Kunstkritikerin nahm die Ente aus Witzenhausen ins Visier

Gaga führt Eigenleben

Gleich muss sie auf den Prüfstand: Emil Oswald aus Witzenhausen stellte Kunstkritikerin Lori Waxman seine Ente Gaga für die documenta 13 vor. Foto: Oschmann

Kassel / Witzenhausen. Alle wollen Gaga. Und das seit 16 Jahren. Die etwa 15 Kilogramm schwere gelbe, vom Wetter ziemlich ramponierte Ente sieht aus wie eine Ente, „ist aber in Wahrheit eine Kirsche“, wie Emil Oswald augenzwinkernd erklärt.

Er ist der Sprecher der sogenannten Gagaisten, wie sich die Gruppe um die Ente Gaga nennt. Oswald hat das Flugtier 1996 gebaut. „Sie war unsere Antwort auf die Metamorphosen.“ Damit meint Oswald das Kirschen-Kunstwerk am Werra-Radweg. Ein Protest in Entenform gegen das „Gaga-Kirschen-Kunst-Projekt“, wie Oswald sagt. Doch die Liebe der Witzenhäuser zu Gaga zog immer weitere Kreise.

Und die reichen sogar bis zur documenta 13. Gaga ist nun offiziell zugelassen zur Weltausstellung moderner Kunst. Gestern, zwei Tage vor der offiziellen Eröffnung, fuhr Oswald mit der Ente nach Kassel, um sie von Kunstkritikerin Lori Waxman begutachten zu lassen. Im Rahmen des Projekts „60wrd/min art critic“ kann sich jeder mit einem Kunstobjekt anmelden und es von Experten bewerten lassen.

Waxman ließ sich die Geschichte Gagas zunächst erklären, schaute sie sich an, hatte ein paar Rückfragen und legte los mit ihrer „Duck-Story“: 15 Minuten lang schrieb die Kustkritikerin ihre Ideen in den Laptop, Oswald konnte den Text auf der Leinwand mitlesen. Zu Waxmans Freude beschäftige Gaga inzwischen ganz Witzenhausen – von der Kita bis zum Bauhof. Und sie wurde lange vor Lady Gaga bekannt. Aber die Ente werfe Fragen auf und provoziere.

Documenta-Gaga, wie sie nun heißt, ist schon die dritte Ente, die Oswald gebaut hat. Ihre Vorgängerinnen haben abenteuerliche Reisen hinter sich, verschwanden, tauchten wieder auf oder für immer ab. „Gaga führt irgendwie ein Eigenleben“, sagt Oswald. „Genau das ist das Schöne an ihr.“ Was Kunstkritikerin und Presse über sie denken, sei ihm eigentlich egal. Aber dass Gaga nun zur documenta-Kunst zählt, das freue ihn doch sehr.

Von Sabine Oschmann

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.