Friedensforum: Mit 1,5 Prozent der Mittel weltweit Hunger beseitigen

Friedensforum kritisiert Rüstungsausgaben als „Unding“

Kritisiert Deutschlands Ausgaben für Rüstung: der Initiator des Friedensforums Werra-Meißner, Wolfgang Lieberknecht, auf einer Veranstaltung am vorigen Freitag in Wanfried.
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Kritisiert Deutschlands Ausgaben für Rüstung: der Initiator des Friedensforums Werra-Meißner, Wolfgang Lieberknecht, auf einer Veranstaltung am vorigen Freitag in Wanfried.

Das Friedensforum Werra-Meißner und die Friedens-Fabrik Wanfried appellierten an die Bundesregierung, gegen die Steigerung der Rüstungsausgaben zu stimmen. In der kommenden Woche soll der Bundeshaushalt für 2021 verabschiedet werden.

Geplant ist, dass der Verteidigungshaushalt um 2,6 Prozent steigen soll – für die Friedensbewegung „ein Unding und nicht zu akzeptieren“. Mit einer bundesweiten Aktion, unter anderem auch in Eschwege, Hessisch Lichtenau und Bad Sooden-Allendorf, versuchte die Bewegung, ihr Verständnis von Frieden und Sicherheit zu untermauern.

Bund will 50 Milliarden für Rüstung ausgeben

„Uns drohen im kommenden Jahr Ausgaben von 50 Milliarden Euro für Rüstung“, sagte Wolfgang Lieberknecht im Rahmen der Kundgebung an der Wanfrieder Bahnhofsstraße. Der mittlerweile 68-jährige Initiator der Friedens-Fabrik Wanfried betonte, dass die Akzeptanz in der Bevölkerung für die Aufrüstung nicht gegeben sei. Im Gegenteil: „Seit den Weltkriegen ist die deutsche Bevölkerung gegenüber Forderungen nach Aufrüstung und Armeen sehr skeptisch“, sagte Lieberknecht und kritisierte, dass Deutschland zu den Staaten mit den höchsten Rüstungsausgaben gehört und im weltweiten Rüstungs-Ranking auf Platz sieben rangiert.

„Viele Länder mit viel größerer Bevölkerung geben viel Geld für die Rüstung aus“, ergänzte Antonia Krämer mit einem Kopfschütteln. Für die 21-jährige Wanfriederin sei die Aufrüstungspolitik sinnlos: „Ich bin Erzieherin und würde das Geld viel eher für Bildung, Gesundheit und Kindergärten ausgeben.“

Weltweiter Hunger könnte auf einen Schlag beseitigt werden

Über 800 Millionen Menschen hätten nicht genug zu essen, zwei Milliarden Menschen seien mangelernährt, heißt es aus der Bewegung. Mit den Mitteln aus den weltweiten Verteidigungsetats könnten die globale Armut und Hungersnöte auf einen Schlag beseitigt werden.

„Mit 60 Prozent der weltweiten Rüstungsausgaben könnten die Grundbedürfnisse aller Menschen gedeckt werden“, sagte Antonia Krämer und stellte eine weitere Statistik vor: „Es wurde errechnet, dass 1,5 Prozent der jährlichen Rüstungsausgaben nötig wären, um weltweit den Hunger zu beseitigen.“ Vor allem stehe auch die Bundesregierung aufgrund der im Juni 1945 unterzeichneten Charta der Vereinten Nationen in der Pflicht, ihren Beitrag zu einer Welt ohne Armut zu leisten.

Ebenfalls ein Dorn im Auge ist Lieberknecht, Krämer und weiteren Akteuren die mit der Aufrüstung eingehenden Klimazerstörung: „Armeen und das Kriegeführen verbrennen Hunderte Millionen Tonnen Treibstoff. Schauen wir uns die extremen Auswirkungen des Klimawandels und des Artensterbens an, sind wir in der Pflicht gegenüber unseren Kindern und den nachfolgenden Generationen.“

Friedenbewegung muss wieder an Fahrt aufnehmen

Für Andreas Heine vom Friedensforum Werra-Meißner sei es an der Zeit, dass die Friedensbewegung – wie in den 1970er- und 1980er-Jahren – wieder Fahrt aufnimmt.

Von Marvin Heinz

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