Rettung vor Verkehrstod

Für Kröten auf die Straße gehen: Helfer retten 12 000 wandernde Amphibien

Folgen einem inneren Kompass: Zum Laichen wandern Amphibien immer wieder an den Ort ihrer Geburt. Zwischen dem und ihrem sonstigen Habitat liegen aber häufig für die Tiere gefährliche Straßen.
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Folgen einem inneren Kompass: Zum Laichen wandern Amphibien immer wieder an den Ort ihrer Geburt. Zwischen dem und ihrem sonstigen Habitat liegen aber häufig für die Tiere gefährliche Straßen.

Um die 12 000 Erdkröten, Molche und Frösche sind in diesem Jahr wieder im Werra-Meißner-Kreis vor dem Verkehrstod gerettet worden.

Werra-Meißner – Ein stetig wachsendes Heer ehrenamtlicher Helfer hat an sieben Schwerpunktrouten der Amphibien, die in den vergangenen Wochen zu ihren Laichplätzen gewandert sind, die Tiere eingesammelt und über die Straßen getragen.

„In diesem Jahr hatten wir sehr viele neue ehrenamtliche Helfer und konnten so an einigen Stellen im Kreis neu oder nach Jahren erneut Amphibien retten“, so Heike Matthies vom BUND. „Wir möchten allen danken, die bereit waren, für die Kröten auf die Straße zu gehen.“ Allein auf der Strecke zwischen Wanfried und Aue haben die Helfer um die 7000 Tiere gerettet. „Unser Ansatz war, die Population zu erhalten und die ist jetzt so, dass man sich eigentlich keine Sorgen mehr machen muss“, sagt Andreas Heine, der zu den Amphibien-Aktivisten gehört.

Zuwachs an Helfern durch viele Aufrufe der Naturschützer

Den Zuwachs an Helfern erklärt er durch viele öffentliche Aufrufe, ein gestiegenes Engagement der Naturschutzverbände wie BUND und Nabu. Aber auch die Pandemie sei den wandernden Amphibien zugutegekommen. „Die Leute hatten eben auch kein alternatives Abendprogramm.“ Denn die Tiere wandern in wärmeren und feuchten Nächten. Allein die Einsätze von sechs Rettungstrupps hat Heike Matthies in diesem Frühjahr organisiert.

So viele Tiere wurden auf den jeweiligen Routen aufgesammelt

Aue-Wanfried: Hier konnten fast 7000 Amphibien gerettet werden.

B 80 bei Freudenthal: Dort wurde parallel zur B 80 am Feldweg erstmals ein mobiler Schutzzaun mit Eimern durch Ehrenamtliche betreut. Etwa 1400 Erdkröten wurden in diesem Jahr dort gezählt.

Friedrichsbrück-Helsa: An einem mobilen Zaun mit Fangeimern wurden dort 2007 Erdkröten, 128 Teichmolche, 191 Bergmolche, 9 Fadenmolche, zehn Grasfrösche und vier Waldeidechsen gerettet.

Jestädt-Motzenrode: 1000 Teichmolche und Hunderte Erdkröten wurden gesammelt.

Gut Mönchhof - Alberode: Dort wurden 446 Erdkröten, 20 Molche, diverse Bergmolche und ein Kammmolch gerettet.

Höllental: An einem Abend wurden dort 23 Molche und neun Kröten gesammelt.

Grebendorf-Jestädt: Hier wurde die Straße zur Hauptwanderzeit mit der Schrankenanlage gesperrt.

Auch die Zusammenarbeit mit der Oberen und Unteren Naturschutzbehörde sowie Hessen Mobil und der Gemeinde Meinhard, die beispielsweise die Straße zwischen Grebendorf und Jestädt nächteweise sperrt, laufe inzwischen reibungslos. Auch Wanfried hatte Geschwindigkeitsbegrenzungen verhängt, an die sich nach Angaben der Retter aber viele Autofahrer nicht hielten.

Jetzt ist die Wanderung der Kröten im Wesentlichen vorbei, am Sonntagabend rettete Bernd Hiddemann aus Grebendorf noch mal 60 Nachzügler bei Grebendorf von der Straße. Die aufgestellten Fangzäune bei Aue werden jetzt abgebaut. (Von Stefanie Salzmann)

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