigung. Hier kam man dem Wunsch nach, Wilhelmine Schirmer neben ihrem Bruder – Apotheker Johann Georg Schirmer – zu begraben“, sagt Otto Steinmetz.

Doch wie fand Steinmetz mehr über Anna Catharina Wolff, Wilhelmine Schirmer und andere verstorbene Menschen heraus? Wenn der Grabstein gut erhalten ist und damit der Name erkenntlich ist, liefert das Kirchenbuch viele Informationen. „Wilhelm Böken aus Abterode hat alle Infos aus dem Kirchenbuch in einer Datei gesammelt. Dort schaue ich immer nach“, sagt Steinmetz.

Dort erfährt er mehr über das Geburtsdatum und ob die Person verheiratet war und Kinder hatte. Eine Steuerakte, die Böken ebenfalls übertragen hat, gibt Auskunft über die wirtschaftlichen Verhältnisse einer Familie – zum Beispiel, welchen Beruf der verstorbene Mensch ausübte oder auch wie viele Tiere eine Familie besaß.

Und so kann das Leben einer in Abterode beerdigten Person zumindest teilweise nachvollzogen werden. Andere Grabsteine geben aber auch so manches Rätsel auf – die Recherche ist für Steinmetz damit deutlich aufwendiger.

„Für die Grabsteine haben die Menschen damals viel Geld ausgegeben“, sagt Steinmetz. Denn aufwendig gestaltet sind fast alle Steine auf dem Friedhof – so sind zum Beispiel Grabdenkmäler aus der Barockzeit typischerweise mit Ornamenten versehen.

„Natürlich war es für die Trauernden mit Sozialprestige verbunden, wenn man es sich leisten konnte, seiner Verstorbenen auf solch würdige Weise zu gedenken“, meint Steinmetz. Aber die aufwendige Gestaltung der Steine sei eben auch ein Teil der Trauerarbeit gewesen.

Doch nicht für jeden verstorbenen Abteröder wurde ein Ort der Erinnerung geschaffen. Laut Kirchenbuch wurden zwar einige „Dorfarme“ bis zu ihrem Tod von Nachbarn gepflegt. Viele andere arme Menschen blieben aber allein und wurden nach ihrem Tod in Stroh gewickelt der Erde übergeben, erklärt Steinmetz.

Viele der Grabmonumente – oder ihre Reste – befinden sich noch an ihrem ursprünglichen Aufstellungsort. Andere wurden in den 1970er-Jahren bei Renovierungsarbeiten in der Kirchenruine und deren Umfeld an anderen Plätzen aufgestellt.

„Vier Grabsteine wurden damals sogar vom alten Friedhof verbracht und fanden ihren Platz im Westvorraum der heutigen evangelischen Pfarrkirche“, sagt Otto Steinmetz. (Von Julia Stüber)

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