Mehrere Lkw-Ladungen Haare geschnitten

Der Frisörsalon von Brigitte und Gitta Hose in Langenhain wird am Dienstag 50 Jahre alt

HR4 läuft immer: (von links) Brigitte und Gitta Hose in ihrem Frisörsalon in Langenhain. Hier gibt es nicht nur Schlager, sondern auch immer ein Pläuschchen.
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HR4 läuft immer: (von links) Brigitte und Gitta Hose in ihrem Frisörsalon in Langenhain. Hier gibt es nicht nur Schlager, sondern auch immer ein Pläuschchen.

Der Frisörsalon von Brigitte und Gitta Hose in Langenhain wird 50 Jahre. Gehört wird hier HR4 und familiär geht es zu.

Langenhain – Läuft der Laden, läuft HR4. Im Frisörsalon von Brigitte und Gitta Hose gibt es nur einen Sender – der, der Kundschaft und die beiden Frauen ganztägig mit Schlagern aus allen Jahrzehnten beschallt. „Die jungen Leute nennen das unseren Piratensender“, sagt Gitta Hose und lacht übermütig.

Sowohl der Radiosender als auch der Salon sollen bleiben. „Wir machen zusammen noch ein bisschen weiter“, sagt Brigitte Hose, die das Geschäft vor 50 Jahren im Alter von Ende zwanzig in Langenhain gründete. Am kommenden Dienstag, 4. Mai, ist das Jubiläum.

1971 mit zwei Stühlen begonnen

Angefangen hat die junge Frisörmeisterin 1971 mit nur zwei Stühlen in ihrem Geschäft in der ehemaligen Scheune am Haus. „Doch dann kam die Kundschaft aus der ganzen Umgebung und wir mussten vergrößern“, sagt sie. Manchmal gab es so viel Arbeit, dass ihr Mann, der eigentlich am Bau arbeitete, mitgeholfen hat. „Der hat zwischendurch einen Kurs im Haarewaschen gemacht.“ Mal mit Lehrlingen, mal mit Aushilfen betreibt Brigitte Hose ihren Salon – Angestellte hat sie nie – bis dann mittlerweile auch schon vor 36 Jahren ihre Tochter Gitta nach ihrer Ausbildung und Meisterprüfung mit ins Geschäft einsteigt.

„In den vergangenen 50 Jahren haben wir so einige Lkw-Ladungen an Haaren geschnitten“, sagt Brigitte Hose – auf wie viele Köpfe die mal gehört haben, weiß sie nicht.

Während sich in der Branche viel verändert hat seither, bleiben die beiden Frauen in ihrem Familienbetrieb einem Grundsatz treu: „Das ist hier auch immer ein Ort für ein Pläuschchen“, sagt Gitta Hose. Und Familienbetrieb heißt nicht nur, dass hier Mutter und Tochter arbeiten. Gitta und ihr Bruder sind praktisch im Salon aufgewachsen, der Salon war in gewisser Weise auch Zentrum des Familienlebens. „Ob ich hier schwanger war oder die Kunden mit dem Baby gealbert haben, das im Salon in seinem Bettchen lag – vieles hat sich hier abgespielt“, erzählt Gitta Hose.

Früher kamen die Kundinnen Samstags zur Wasserwelle

Früher, erinnert sich Brigitte Hose, kamen noch jeden Samstag die Frauen aus dem Dorf zur Wasserwelle.“ Da habe sie gleich mehrere Damen gleichzeitig versorgen können. Das sei heute nicht mehr so, aber dennoch sei es die Stammkundschaft, die das Geschäft am Laufen hält. „Ich habe Kunden, denen habe ich schon als Kinder die Haare geschnitten, jetzt sind es Studenten, die in alle Welt zerstreut sind und trotzdem kommen, wenn sie mal in der Heimat sind.“ Aber auch Menschen, die inzwischen verzogen sind, kommen immer wieder in den Langenhainer Salon, obwohl sie dafür lange Anfahrten in Kauf nehmen müssen. „Vor allem Männer meinen immer, dass sie woanders partout keinen Frisör finden können“, kichert Brigitte Hose. Einer ihrer Stammkunden, die ebenfalls immer wieder kamen, war Frisörmeister Adolf Adam aus Netra, bei dem Brigitte Hose ihre Ausbildung absolvierte. „Der sagte immer: Brigitte, du warst mein bester Lehrling“, erinnert sich Brigitte Hose.

Familiäre Nachfolge nicht in Sicht

Sie und ihre Tochter wollen den gemeinsamen Meisterbetrieb noch möglichst lange gemeinsam führen. Obwohl Brigitte Hose im vorigen Jahr einen Schlaganfall hatte, fühle sie sich jetzt wieder fit. „Hätte nicht gedacht, dass ich wieder so auf die Beine komme.“ Sie habe ihren Beruf inzwischen zum Hobby gemacht, lacht sie. „Was soll ich alleine zu Hause nebenan sitzen.“ Und Nachfolger für das Geschäft aus dem Kreis der Familie sind auch nicht in Sicht – obwohl Brigitte Hose sechs Enkelkinder hat. Die fünf Jungs hätten kein Interesse an den Beruf, außerdem seien alle um die zwei Meter groß. Und das einzige Mädchen in der Schar ist erst zwölf.

Jubiläumsparty muss wegen Corona ausfallen

Ein Fest zum Jubiläum am kommenden Dienstag muss leider ausfallen. Aber wer kommt, bekommt eine Piccolo mit auf den Weg. Stefanie Salzmann

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