Von Herleshausen bis nach Witzenhausen

Population bei Jestädt und Albungen entdeckt: Ganze Werra ist wieder Biber-Heimat

Familientiere: Biber leben in Familienverbänden, bleiben ein Leben lang ihrem Partner treu und wenn die Jungen ausziehen, siedeln sie sich nach Möglichkeit in der Nachbarschaft an.
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Familientiere: Biber leben in Familienverbänden, bleiben ein Leben lang ihrem Partner treu und wenn die Jungen ausziehen, siedeln sie sich nach Möglichkeit in der Nachbarschaft an.

Mit der Entdeckung ganz frischer Biberspuren an der Werra bei Niederhone und Jestädt steht jetzt fest, dass die gesamte Werra zwischen Herleshausen und Witzenhausen wieder mit Bibern besiedelt ist.

Werra-Meißner - „Die Tiere leben im Kiesabbaugebiet unweit der Wehremündung, zahlreiche Ausstiege am Werraufer und viele von den Tieren gefällte Bäume beweisen dessen Anwesenheit, und dass sie hier einen idealen Lebensraum gefunden haben“, berichtet der Eschweger Jäger Dr. Jörg Brauneis. Sogar eine ganze Biberfamilie habe sich an der Einmündung der Berka in die Werra bei Albungen angesiedelt.

Im Gebiet des heutigen Hessen wurden die Biber bis zum 18. Jahrhundert vollständig ausgerottet. In ganz Deutschland hatte nur eine winzige Population von weniger als 400 Tieren an der mittleren Elbe bis ins 20. Jahrhundert überlebt.

Ausrottung wegen ihres begehrten Fells

Gründe für die Ausrottung waren vor allem die unkontrollierte Jagd nach dem dichten und wasserabweisenden Fell der Tiere. Auch war der Biber auf dem Konzil von Konstanz (1414-1418) durch ein päpstliches Edikt wegen des flachen, schuppigen Schwanzes und seiner amphibischen Lebensweise als teilweise zu den Fischen gehörend bezeichnet worden.

Biberfleisch war damit als Fastenspeise zugelassen. Wertvoll war auch das sogenannte Bibergeil, der Duftstoff, mit dem Biber ihre Reviere markieren. Es galt in der Naturheilkunde als wirksames Mittel gegen Nervenerkrankungen, Gliederschmerzen und Menstruationsbeschwerden.

Wanderung vom Spessart bis an die Werra

Es dauerte dann bis Ende der 1980er-Jahre, als auf Betreiben des damaligen Vorsitzenden der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz, Willy Bauer, 18 reinrassige Elbebiber in den hessischen Spessart gebracht und dort ausgesetzt wurden. Dort vermehrten sich die Tiere gut und breiteten sich über die Rhön auch auf das das Flusssystem der Werra aus. Entlang der thüringischen Werra erreichten sie schließlich Herleshausen.

Gefällt und entrindet: Weiden am Ufer der Werra. Baumrinde gehört zur Nahrung des Bibers.

Biber leben im Kreis bei Herleshausen, wo mindestens in den Jahren 2019 und 2020 auch Jungbiber zur Welt gekommen sind. Außerdem gibt es sie bei Altenburschla, Frieda, Schwebda, am Werratalsee, Bad Sooden-Allendorf, in den Naturschutzgebieten bei Ellershausen und Freudenthal an der Landesgrenze zu Niedersachsen.

Totfunde im Werra-Meißner-Kreis

Leider gibt es auch Totfunde von Bibern. Erstmals wurde im Juli 2015 ein Biber auf der Bundesstraße nördlich des Werratalsees überfahren. Mindestens drei Biber kamen auf der Straße an der Landesgrenze zu Niedersachsen am Flusskraftwerk „Letzter Heller“ zu Tode. Am 30. Januar 2020 wurde ein toter Biber bei Schwebda gefunden.

Der Eschweger Jagdverein Hubertus hat das Tier dann mit Genehmigung der Naturschutzbehörde präparieren lassen und dem Geo-Naturpark-Frau Holle-Land für Lehrzwecke übergeben. (Stefanie Salzmann)

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