Das sagten die Kandidaten

Landratswahl im Werra-Meißner-Kreis: Freudentränen und Enttäuschung

Warten aufs Ergebnis: Im Rittersaal des Landgrafenschlosses in Eschwege fanden sich im Laufe des Abends immer mehr Zuschauer ein, um das Endergebnis live zu erfahren.
+
Warten aufs Ergebnis: Im Rittersaal des Landgrafenschlosses in Eschwege fanden sich im Laufe des Abends immer mehr Zuschauer ein, um das Endergebnis live zu erfahren.

Freude und Enttäuschung lag am Sonntagabend bei der Präsentation der Wahlergebnisse nach der Landratswahl im Werra-Meißner-Kreis eng zusammen.

Werra-Meißner – Im Rittersaal des Landgrafenschlosses in Eschwege trafen sich am Sonntagabend nach Schließung der Wahllokale insbesondere kommunalpolitisch engagierte Bürger. Sie schauten sich auf einer Großleinwand an, wie die Ergebnisse aus den insgesamt 204 Wahlbezirken eintrudelten. Um 19.28 Uhr stand es fest.

Die Überraschungszweite Nicole Rathgeber traf gegen 19 Uhr ein – mit Tränen der Freude in den Augen. Mit Feststehen des Endergebnisses erschien Mitbewerber Frank Hix (CDU), gratulierte ihr gleich und drückte sie.

Gegenüber unserer Zeitung äußerte sich Hix enttäuscht über sein Ergebnis. Zehn Prozentpunkte weniger als die Zweitplatzierte, damit habe er so nicht gerechnet: „Ich habe mehr erwartet“, sagte Hix, auch weil die Persönlichkeit bei einer solchen Wahl mehr im Vordergrund stehe. Daher könne er sich sein Abschneiden „nur so erklären“, dass der Einfluss des Bundestrends und die Querelen seiner Partei auf Bundesebene ihm „einen Strich durch die Rechnung gemacht“ hätten. „Wir haben einen intensiven, guten Wahlkampf geführt“, sagte der Bürgermeister von Bad Sooden-Allendorf und dankte seinen Unterstützern.

So hätte er das Ergebnis für sich nicht erwartet, kommentierte Daniel Herz, der als unabhängiger Einzelbewerber angetreten war. „Etwas über zehn Prozent“ habe er sich schon vorgestellt. Was wenige Tage zuvor aber von den Witzenhäuser Parlamentsfraktionen „losgetreten wurde“, habe schon einen negativen Effekt gehabt, ist der parteilose Bürgermeister von Witzenhausen sicher. Darauf habe er nicht mehr reagieren können.

Enttäuscht sei er über sein Ergebnis aber nicht, weil er mit seinem Wahlkampf „äußerst zufrieden“ sei. Er habe getan, was man als Einzelbewerber machen konnte. In dieser Hinsicht hätten die Kandidaten mit Parteien im Hintergrund Vorteile, sie säßen „am längeren Hebel“. Er sei dankbar für jede Stimme für ihn, ebenso allen Mitbewerbern für einen fairen Wahlkampf untereinander. „Herzlichen Glückwunsch, tolles Ergebnis“, hatte Herz Rathgeber gratuliert.

„Erschöpft“ werde er heute Abend ins Bett gehen, deutete Friedel Lenze (SPD) an, in den folgenden zwei Wochen bis zur Stichwahl will er aber noch mal alles geben. Jetzt gelte es die Unterschiede zu seiner Gegenkandidatin herauszuarbeiten. An den Wahlständen habe sie die Rückmeldung bekommen, dass die Menschen sich eine junge, dynamische Person an der Spitze der Kreisverwaltung wünschten, sagt Rathgeber. Jetzt werde das Wahlergebnis in den einzelnen Bezirken analysiert, um zu sehen, wo sie Nachholbedarf hat. Sie habe sich mental auf das Amt als Landrätin eingestimmt: „Ich bin bereit.“

Landrat Stefan Reuß (SPD), um dessen Nachfolge es schließlich geht, war auch erschienen. Dass es eine Stichwahl gebe, komme angesichts vier Kandidaten nicht überraschend, meinte er. „Unser Wahlziel“, das stärkste Ergebnis für SPD-Bewerber Friedel Lenze, sei erst einmal erreicht. Jetzt gelte es für die beiden verbliebenen Kandidaten, „noch mal 14 Tage zu kämpfen“. Welche Erwartungen hat Reuß für den 7. November? Klar sei, es gebe keinen Amtsbonus. Man müsse auch abwarten, wie sich die beiden unterlegenen Bewerber positionieren.

Die Wahlbeteiligung von gut 43 Prozent befand er als „nicht ganz zufriedenstellend“. Reuß sieht die Gefahr, dass sie bei der Stichwahl noch weiter sinkt. „Das wäre schade“, so der zum Jahresende nach gut 15 Amtsjahren scheidende Landrat. Man könne nur appellieren, dass alle Bürger in zwei Wochen zur Wahl gehen – im Interesse einer breiten Legitimierung der neuen Kreisspitze.

In unserer Dienstagsausgabe lesen Sie Stellungnahmen der im Kreistag vertretenen Parteien und eine Übersicht über die Ergebnisse aus Städten und Gemeinden.

» KOMMENTAR

Von Stefan Forbert Und Tobias Stück

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.