Kontaminierte Kleidung

Freiwillige Feuerwehr Sontra zieht sich künftig direkt am Einsatzort wieder um

Bei den Löscharbeiten kommen die Einsatzkräfte regelmäßig mit gefährlichen Stoffen in Kontakt. Diese können auch an der Kleidung haften bleiben.
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Bei den Löscharbeiten kommen die Einsatzkräfte regelmäßig mit gefährlichen Stoffen in Kontakt. Diese können auch an der Kleidung haften bleiben.

Ab Januar sollen sich die Feuerwehrkameraden, die unmittelbar am Löscheinsatz beteiligt sind, direkt an Ort und Stelle umziehen. Der Grund dafür sind die bei den Bränden freigesetzten Gefahrenstoffe.

Sontra – Die können am Körper und Kleidung der Feuerwehrleute haften bleiben und langfristig Gesundheitsschäden nach sich ziehen. „Bereits seit über zehn Jahren lassen wir die Schutzkleidung nach jedem Brandeinsatz bei einem Dienstleister reinigen“, sagt Sontras Stadtbrandinspektor André Bernhardt. Künftig werden die Kräfte, die direkt am Feuer gearbeitet haben, aber nach dem Einsatz nicht mehr mit ihrer verunreinigten Kleidung in den Feuerwehrfahrzeugen zurück in ihre Wachen fahren, sondern sich bereits vor Ort grob waschen und mit von der Feuerwehr Sontra vorgehaltener Kleidung umziehen.

Der Stadtbrandinspektor sei verantwortlich für den Schutz der ehrenamtlichen Männer und Frauen und dafür, dass diese „so gesund wie nur möglich“ wieder von ihren Einsätzen zurückkehrten. „Ich selbst komme noch aus einer Zeit, in der wurde die Einsatzkleidung vielleicht ein bis zweimal im Jahr professionell gereinigt und ansonsten in den Wachen geputzt und zum Lüften aufgehangen“, sagt Bernhardt. In den 1980er-Jahren habe das niemanden interessiert. „Die Menschheit wird aber immer aufgeklärter und der Schutz ist einfach zeitgemäß“, so Bernhardt.

André Bernhardt, Stadtbrandinspektor Sontra

Dass die Gefahrenstoffe bei Feuern existieren, das ist nicht von der Hand zu weisen. Laut der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) kann es je nach Bauart des betroffenen Objektes beziehungsweise eingesetztem Baustoff neben Brandgasen zusätzlich zur Freisetzung von Asbest oder Fasern aus Dämmwolle sowie Carbonfasern aus dem Leichtbau von Autos kommen. Die DGUV spricht unter anderem von giftigen Stoffen wie Kohlenmonoxid, Blausäure und Krebserregern wie Benzol.

Im Fall der Freiwilligen Feuerwehr Sontra wird die Einsatzleitung im kommenden Jahr je nach Rußpartikelbildung am Brandort entscheiden, ob der Einsatz des Gerätewagen-Logistik notwendig wird. Darin können sich die Löschtrupps im Anschluss an den Einsatz vor Wind und Wetter geschützt umziehen und werden nach der ersten Körperreinigung vom Mannschaftstransportfahrzeug zurück in die Wachen gebracht. Ihm sei bewusst, dass das einen höheren Aufwand bedeute, aber dieser lohne sich, so Bernhardt.

Bei den Löscharbeiten kommen die Einsatzkräfte regelmäßig mit gefährlichen Stoffen in Kontakt. Diese können auch an der Kleidung haften bleiben.

Hinsichtlich der Zukunft halte er es für möglich, dass beispielsweise die Unfallkasse Hessen eine Verordnung für die Hygiene an der Einsatzstelle erlasse. Dafür wolle man bei der Feuerwehr Sontra gerüstet sein und noch in der ersten Jahreshälfte 2021 einen kleinen Hygienecontainer anschaffen, in der die verunreinigte Kleidung verstaut werden und Waschutensilien transportiert werden könnten. (Maurice Morth)

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