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Erfolgreiche Kooperation: Vier Kommunen arbeiten im Bereich des Standesamtswesens zusammen

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Von: Emily Spanel

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Intensive Zusammenarbeit: (vorn, von links) die Standesbeamtinnen Christina Koch (Wehretal), Carina Eggert (Waldkappel) und Birgit Stützer (Weißenborn) sowie die Bürgermeister (hinten, von links) Timo Friedrich, Mario Hartmann, Frank Koch und Thomas Mäurer.
Intensive Zusammenarbeit: (vorn, von links) die Standesbeamtinnen Christina Koch (Wehretal), Carina Eggert (Waldkappel) und Birgit Stützer (Weißenborn) sowie die Bürgermeister (hinten, von links) Timo Friedrich, Mario Hartmann, Frank Koch und Thomas Mäurer. © Emily Hartmann

Werra-Meißner – Standesbeamte haben ein bewegtes, anspruchsvolles Berufsleben. Die Anforderungen sind hoch, sie müssen eine komplexe Ausbildung durchlaufen und sich ein umfangreiches Wissen in vielen Rechtsbereichen aneignen.

Sie dürfen keine Angst vor Paragrafen haben – und müssen auch bei schusseligen Trauzeugen gelassen bleiben.

Pflicht sind regelmäßige Fortbildungen an der einzigen Fachakademie für Personenstandswesen Deutschlands, in Bad Salzschlirf bei Fulda. Das ist zwingend nötig, weil sich etwa die unterschiedlichen aktuellen Rechtsvorschriften und Gesetzeslagen in den verschiedenen Staaten der Erde ständig weiterentwickeln – und so müssten sich auch fertig ausgebildete Standesbeamte regelmäßig über Seminare weiterbilden.

Ungeplante Ausfälle kompensieren

Was aber passiert, wenn ein Standesbeamter plötzlich und ungeplant ausfällt – etwa durch Krankheit? Wer kann das enorme Fachwissen und zugleich auch das Fingerspitzengefühl, das in den Kommunen doch tagtäglich so dringend gebraucht wird, kompensieren?

Die Stadt Waldkappel und die Gemeinden Wehretal, Weißenborn und Ringgau haben eine unkomplizierte, praktikable und partnerschaftliche Lösung gefunden. Interkommunal haben sich die vier Kommunen im Standesamtswesen zusammengeschlossen und dazu einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. Das bedeutet konkret:

Fällt ein Standesbeamter in einer Kommune unvermutet aus, füllt ein Kollege aus einer der kooperierenden Kommunen die entstandene Lücke. „Diese gegenseitige Hilfe ist für Ausnahmefälle gedacht und kann selbstverständlich keine Dauerlösung sein“, schränkt Weißenborns Bürgermeister Thomas Mäurer ein. Und doch funktioniert die Kooperation so hervorragend, dass die Dienstleistungen für die Bürger bislang lückenlos und ohne zeitlichen Verzug gewährleistet werden konnten.

„Die Zusammenarbeit gestaltet sich rundherum positiv“, lobt Wehretals Bürgermeister Timo Friedrich das Vorzeigemodell – und zuvorderst die Standesbeamten der vier Kommunen, ohne deren Einsatz und Arbeitsbereitschaft über das Normalmaß hinaus rein gar nichts möglich wäre.

Aufgaben haben zugenommen

Die Aufgaben eines Standesbeamten haben im Laufe der Jahre immer mehr zugenommen. Das Tätigkeitsfeld der Beamten umfasst weit mehr, als viele Menschen vielleicht annehmen: Tatsächlich macht dabei die Eheschließung nur einen Bruchteil der täglichen Arbeit aus. Standesbeamte sind unabhängig und alleine dazu befugt, öffentliche Urkunden auszustellen: Ob Geburts- und Sterbeurkunden oder besondere Beurkundungen wie zum Beispiel Namenserklärungen und Vaterschaftsanerkennungen – alles unterliegt der Zuständigkeit des Standesamtes.

„Man muss als Standesbeamter nicht nur die deutschen Rechtsvorschriften kennen, sondern im Prinzip auch die jedes anderen Landes“, erklärt Christina Koch, Standesbeamtin in der Gemeinde Wehretal. Ein Beispiel: Wenn etwa für Flüchtlinge eine Urkunde ausgestellt werden soll, dann muss das nach dem Recht und den Regeln ihres Herkunftslandes erfolgen. „Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass wir in unserem Beruf nur mit der deutschen Sprache arbeiten.“ Deshalb werde, je nach der Herkunft der betroffenen Person, ein Dolmetscher hinzugezogen.

Eigenständigkeit behalten

Waldkappels Bürgermeister Frank Koch betont, dass jedes der vier Standesämter seine Eigenständigkeit behalten hat. „Wir bilden keine Verwaltungsgemeinschaft“, erklärt er. Völlig unkompliziert für den Bürger: Mit einem Anliegen wendet er sich nach wie vor an seine Heimatkommune und findet

dort seinen ersten Ansprechpartner. Selbstverständlich können Anträge auch digital gestellt werden: Im Zuge des Onlinezugangsgesetzes bieten Waldkappel, Wehretal, Weißenborn und Ringgau den Bürgerservice „Online-Anträge“ auf ihren Homepages an.

Wie nötig die Kooperation im Standesamtswesen ist und wie gut sie tatsächlich funktioniert, beweist der aktuelle Härtefall Ringgau: Nach dem Weggang der Standesbeamtin und einer klaffenden Personallücke stehen die Kooperationskommunen helfend zur Seite. Dankbar zeigt sich Ringgaus Bürgermeister Mario Hartmann, der zwar selbst Ehen schließen darf, aber etwa zu Beurkundungen nicht berechtigt ist. „Die Stellenausschreibung ist in vollem Gange“, erklärt der Verwaltungschef.

Von Emily Hartmann

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