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Frauen durch Pandemie in alte Rollenbilder zurückgedrängt

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Von: Hannah Köllen

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Gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Stefanie Müller (rechts) aus Eschwege kann ihren acht Monate alten Sohn Bastian mit zur Arbeit nehmen. Sie ist nach der Geburt wieder ins Berufsleben zurückgekehrt.
Gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Stefanie Müller (rechts) aus Eschwege kann ihren acht Monate alten Sohn Bastian mit zur Arbeit nehmen. Sie ist nach der Geburt wieder ins Berufsleben zurückgekehrt. © Martin Müller

Die Kinder im Home-Schooling betreuen, arbeiten im Home-Office, kochen, Wäsche machen – und am besten alles gleichzeitig: So haben sich wohl viele Eltern in den vergangenen beiden Pandemiejahren gefühlt. Vor allem Mütter haben in dieser Zeit Beachtliches geleistet.

Werra-Meißner – „In der Corona-Zeit lastet, laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung, die Haus- und Familienarbeit zum überwiegenden Teil auf den Schultern der Frauen“, sagt Thekla Rotermund-Capar, Gleichstellungsbeauftragte des Werra-Meißner-Kreises. So hätten 69 Prozent der Frauen angegeben, dass grundsätzlich sie die Hausarbeit erledigen, von den Männern gaben dies lediglich elf Prozent an. „Demnach finden sich Männer und Frauen häufig in traditionellen Rollen wieder“, sagt Rotermund-Capar.

Sie beklagt, dass in Deutschland noch immer das konservative Ernährermodell gelte, in dem der Vater in Vollzeit arbeitet und die Mutter neben ihrer Teilzeittätigkeit für die Familienarbeit zuständig ist. „Mütter, die ihre Kinder früh in die Kita geben, um schnell wieder berufstätig sein zu können, werden in Deutschland als Rabenmütter bezeichnet. Das Wort Rabenvater existiert im deutschen Wortschatz nicht.“ Die heutige Arbeitswelt sei nicht mütterfreundlich. „Frauen leisten täglich 52,4 Prozent mehr Zeit für unbezahlte Sorgearbeit als Männer. Ohne diese können Kinder, die Arbeitskräfte von morgen, nicht heranwachsen. Ohne Mütter also keine Zukunft.“

Allem gerecht zu werden ist die Herausforderung der neuen Mutterrolle

Die Rolle der Frau sei zunehmend individueller und selbstständiger geworden, findet Constanze Ritzau-Schäffer, die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Eschwege. „Der ganze Tag muss durchstrukturierter sein. Die Frau möchte, dass ihre Kinder zufrieden sind, aber sie möchte beziehungsweise muss auch einen Beruf ausüben.“ Allem gerecht zu werden sei die Herausforderung der neuen Mutterrolle.

„Viele Frauen sind ausgelaugt, fühlen sich erschöpft und kraftlos“, sagt Heidi Bevern-Kümmel, Fachbereichsleiterin für Jugend, Familie, Senioren und Soziales im Werra-Meißner-Kreis. Aber: „Andere haben während der Zeit viel Selbstvertrauen entwickelt und eigene Kräfte mobilisiert.“ Bevern-Kümmel fordert neben Anerkennung und Wertschätzung eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, bessere Betreuungsmöglichkeiten für Kinder, flexiblere Arbeitszeiten, mehr Auszeiten sowie Kuren.

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