1. Startseite
  2. Lokales
  3. Witzenhausen

Frau aus Landkreis verurteilt: Freiheitsstrafe wegen Lügen vor Gericht

Erstellt:

Von: Stefanie Salzmann

Kommentare

Frau vor dem Amtsgericht Eschwege verurteilt: Sie hatte ihren Ex-Mann der mehrfachen Vergewaltigung bezichtigt. Das Gericht ist überzeugt, dass sie gelogen hat.
Frau vor dem Amtsgericht Eschwege verurteilt: Sie hatte ihren Ex-Mann der mehrfachen Vergewaltigung bezichtigt. Das Gericht ist überzeugt, dass sie gelogen hat. © privat/nh

Eine Frau aus dem Landkreis ist jetzt vom Amtsgericht Eschwege zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden, weil sie nach Überzeugung der Richter, ihren Ex-Mann zu Unrecht der dreifachen Vergewaltigung bezichtigt hatte. Der Mann war 2021 in einem Prozess freigesprochen worden.

Eschwege – Mit der Verurteilung einer 43-jährigen Frau aus dem Werra-Meißner-Kreis zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe fand möglicherweise eine seit fast acht Jahren währende Trennungstragödie eines Ehepaares ihren Abschluss. Angeklagt war die Frau und Mutter zweier Kinder der uneidlichen Falschaussage und Verleumdung gegen ihren Ex-Mann, den sie beschuldigt hatte, sie 2016 und 2017 insgesamt dreimal in dem gemeinsamen Haus vergewaltigt zu haben.

Richterin Hennmuth fand nach mehrstündiger Beweisaufnahme am Donnerstag vor dem Amtsgericht die Anklage bestätigt. Sie setzte die Strafe zur Bewährung aus, die Frau muss die Kosten des Verfahrens tragen sowie 1000 Euro an die Opfervereinigung „Weißer Ring“ zahlen, der sich, wie die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer sagte, um „wirkliche Opfer von Vergewaltigungen“ kümmert.

Was war passiert? Das Paar, dessen gemeinsame Tochter 2015 geboren worden war, hatte Probleme. Beide waren 23 Jahre lang zusammen, davon sechs Jahre verheiratet. Nach der Geburt des Kindes habe sich, so schildert es der Ehemann, die Beziehung verschlechtert. War zunächst nur von einer räumlichen Trennung die Rede, zog der Mann dann im Frühjahr 2017 aus. Die Frau hatte inzwischen einen neuen Partner, ein vorher begonnenes Liebesverhältnis mit ihm hatte sie immer bestritten. Beide Ehepartner hatten sich unabhängig psychologische Hilfe zur Krisenintervention gesucht.

Umgang mit Kind wurde zum Spielball im Trennungsstreit

Wie der Ex-Mann, der gestern als Zeuge aussagte, schilderte, habe vor allem der Umgang mit dem gemeinsamen Kind vonseiten seiner Frau zunehmend als „Spielball“ während der Trennung fungiert. Er wurde in den vergangenen Jahren aufgrund anonymer Anzeigen mehrfach vom Jugendamt vorgeladen wegen angeblicher Kindeswohlgefährdung, der Verdacht zerschlug sich aber.

Etwa zeitgleich, als dann vor dem Familiengericht um das Umgangsrecht für das Kind gestritten wurde, erstattete die Ehefrau Anzeige gegen ihren Mann wegen mehrfacher Vergewaltigung. Im August 2021 fand vor dem Amtsgericht Eschwege der Prozess gegen den Ex-Mann statt. Dieser mündete in einem Freispruch. Laut der damals Vorsitzenden Richterin Schmidt, die gestern als Zeugin aussagte, habe ihr Urteil vor allem auf dem Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“ beruht. Sie begründete ihre Entscheidung aber mit erheblichen Zweifeln an der Glaubwürdigkeit der Aussage der Ehefrau.

Staatsanwälte, Richter und Verteidiger als Zeugen vor Gericht

Noch detaillierter schilderte diese Zweifel die damals zuständige Staatsanwältin, die gestern ebenfalls als Zeugin aussagte und letztendlich auch das Verfahren wegen Falschaussage gegen die Frau eingeleitet hatte. Sie berichtete, dass es in den damaligen Aussagen der Ehefrau vor Gericht zu der Geschichte der Beziehung und der angeblichen Vergewaltigungen erhebliche „Brüche“ in der emotionalen Darstellung gegeben habe. Ein vom Gericht hinzugezogener Glaubwürdigkeitsgutachter bestätigte dies im Wesentlichen. Die Schilderungen des Tatherganges basierten nicht auf tatsächlichen Erlebnissen. So wurden beispielsweise im Laufe der Aussage die bei der Vergewaltigung erlittenen Verletzungen immer schwerwiegender. (Stefanie Salzmann)

Auch interessant

Kommentare