Frisurentrends: Es begann mit der Dauerwelle

Blickten auf die Frisurentrends der vergangenen Jahrzehnte zurück: Friedhelm Apel und Justina Kranz (rechts) führen bei Mitarbeiterin Lisa Träbing eine Farbberatung durch. Kranz hat zum 1. Oktober den Salon Apel in Witzenhausen übernommen. Foto: Peukert

Witzenhausen. Friedhelm Apel blickt nach 36 Jahren als Friseurmeister zurück auf die Haartrends der vergangenen Jahrzehnte.

Geschätzte 9500 Köpfe hat Friedhelm Apel pro Jahr frisiert. In 36 Berufsjahren als Friseur kommt da einiges zusammen: Etwa 340 000 Frisuren hat er in seinem Leben bereits geschnitten, frisiert und modelliert. Am 1. Oktober hat er seinen Salon Apel an Mitarbeiterin und Friseurmeisterin Justina Kranz (29) übergeben. Zusammen blicken die beiden zurück auf die Frisurentrends der vergangenen Jahrzehnte.

„In meiner Lehre Ende der 60er Jahre habe ich überwiegend Dauer- und Wasserwellen gelegt. Schneiden war da eher zweitranging“, erinnert sich Apel. Luftgetrocknete Dauerwellen seien noch bis Mitte der 90er Jahre bei den Kunden gefragt gewesen - sowohl bei Frauen als auch bei Männern. „Das war ein regelrechter Boom.“

Danach waren Haarschnitte des britischen Friseurs Vidal Sassoon angesagt. Er sorgte mit seinen grafischen Schnitten und neuen Techniken für einen Wandel in der Branche. „Die Haarschnitte von Sassoon habe ich am liebsten gemacht. Die sind zwar etwas schwierig, aber die Technik lässt sich gut vermitteln. Denn die Frisuren sind mathematisch aufgebaut“, erzählt Apel.

Im Moment liegt die Painting-Technik im Trend. Dabei wird die Farbe frei Hand auf einzelne Strähnen aufgepinselt. So entstehe ein natürlicher Effekt. Allerdings sei diese Farbtechnik sehr schwierig und aufwendig. Kunden müssen dafür beim Friseur mindestens zwei Stunden Zeit einplanen.

„Dieses Jahr waren bei Frauen Flechtfrisuren gefragt. Der wilde, lässige Look lag im Trend“, weiß Justina Kranz. Viele Männer ließen sich einen Undercut (die Behaarung der unteren Kopfhälfte wird rasiert bzw. gekürzt, und die Haare des oberen Teils bleiben bestehen) schneiden und eine Tolle frisieren. Nächstes Jahr sind bei Frauen schlichte Langhaarfrisuren ohne Stufen im Trend. Der pure Look sei gefragt. Oft entstehen Trends beispielsweise durch Filme, in denen Schauspieler auffällige Frisuren tragen. „Bei einer WM hat sich das komplette Fußballteam aus Rumänien die dunklen Haare blond gefärbt. Danach wollten auf einmal auch hier viele schwarzhaarige Männer ihre Haare blondiert haben“, sagt Apel.

Apel wurde das Handwerk quasi in die Wiege gelegt: „Da bereits mein Vater Friseur war, wurde bei mir nie infrage gestellt, was ich beruflich mache.“ Das Wichtigste beim Friseurbesuch sei damals wie heute die Kommunikation. Das habe sich in den vergangenen Jahrzehnten nicht geändert. „Hier wird alles erzählt“, sagt der Witzenhäuser. Zwei Kunden kommen seit 64 Jahren in den Salon. „Meine Eltern haben denen schon die Haare geschnitten, da war ich noch nicht mal auf der Welt“, berichtet der 61-Jährige. Früher sei es üblich gewesen, jede Woche zum Friseur zu gehen. Auch heute gibt es noch Kunden, die das machen, aber sie stellen eine Ausnahme dar.

Kranz wagt einen Blick in die Zukunft ihres Berufsstands. „Schon heute gibt es Apps fürs Smartphone, mit denen Kunden testen können, wie sie beispielsweise mit blonden Haaren aussehen. Ich kann mir vorstellen, dass es vermehrt solche Simulationen geben wird“, sagt die 29-jährige Friseurmeisterin.

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